Altersvorsorge:
Interessiert Dich nicht? Sollte es aber, dringend!

Die Vorsorge fürs Alter kann nicht früh genug beginnen.

Die Vorsorge fürs Alter kann nicht früh genug beginnen. (Bild: pixabay)

Er zierte die Litfaßsäulen der Bundesrepublik im Jahre 1986: „Denn eins ist sicher, die Rente.“ So  lautete der Satz, den der damalige Bundesminister Norbert Blüm verkündete. Heute mag vieles sicher sein – die Rente ist es nicht mehr. Unter jungen Leuten ist die Altersvorsorge selten ein Thema.

Zwar wird über  die Rentenpolitik beim Feierabendbierchen kurz diskutiert, jedoch nicht gehandelt. So ist es auch bei Student Simon aus Gelsenkirchen. Der 20-Jährige hat sich bisher „ null Gedanken“ über seine Altersvorsorge gemacht und ist damit nicht allein. „Niemand meiner Freunde sorgt sich schon um seine Rente, vermutlich weil wir noch so jung sind“, meint Simon. Der Zweitsemester hat ganz andere Prioritäten: „Ich spare jetzt erst mal auf  einen Auslandstrip.“

Mit dieser Einstellung spiegelt Simon laut Professor Martin Werding von der Ruhr-Universität Bochum die Meinung der meisten jungen Leute wieder. „In der heutigen Zeit ist es scheinbar unattraktiv zu sparen. Da wird lieber direkt in etwas investiert.“

Sparen? Ist doch uncool!

Dabei ist kaum ein Thema im Wahlkampf so beliebt wie die Rente. Anlässlich der Bundestagswahlen im kommenden Jahr, dreht es sich in der Politik schon jetzt alles um die Frage, wie die Altersvorsorge für die nächsten Generationen gesichert werden soll. Die Problematik liegt auf der Hand: Während die Menschen aufgrund höherer Lebenserwartung immer älter werden, sinkt die Zahl der Geburten – dieses Phänomen nennt sich demografischer Wandel.

Heutzutage kommen noch etwa drei Beitragszahler für einen Rentner auf, sagt Professor Martin Werding. Der Experte für Sozialpolitik und Sozialökonomie beschäftigt sich mit der Altersvorsorge und ist sich den zukünftigen Risiken bewusst. „Vielleicht sprechen wir später mal von einer Eins-zu-Eins-Situation von Beitragszahler und Rentner.“ Die Politik möchte diesem Prozess seit einigen Jahren entgegenwirken. Dazu wurde das Renteneinstiegsalter ab 2012 schrittweise auf 67 Jahre erhöht. Doch die Altersgrenze wird weiter ansteigen: „Wer glaubt, dass der mit 67 Jahren in Rente geht, den muss ich wohl enttäuschen“, sagt Werding. 

Was ist ein Bausparvertrag?

Beim Bausparvertrag handelt es sich um einen Sparvertrag, für den Anleger monatlich oder einmalig einen festgelegten Betrag einzahlen. Dabei kann der Sparer wählen, wie viel Geld er im Monat in den Vertrag einzahlen möchte und wo sein Sparziel liegen sollen. Auf dieses Geld erhält er dann Zinsen, deren Höhe vom Bausparvertrag abhängig ist. Ist die im Voraus festgelegte Bausparsumme erreicht, kann der Vertrag ausgezahlt werden.  

Bausparvertrag mit 19 Jahren: Lukas sorgt schon jetzt für später vor.

Bausparvertrag mit 19 Jahren: Lukas sorgt schon jetzt für später vor.

Dieser Sache ist sich – anders als seine Freunde und Kommilitonen- der 19-jährige Lukas bewusst. Kurz nachdem er im vergangenen Sommer sein erstes Gehalt erhalten hatte, machte er einen Termin bei der Bank aus. „Von meinem ersten Geld habe ich dann einen Bausparvertrag angelegt“, sagt Lukas. Durch sein duales Studium zum Rechtspfleger beschäftigt sich Lukas auch beruflich mit der Rentenvorsorge. „Auf Dauer wird es schwierig werden mit der gesetzlichen Rente, da ist ein eigenes Polster zur Vorsorge notwendig.“

Wann Studierende mit der Altersvorsorge beginnen sollen 

Eine klare Altersvorgabe gibt es bei dem Thema Sparen nicht. Für erste Überlegungen hält Professor Werding den Zeitpunkt beim Eintritt ins Berufsleben sinnvoll. Bei einigen ist das bereits zum Ende des Bachelor-Studiums, bei anderen während des Masters. „Auch wer regelmäßig jobbt, sollte seine Beiträge zahlen“, rät der Experte. Viel wichtiger findet Werding jedoch die private Vorsorge. „Im Regelfall ist man weit davon entfernt, sich seinen Lebensstandard später zu sichern, selbst wenn Arbeitnehmer und Arbeitgeber die Beiträge zahlen.“

Staatliche und private Vorsorge - der Unterschied

  • Die staatliche Rentenvorsorge ist ein Generationenvertrag. Die erwerbstätige Generation zahlt einen Teil ihres Gehalts in die Sozialversicherung. Davon bezahlt der Staat dann die Renten der Ruheständler. Planmäßig sollen die Renten der Arbeitnehmer von heute ebenfalls von den nachfolgenden Generationen finanziert werden.
  • Weil immer weniger Beitragszahler in die gesetzliche Rente einzahlen, wird eine private Altersvorsorge immer wichtiger. Es gibt mehrere Möglichkeiten, wie Sparer so über die Jahre eine gewisse Summe ansparen, die im Ruhestand regelmäßige Rentenzahlungen erbringt. Neben der Riester-Rente können Lebensversicherungen oder Immobilien zur privaten Vorsorge dienen.

Mit geregeltem Einkommen will Simon anfangen zu sparen.

Mit geregeltem Einkommen will Simon anfangen zu sparen.

Wer später einmal seinen Ruhestand genießen möchte, muss für die gesetzliche Rente 35 Jahre eingezahlt haben. Daher ist es ratsam, schon früh mit der Altersvorsorge zu beginnen.

Für Student Simon ist die Rente derzeit „noch zu weit weg“. Er will sich zunächst auf die Jobsuche nach dem Studium konzentrieren, um dann mit der Vorsorge zu beginnen. Auch für ihn wäre ein festes Einkommen der „Auslöser“, über eine Rentenfinanzierung nachzudenken.

Riester-Rente – attraktive Abzocke?

Martin Werding rät jungen Leuten dazu, sich nicht nur bei der eigenen Bank zu informieren. „Die vertreten im Hinterkopf vor allem ihre eigenen Interesse“, warnt er. Von Vorteil sei es, sich mehrere Meinungen einzuholen und zusätzlich beim Verbraucherschutz nachzufragen. „Dieses Minimum an Aufwand sollte es künftigen Anlegern wert sein.“

Neben der gesetzlichen und privaten Vorsorge gibt es weitere Modelle. So können Arbeitnehmer sich bei ihrem Arbeitgeber informieren, ob eine betriebliche Rentenvorsorge möglich ist. Dabei fließt ein Teil des Lohns direkt in die Altersvorsorge und wird so gespart. „Diese Modelle sind meist nicht teuer“, sagt Martin Werding. Anders sieht es bei den Angeboten von Riester-Renten aus. Neben dem monatlichen Sparbetrag können hier auch Gebühren und die Kosten von Beratung und Verwaltung anfallen.

Was ist die Riester-Rente?

Die Riester-Rente dient zur privaten Altersvorsorge. Dabei entsteht durch eine monatliche Einzahlung von festgelegten Beiträgen ein Versicherungsvertrag. Staatliche Zuschüsse ergänzen die Einzahlungen, durch Zulagen (für Kinder) oder Steuervorteile. Ob Baudarlehen, Fonds oder Banksparpläne – da es sich um einen Versicherungsvertrag handelt, wird eine Riester-Rente bei einem Versicherer abgeschlossen. Dieser verwaltet die Einzahlungen und legt sie am Kapitalmarkt an. Jährlich verzinsen sich die Geldanlagen, woran auch der Anleger beteiligt wird. Durch die Beratung und Verwaltung entstehen für den Anleger zusätzliche Kosten.

Selbstbetrug und Leichtsinn trotz Risiken

Viele junge Leute sind pessimistisch, wenn es um die Finanzierung des eigenen Ruhestands geht. Der Satz: „Wir kriegen doch später eh nichts“, fällt nicht selten beim Stammtisch. Diese Einstellung bezeichnet Martin Werding als eine „Mischung aus Leichtsinn und Selbstbetrug“. Angesichts der Risiken in der Rentenpolitik sei es notwendig, sich mit der Thematik auseinander zu setzen. „Die Horrorszenarien der Zukunft dürfen keine Ausrede sein, gar nicht erst etwas für die Vorsorge zu tun“, lautet daher der Appell von Professor Martin Werding.

Beitragsbilder: pixabay.com / Jule Zentek 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.