UN-Simulation: Das Spiel um eine bessere Welt

Im mexikanischen Cancún treffen sich in dieser Woche die Staatschefs der Vereinten Nationen, um einmal mehr in Sachen Klimawandel zu verhandeln. Wieder einmal werden zähe Verhandlungen erwartet. Jugendliche aus aller Welt sind schon vorab in die Haut von wichtigen Politikern geschlüpft und haben in einem Planspiel die Atmosphäre einer UN-Konferenz am eigenen Leib gespürt.

Eine Reihe von Vorschlägen und Ideen liefern die Jugendlichen bei der simulierten UN-Konferenz.

Eine Reihe von Vorschlägen und Ideen liefern die Jugendlichen bei der simulierten UN-Konferenz. Foto: Nadja Bobrova

Ein Schweißtropfen läuft Rodrigo César die Schläfe herunter. Sein Herz rast unangenehm. Rodrigo ist mitten in einer heißen Diskussion und versucht den anderen Studenten um ihn herum zu erklären, warum er und nicht sein Sitznachnachbar Recht hat. Der brasilianische Student spielt an diesem Tag eine wichtige Rolle: Er schlüpft in die Haut von Alain Bédouma Yoda, dem Außenminister von Burkina Faso.

Rodrigo kämpft in seiner Rolle um Entwicklungshilfe für eines der ärmsten Länder der Welt. Einem Land, in dem Kinder hungern müssen und Erwachsene nicht die Möglichkeit haben, etwas daran zu verändern. Umso mehr liegt ihm daran, die politischen Führer der reichsten Länder zu überzeugen, Verantwortung für Burkina-Faso zu übernehmen und es finanziell zu unterstützen. Ein schweres Unterfangen, wie Rodrigo schnell bewusst wird.

Theater mal ganz anders

Jordanier und Ghanaer in Rollen von Ban Ki-Moon und Barack Obama

Jordanier und Ghanaer in den Rollen von Ban Ki-Moon und Barack Obama. Foto: Nadja Bobrova

Rodrigo und 31 andere Jugendliche sind Teilnehmer eines Planspiels in Bonn, bei dem der anstehende UN-Gipfel in der mexikanischen Stadt Cancún simuliert wird. Zwölf Nationen werden bei dem Projekt der Friedrich-Ebert-Stiftung, „Shaping Globalization!“, von Studenten aus aller Welt vertreten. Die Idee dahinter: Die Jugendlichen spielen Führungspolitiker aus einem wirtschaftlich, politisch und kulturell komplett gegensätzlichen Land zu ihrer Heimat.

Was Rodrigo und die anderen auszeichnet, ist ihr politisches Engagement in ihrem Heimatland. Seien es die Umstände an ihren Universitäten, die sie versuchen zu verändern oder die Mitgliedschaft in einer politischen Partei, mit der sie die Lage in ihrem Land verbessern wollen. Was sie eint, ist der gemeinsame Glaube, dass es in ihrer Hand liegt, demnächst die Welt zu verändern – durch gute Argumente, durch Gleichberechtigung und  lange Diskussionen. Den Anfang machen sie schon jetzt im Planspiel, das ihnen wichtige Kompetenzen vermitteln soll. Solche, die sie für ihre spätere politische Laufbahn schulen und für das Leben trainieren sollen.

Gegen die Ungerechtigkeit im eigenen Land

Rodrigo Cesar setzt sich für die Rechte von Burkina Faso vor den Vereinten Nationen ein

Rodrigo César setzt sich für die Rechte von Burkina Faso ein. Foto: Nadja Bobrova

Rodrigo ist 25 und kommt aus Brasilien. Dort engagiert er sich für die Partido dos Trabalhadores, kurz PT, der Arbeiterpartei Brasiliens. Dabei geht es ihm zum Beispiel um bessere Zustände an staatlichen Universitäten. Das heißt konkret: mehr Staatsgelder für die Unis in seinem Land. Das Bildungssystem, wie es in Deutschland ist, kann er sich in Brasilien nicht vorstellen. Schon allein die vielen Privatunis in Brasilien treiben den jungen Sozialisten, wie er sich selbst bezeichnet, zur Weißglut. Gebühren an den staatlichen Hochschulen sollten seiner Ansicht nach in jedem Land abgeschaffen werden.

Geld regiert die Welt

Rodrigo identifiziert sich mit seiner Rolle im Planspiel so stark, dass er kaum merkt, wie die Zeit verstreicht. Doch er ist nicht der Einzige, der mit Leib und Seele dabei ist. Während der Konferenzen kommt es zu solch heißen Auseinandersetzungen, dass der Generalsekretär der Vereinten Nationen, Ban Ki-Moon, gespielt von einem Jordanier, die Konferenz für einige Augenblicke unterbrechen muss. Es geht um Öl, Gas, Wasser, Kohlenstoffdioxid und Geld. Geld, das den großen Unterschied zwischen einem Menschen in Afrika und einem Menschen in den USA ausmacht. Geld, das an die armen Länder gegen ihre Zustimmung zu unfairen Vertragsbedingungen verteilt wird.

Internationale Konferenz "Shaping Globalization!"

31 Jugendliche kämpfen bei der Internationalen Konferenz "Shaping Globalization!" für eine bessere Welt. Foto: Nadja Bobrova

Die Erkenntnisse der Teilnehmer sind ernüchternd, helfen ihnen aber gleichzeitig die Komplexität solcher Debatten nachzuvollziehen. „Jetzt denke ich zweimal nach, bevor ich Politiker in ihren Entscheidungen kritisiere“, sagt Rodrigo. Er nimmt, wie die meisten anderen, das Spiel ziemlich ernst. „ Falls wir nicht im Stande sind einen Kompromiss zu finden, so verliert jeder Einzelne von uns die Hoffnung, dass es in der richtigen Politik klappen kann.“

Der Wille, die Welt zu verbessern

Aber letztlich kommt es in Bonn zu einem Kompromiss. Die Studenten verfassen ein Dokument mit Forderungen und Versprechen an die richtigen Vereinten Nationen. Nichts Rechtskräftiges. Bloß als das Resultat des Spiels. Dennoch haben sich die Jugendlichen Mühe gegeben: Hunderte von Unterpunkten und kleinen Detailinformationen zu den Themen Umwelt, Hilfe und Entwicklung. So fordern sie zum Beispiel die Senkung des CO2-Ausstoßes weltweit oder die Unterstützung des Handels mit schwachen Wirtschaften. Was die richtigen Poltiker in Cancún beschließen, bleibt jedoch offen. „Das Wichtigste ist aber, dass die Politiker den Willen haben, die Welt zu verbessern“, sagt Rodrigo. „So wie wir.“

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