Sieben Tage ohne Stress – ein Selbstversuch

Der Terminkalender platzt! Geisteswissenschaftler kämpfen mit Powerpoint-Präsentationen und Handouts, Hausarbeiten und diversen Texten, die sie schreiben müssen. Natur- und Ingenieurwissenschaftler verzweifeln an Übungsblätter, Protokollen und in Tutorien und Praktika. Und wer muss schon nicht sämtliche Vorlesungen vor- und nachbereiten?

Einige schieben den Zeit- und Leistungsdruck auf die Umstellung vom Diplomstudiengang zum Bachelor. Tatsache ist: Das Karussell dreht und dreht sich. Kann man sich da überhaupt Pausen erlauben?

Wo kann man hier dem Stress entfliehen?, Teaserbild und Fotos: Mary Hense

Wo kann man hier dem Stress entfliehen?, Teaserbild und Fotos: Mary Hense

Sieben Tage ohne negativen Stress. Ich hab’s versucht.

Tag 1:

To-Do-Liste: Einen Text für die Uni schreiben, Vorlesungsfolien ausdrucken, lesen und nachbereiten, Fragen für ein Beratungsgespräch aufschreiben, Geburtstagsgeschenk besorgen, Chinesisch-Vokabeln lernen (Freitag: Diktat), Sport

Montagmorgen. Ich stehe absichtlich früher auf, um mir Zeit für ein Frühstück zu nehmen. Am Küchentisch sitzend mümmele ich schön langsam meine Cornflakes vor mich hin. Dreißig Mal, so steht es in diversen Ratgebern, solle man mindestens kauen. Vorteile: Man nimmt das Essen unter Anderem besser wahr und genießt mehr – ich spüre nur die Ungeduld in mir aufsteigen.

Ruhephasen fühlen sich wie verplemperte Zeit an, wenn man an den Arbeitsberg denkt.

Angesichts des Arbeitsbergs, fühlen sich Ruhephasen wie verplemperte Zeit an.

Während ich mein Essen bis auf das kleinste Atom zerkaue, gehen mir viele Dinge durch den Kopf, die ich während des Essens tun könnte, um „Zeit zu sparen“:

Neueste Nachrichten im Internet abrufen, Emails checken, Zeitung lesen, Küche aufräumen, sich per SMS wieder bei Freunden melden. Tief in meinem Inneren weiß ich, dass es eine Illusion ist, Zeit zu „sparen“, indem man mehrere Dinge auf einmal macht. Trotzdem juckt es mir in den Fingern.

Bist du langsam, hast du verloren

Auf dem Weg zum Bahnhof. Ich habe mir vorgenommen heute nicht schneller als im Schritttempo zu gehen. Mein erster Schritt zu einer Hektik-freien Zeit ist es, mich auszutricksen, indem ich mir unbequeme Schuhe anziehe. Sehr effektiv: Meine Füße tun schon jetzt so weh, dass ich kaum schneller als eine Oma mit Rollator zu sein scheine.

Am Bahnhof scheint die Uhr schneller zu ticken. Viele Menschen sind in Eile.

Am Bahnhof scheint die Uhr schneller zu ticken. Viele Menschen sind in Eile.

Am Bahnhof merke ich: Du hast verloren, wenn du langsam bist. Das Gleiche gilt für das Verlassen von Hörsälen, die Mensa und Supermärkte. Sobald ich mir Zeit nehme, stehenbleibe oder mich umschaue, drückt jemand von hinten oder stöhnt genervt auf.
Ich ertappe mich im Laufe des Tages immer wieder dabei, wie ich mich automatisch von der Masse mitreißen lasse, zurück in die Eile, zurück in die allgemeine Hektik.

Am Ende des Tages fühle ich mich nicht besonders ausgeruht. Die Blasen an den Füßen tun ihr Übriges.

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