Kommentar: Fehler und Fehlverhalten

Borussia Dortmund hat am vergangenen Samstag das 143. Ruhrpott-Derby gegen Schalke 04 gewonnen. Über das Sportliche wurde anschließend aber kaum geredet.

Der Grund: Zu Spielbeginn stieg gelber Rauch aus dem Gästeblock auf. Zudem wurden Böller gezündet und Leuchtraketen verschossen, die unter anderem auch in angrenzenden Sitzplatzblöcken landeten. Einige der Dortmunder Anhänger haben sich ganz offensichtlich daneben benommen. Der BVB will die Vorkommnisse nun aufarbeiten und sich Ende kommender Woche dazu äußern. Aber auch einige der Medienvertreter machten in der Nachberichterstattung keine glückliche Figur.

Titelseiten verschiedener Zeitungen am Montag (Foto: David Freches)

Titelseiten verschiedener Zeitungen am Montag. (Foto und Teaserbild: David Freches)

Man kann zu Pyrotechnik im Fußball stehen, wie man will. Fakt ist: Sie ist nicht erlaubt. Fakt ist aber auch, dass in den letzten Jahren häufiger Pyrotechnik von den jeweiligen Gästefans im Revierderby eingesetzt wurde. Nicht nur  Stadionbesucher haben sich an den Anblick von bengalischen Feuern und Rauchtöpfen schon gewöhnt.

Dass Leuchtraketen in angrenzenden Blöcken landen, ist aber neu. Das geht gar nicht und das muss und wird sanktioniert werden. Das ist ein Schlag ins Gesicht für alle, die sich für die Rechte von Fans einsetzen: Es bekräftigt den Deutschen Fußballbund und die Deutsche Fußballliga in ihrem zumindest fragwürdigem Verhalten den Fans gegenüber fortzufahren. An dieser Stelle sei auf die in der Vergangenheit ausgesprochenen Kollektivstrafen gegen Stadionbesucher hingewiesen, die man beim DFB scheinbar für das Allheilmittel hält.

„Bilder, die wir gar nicht sehen wollen!“ – Wirklich?

Was mich aber wirklich aufregt: Der Umgang der Medien mit den Szenen vor Anpfiff. “Das sind Bilder, die wir eigentlich gar nicht sehen wollen!” lautete vielfach der Tenor in Sportsendungen. Warum zeigt man dann den Gästeblock in Großaufnahme? Das ist eine Doppelmoral! Muss man dem Fehlverhalten einiger Fans so eine Bühne bieten? Auch während des Derbies im März dieses Jahres wurde im BVB-Block Pyrotechnik eingesetzt. In der damaligen Liveberichterstattung wurde das jedoch nicht in Großaufnahme gezeigt, sondern war lediglich aus der Totalen zu erahnen. Wäre das am Samstag nicht auch möglich gewesen?

Auch die Tageszeitungen aus Dortmund und Umgebung hatten in der Montags-Ausgabe Fotos des Gästeblocks auf dem Titel. Das hat dem Verkauf der Ausgaben bestimmt nicht geschadet. Die Bilder sind spektakulär und machen die Zeitung attraktiver als das zehnte Bild der jubelnden Borussen. Im Innenteil natürlich nur Kritik à la „Das hat doch mit Fußball nichts zu tun.“ Muss dann das Titelfoto und die damit verbundene Aufmerksamkeit sein?  Diese Art von Berichterstattung ist schizophren.

Was bleibt abschließend zu sagen, wenn man nicht in die Forderungen nach einem Geisterspiel und lebenslangen Stadionverboten einsteigen will? Hoffentlich lernen die Fans aus ihren Fehlern. Dann müssten Medienvertreter das nicht thematisieren. Und wenn doch, dann bitte ohne großes Schaulaufen, Bildergalerien und ohne Titelfotos.

4 Comments

  • Dennis Kanschat sagt:

    Hallo,
    @seamus: hast du einmal in deinen leben im süden 12/13 oder drumherum gestanden? Niemand der aktiven Fans ist scharf darauf „einmal im Leben im Fernsehen oder auf der Titelseite der Zeitung“ zu sein. Im Gegenteil! Medien und Politik sind im Stadion – zumindest in den „Kurven“ – unerwünscht. Deine Behauptung ist in meinen schlichtweg falsch und vor allem voreilig!

    Es ist sicherlich fragwürdig, wenn einzelne Personen ihre Pyrokörper in benachbarte Blöcke werfen – auch wenn da blaue sitzen – aber da spielen Emotionen eine riesige Rolle. Das soll keine Entschuldigung sein, aber man sollte die aktiven nicht über einen Kamm scheren.

  • David Freches sagt:

    Hallo Seamus Kennan,

    danke für Ihren Kommentar. Wie ich geschrieben habe: An den Anblick von bengalischen Feuern hat man sich bereits gewöhnt. Ohne das oder irgendjemand in Schutz nehmen zu wollen bzw. die ganze Sache von Samstag zu verharmlosen – wären die Leuchtraketen nicht in den Nachbarblöcken gelandet, hätte es vermutlich gar kein (so großes) Echo gegeben.

  • Ich denke, die Hauptmotivation dieser Leute ist immer noch, einmal im Leben im Fernsehen oder auf der Titelseite einer Zeitung zu sein – für einen Tag berühmt. Und am besten schafft man das natürlich, indem man spektakulär gegen das Gesetz verstößt. Die Kritik an den Medien ist daher mehr als berechtigt.

    Andererseits ist das Argument dieser Leute, daß anders keine richtige Stimmung aufkommt, allerdings lächerlich; außerdem hilft es der eigenen Mannschaft kein Stück, wie man dann ja auch an der ersten etwas verhalten geführten Viertelstunde des Spiels gesehen hat. Nur leider ist der BVB dafür in dieser Saison schon oft aufgefallen. Auch in Neapel beim ersten CL-Spiel wurden Pyrotechnik in den italienischen Nachthimmel befördert. Darüber habe ich kaum Kritik gelesen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.