Supershirt: Beerdigung mit Nebel und Stroboskop

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Nach acht Jahren ist es vorbei – im März gab die Band Supershirt ihre Trennung bekannt. Bis dahin hatte die Band drei Alben, zwei EPs und mehrere Singels beim Indie-Label Audiolith veröffentlicht. Im Oktober gab die Band noch sechs letzte Konzerte, um gemeinsam mit ihren Fans Supershirts Beerdigung zu feiern.

Es ist eng im Molotow auf der Hamburger Reeperbahn. Die Menschen stehen dicht gedrängt, der kleine Club ist ausverkauft. Plötzlich ertönt Jubel, Hände recken sich in die Luft. Die Band hat die Bühne betreten, die erste Elektrobeats kommen aus den Boxen, dann heißt es: „Ab jetzt wird zugehört, wir sind Supershirt!“ Das Publikum fängt an zu tanzen, zu pogen, es wird mitgesungen, gefeiert.

Bei dem Anblick fällt es schwer zu glauben, dass all die Leute eigentlich aus einem traurigen Anlass hier sind. Supershirt, die Band die gerade das ganze Publikum zum hüpfen bringt, hat sich aufgelöst. Das Konzert in Hamburg ist das vorvorletzte von Tim Brennen. Faxe System und Timo Katze, die als Trio Supershirt bilden. Es folgen nur noch zwei weitere Konzerte in Rostock, dann ist Schluss.

„Die haben sich aufgelöst. Das war geil!“

Während der Abschied emotional und groß gefeiert wird, wirkt der Grund für die Trennung im Vergleich dazu relativ nüchtern: Die drei haben einfach nicht mehr genug Zeit für die Band und entschlossen sich für den endgültigen Abschied mit Konzerttour. „Das ist besser als die Band einfach so hinsiechen zu lassen, bis es dann wirklich niemanden mehr interessiert“, erklärt Timo Katze, ein paar Stunden früher beim Interview. Tim Brenner stimmt ihm zu, er möchte auch nicht, dass die Fans sich später fragen, wo Supershirt eigentlich hin ist. Deswegen ist ihm auch die Abschieds-Tour sehr wichtig: „Die Leute werden dann in zehn Jahren sagen: ‚Supershirt? Die haben sich 2015 aufgelöst. Das war geil! Da war ich auf der Abschiedsfeier.'“

Auf dem Abschiedskonzert am Abend wird die Stimmung auf jeden Fall hochgehalten, traurige Gesichter gibt es keine. Trotzdem merkt man immer wieder, dass Supershirt aufs Ende zugeht. Am Merch-Tisch sind schon viele Shirts und Beutel ausverkauft, die Alben werden im „Kauf weniger ein“-Kombi-Paket angeboten. Daneben liegt Supershirts Abschiedsbrief gedruckt als Poster, für alle zum mitnehmen.

Musikerfreunde sagen „Auf Wiedersehen“

Sechs letzte Konzerte spielten Supershirt, um sich von ihren Fans zu verabschieden.

Sechs letzte Konzerte spielten Supershirt, um sich von ihren Fans zu verabschieden.

Hinter dem Tisch mit Fan-Artikeln steht Lars Lewerenz, Gründer von Audiolith, Supershirts Heimat-Label. Vor dem Konzert stellt er sich kurz auf die Bühne: „Ich bin heute selber ziemlich traurig, denn auch für mich ist es das letzte, das wirklich letzte Mal, dass ich Supershirt live sehe!“ Den Meisten im Publikum geht es wohl ähnlich.

Lars Lewerenz ist aber nicht der einzige prominente Besucher und Freund von Supershirt, der zum Abschied nehmen gekommen ist. Hannes Naumann, Sänger der Band Captain Capa, präsentiert vor dem Konzert eine Text über das Tourleben mit Supershirt und hat später am Abend noch einen Gastauftritt beim gemeinsamen Song „Tote Tiere“.

Das Leben nach der Musik

Captain Capa wird auch noch weit über das Konzert mit Supershirt verbunden bleiben. Timo Katze steigt nach der Abschieds-Tour bei der Band als Gitarrist ein. Aber wahrscheinlich nicht nur deswegen empfehlen Tim, Timo und Faxe einstimmig Captain Capa als Supershirt Ersatz.

Für den Rest der Band geht es in andere Richtungen. Faxe System hat  eine kleine Pension an der Ostsee geerbt, die 2016 auf Vordermann gebracht werden muss. „Und dann mach ich da Urlaub!“ Tim Brenner zieht es ebenfalls ans Wasser. Er macht demnächst seinen Sportbootführerschein und das alte Holzboot vom Uropa fit.

Goodbye für immer

Zurückblicken können sie dann auf eine lange, erlebnisreiche Supershirt-Zeit. „Es sind so viele Kleinigkeiten, die gut sind oder auch nicht gut sind und viel bleibt dann immer in Erninnerung. Wir sprechen auch oft drüber und erzählen uns die Storys von früher“, erzählt Tim Brenner.

Viel Gutes gab es auch am Abend auf dem Abschieds-Konzert. Die Band spielte sich durch ihre gesamte Geschichte, alten Songs wie „Kauf weniger ein“ und „Strawberry High“ sind zu hören, aber auch neuere wie „Aurora Borealis“ und „Besser Scheitern“. Für jeden Fan ist ein Highlight dabei und bei manchen Songs wird einigen schon das Herz etwas schwer. Trotzdem wird bis zum Ende des Abends gefeiert und mit gesungen. Die Band hält die Fans mit zwei Zugaben durchgehend bei Stimmung, immer wieder brandet Jubel auf und die Menge lässt sich erneut begeistern. Als allerletzten Song spielt Supershirt „Teitmaschine“, obwohl sie, wie sie selber sagen, den Song schon lange nicht mehr hören können. Ein letztes Mal gibt das Publikum alles, ein letztes Mal wird Supershirt gefeiert. Dann ist es wirklich vorbei. Mit einem abschließenden „Lebewohl“ verlassen Supershirt die Bühne. Goodbye für immer.

 

Mehr Infos bei eldoradio*
Wenn ihr eins der letzten Interviews mit Supershirt ganz anhören möchtet, findet ihr es bei eldoradio*. Da erfahrt ihr unter anderem auch Supershirts letzte Worte an die Welt und was sie so gar nicht vermissen werden:
https://www.eldoradio.de/podcast/interview-mit-supershirt

Beitragsbilder und Teaserfoto: © Timo Roth (www.timo-roth.de)

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