Astronomie als Schulfach

Nur vier naturwissenschaftliche Pflichtfächer an Schulen – das war gestern. In Zukunft soll neben Mathe, Bio, Chemie, Physik auch Astronomie zum Stundenplan gehören.

Was in Thüringen, Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern längst normal ist,  wollen sie bundesweit einführen. Astronomen, Physiker und andere Wissenschaftler fordern  in einem offenen Brief an Bund und Länder ein neues Fach für alle deutschen Schüler: Astronomie. „Warum die Astronomie in drei Bundesländern seit 1959 Pflichtfach ist und warum sie es bundesweit werden sollte“, ist der Titel des Briefes.

Hier gibt's Astronomie als Schulfach: Thüringen, Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern

Hier gibt's Astronomie als Schulfach: Thüringen, Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern

Tatsächlich wird in den drei ehemaligen Ost-Bundesländern jeder Schüler in Astronomie unterrichtet. Nach diesem Vorbild fordern die Briefeschreiber eine „gediegene astronomische Grundbildung aller“. Initiator des Briefs ist Lutz Clausnitzer, Gymnasiallehrer für Mathe, Physik und Astronomie in Sachsen.

Was Astronomie unverzichtbar macht

Clausnitzers stärkstes Argument für ein Schulfach Astronomie ist der interdisziplinäre Charakter der Wissenschaft. „Alle Naturwissenschaften [sind] mit ihrer ältesten Schwester Astronomia eng verbunden“, so der Lehrer, der die Ignoranz vieler Kollegen nicht verstehen kann. Chemiker zum Beispiel wüssten in den seltensten Fällen, woher die chemischen Elemente überhaupt kommen. Nicht nur in den Naturwissenschaften, auch in den Geisteswissenschaften, besonders in Philosophie, Religion und Kunst, spiele die Urwissenschaft Astronomie eine Rolle. Für Lutz Clausnitzer braucht der Mensch daher ein gewisses Grundverständnis in Astronomie um eine Gesamtsicht auf Natur und Gesellschaft bekommen zu können.

„Mit Astronomie sind Schüler zu kriegen“

Konkret fordert Clausnitzer zwei Stunden Astronomie pro Woche in der zehnten Klasse bundesweit und ein Wahlfach Astronomie in der Oberstufe. Was Schüler wohl von dieser Idee halten? Bedenkt man, dass schon auf Physik und Chemie nicht gut zu sprechen sind…

Jenny in ihrem Element - der Astronomieunterricht hat sie zum Physikstudium gebracht

Jenny in ihrem Element - der Astronomieunterricht hat sie zum Physikstudium gebracht

Die Studentin Jenny Jentzsch ist in der Nähe von Berlin zur Schule gegangen und hat positive Erfahrungen mit Astronomie als Schulfach gemacht. Der Physikunterricht sei auch während ihrer Schulzeit nicht so spannend gewesen, erinnert sie sich. Aber mit Astronomie seien die Schüler zu kriegen, das ziehe sie an, meint Jenny. „Weil es einfach spannend ist,was um uns rum passiert, ob wir die Einzigen sind, ob’s eine Möglichkeit gibt für uns, auszuwandern von der Erde, wenn‘s hier mal nicht mehr so gemütlich ist.“

Jenny war vom Schulfach Astronomie begeistert

Jenny selbst hat die Astronomie so in ihren Bann gezogen, dass sie sich auch für Physik hat mehr und mehr begeistern lassen. So sehr, dass sie die Naturwissenschaft an der TU Dortmund mittlerweile im achten Semester studiert. Dass es in NRW Astronomie als Schulfach gar nicht gibt, hat sie total überrascht.

Als AG wird Astronomie zwar oft angeboten, kommt aber meistens nicht zu Stande weil die Teilnehmerzahlen zu niedrig sind. Das liege daran, dass die meisten Schüler nie an die Astronomie herangeführt wurden und daher kein Interesse hätten entwickeln können, meint  Lutz Clausnitzer.

Nicht alle sitzen mit im Boot

Doch einige Physikerkollegen Clausnitzers sind ganz anderer Meinung. Es sei gelungen, die Astronomie in den Physikunterricht einzugliedern, so Prof. Ralf-Jürgen Dettmar, Präsident der Astronomischen Gesellschaft Deutschland. Warum sollte man das Fach nun wieder isolieren, fragt er. Seine Gesellschaft hat den Offenen Brief nicht unterzeichnet. Diese Entscheidung begründet Dettmar damit, dass seine Kollegen und er nicht unglaubwürdig sein wollten, indem „wir irgendwelche politischen Forderungen aufstellen, die wir für undurchsetzbar halten“. Prof. Dettmar selbst lehrt in einer Physikfakultät. Er sehe für die nächsten Jahre nicht den Nachwuchs an Physikern, die den Schulunterricht geben könnten.

In manchen Bundesländern ist der Lehrermangel so groß, dass alle Naturwissenschaften in einem einzigen Fach zusammengefasst werden. Außerdem sei die Zeit der Umstellung auf das zwölfjährige Abitur eine denkbar schlechte Zeit, um ein neues Fach einzuführen, so Prof. Dettmar. Er sei damit zufrieden, dass die Astronomie mittlerweile wenigstens in den Physikunterricht  integriert sei. Außerdem könne nicht jeder Spezialist ein eigenes Schulfach für seine Disziplin beanspruchen.

NRWs Schulministerium sagt „Nein“

Die Diskussion um Astronomie als Schulfach ist nicht neu. Sie bricht in Wellen immer wieder aus, hatte aber noch nie Erfolg. Lutz Clausnitzers Offener Brief an Bund und Länder blieb bisher unbeantwortet. Auf Anfrage hat das Schulministerium NRW ein vorläufiges Statement abgegeben:

Die Planeten haben keinen Platz im Stundenplan NRW's Bildungsministerium

Die Planeten haben keinen Platz im Stundenplandes Schulministerium. Foto: © Dieter Schütz / PIXELIO

„Eine Ausweitung der Stundentafeln ist in Nordrhein-Westfalen nicht vorgesehen. Das Stundenkontingent ist ausgeschöpft.“ Das Ministerium vertröstet den Briefverfasser und dessen Unterzeichner damit, dass es doch zahlreiche „Angebote und kreative Lösungen“ an Schulen gäbe, wie zum Beispiel Projektkurse und AGs am Nachmittag. In Lutz Clausnitzers Augen ein leeres Argument. In AGs würden lediglich Bruchstücke vermittelt, genauso wie in den Medien. Was die Schüler seiner Meinung nach brauchen ist ein „Regalsystem Astronomie“, in dass sie im Laufe ihres Lebens alles Wissen einsortieren könnten.

5 Comments

  • Leo Schwarz sagt:

    …“und die Welt ist eine Scheibe“. Man sollte sich vielleicht mal interessieren, wie das in der DDR funktioniert hatte. Dort gab es für alle Schüler in der 10.Klasse das Schulfach Astronomie, wen es betraf, der hatte es auch als Abschlußprüfung. Für noch mehr Interessierte gab es teilweise noch die Arbeitsgemeinschaft Astronomie. Dort mußten auch nicht extra Physiker eingestellt werden. Ein Lehrer mit Fachwissen und Interesse an der Stoffvermittlung reicht vollkommen aus. Es ist schon seltsam, daß der Präsident der Astronomischen Gesellschaft gegen die Einführung als Schulfach ist. Wie war das doch gleich im Mittelalter? Sie das Eingangszitat………..

  • Meier sagt:

    „Die Planeten haben keinen Platz im Stundenplan des Schulministeriums.“

    Auf dem Bild sind keine Planeten zu sehen, sondern die vier galileischen Monde Callisto, Ganymed, Io und Europa des Jupiters. Astronomieunterricht hätte diesen Fehler wohl vermeiden können 😉

  • Marc Patzwald sagt:

    Diese beiden Kommentar wurden gelöscht, weil sie sich nicht an die Regeln gehalten haben. Bitte gebt ernsthafte Kommentare ab und beleidigt niemanden. Und es bringt auch nichts, sich mehrmals unter einem anderen Namen einzutragen.

  • Herr Oehme sagt:

    [Kommentar gelöscht]

  • Tim Schulze sagt:

    [Kommentar gelöscht]

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