Euromayday: Die Feier-Demonstranten

Am 1.Mai gibt es Demonstrationen wie Sand am Meer. Der Euromayday aber ist besonders: Er verbindet politische Demonstration mit ausgelassenem Feiern. Die alternative Mai-Demo beginnt bewusst in der Dortmunder Nordstadt.

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Der Euromayday will Themen mit "sozialem Sprengstoff" ansprechen. Bild: Veranstalter

Am Sonntag um 14 Uhr rollt die Karawane des „Euromayday Ruhr“ los. Startpunkt ist der Nordmarkt in Dortmund. Dann wird auch Martin* als Ordner dabei sein. Martin möchte nicht mit seinem vollem Namen oder Bild im Internet erscheinen. Vor kurzem war sein Name mit Bild auf einer Neonazi-Seite gelandet. Der 33-jährige Lehramtsstudent der TU Dortmund ist einer der Mitorganisatoren der „Euromayday Ruhr“, die zum zweiten Mal in Folge in Dortmund stattfindet.

Für Musik ist gesorgt

Für die musikalische Untermalung sorgen drei verschiedene Floats mit Musikrichtungen aller Art. „Es gibt die ganze Zeit Musik“, verspricht Martin.

Nach dem Beginn in der Nordstadt zieht der Euromayday weiter in Richtung Innenstadt, mit Haltestationen an der Brücktraße, Stadtgarten und dem U-Turm. An den verschiedenen Punkten gibt es jeweils Interviews und Beiträge zu lokalen Konfliktthemen. Um 18 Uhr endet der Euromayday im Westpark. „Dann wird dort wahrscheinlich noch weitergefeiert“, sagt Martin.

Bunt und offen für alle

Was ist der Euromayday eigentlich genau? „Die Veranstaltung ist eine Mischform: sowohl eine Parade, als auch eine Demonstration. Eine Art politische Parade“, erklärt Martin. Dieses Jahr läuft die Veranstaltung unter dem Motto „Her mit dem schönen Leben“. Denn neben den politischen Forderungen soll auch der Spaß nicht zu kurz kommen: „Wir wollen Brennpunkte ansprechen, aber trotzdem Feiern und aus der Lethargie ausbrechen.“ Der Euromayday soll ein außergewöhnlicher Umzug sein: bunt, offen für alle, inklusive Verkleidungen, Kostümen und Musik.

Prekäre Arbeitssituationen werden kritisiert

Im Visier der Demonstranten: Prekäre Arbeitsverhältnisse Foto: flickr.com/Niklas Bildhauer

Prekäre Arbeitsverhältnisse im Visier der Demonstranten. Foto: Bildhauer/flickr.com

Der „Euromayday Ruhr“ wurde von Mitgliedern verschiedener sozio-kultureller Initiativen ins Leben gerufen. Letztes Jahr standen insbesondere die „Kulturhauptstadt 2010″ und die Probleme der prekären Arbeitsverhältnisse im Ruhrgebiet im Mittelpunkt.

Grundsätzlich gibt es aber keine Festlegung auf ein Thema, es soll ein breiter Themenkomplex angesprochen werden, alle Probleme in und um Dortmund. Dieses Jahr gehe es mehr um die Nordstadt-Themen, sagt Martin. Diese wurde bewusst als Startpunkt ausgewählt: „Wir wollen ein Zeichen setzen“, sagt der 33-Jährige.

Martin ist selbst Mitglied in einer Gewerkschaft, er wollte aber nicht auf eine der Gewerkschaftsdemos gehen. „Die sind mir zu langweilig. Die sagen doch alle nur: „wir brauchen noch mehr Arbeitsplätze, mehr Arbeitsplätze“. Wir müssen erstmal vor der eigenen Haustüre kehren.“ Für ihn heißt das vor allem: die Probleme rund um den Straßenstrich, Arbeiterstrich, und die Neonazis.

In der Tradition des Arbeiterkampftages

Martin hatte sich schon seit längerer Zeit sich für Hochschulpolitik engagiert, er kommt aber eigentlich aus der Umweltbewegung und arbeitet beim Dortmunder ASta. Mit der Demo möchten er und die Veranstalter eine breite Öffentlichkeit erreichen und die vielfältigen Probleme ins Bewusstsein bringen. Martin findet es zudem wichtig, die Tradition des 1.Mai als Arbeitertag fortzuführen: „Wir müssen unsere Arbeitsideale hinterfragen, nicht alles nur unreflektiert annehmen.“

Das Plakat zur Euromayday im letzten Jahr. Bild: Veranstalter

Das Plakat vom Euromayday im letzten Jahr. Bild: Veranstalter

Der erste Euromayday ging 2001 in Mailand über die Bühne. Aktivisten aus verschiedenen Ländern hatten den Protest-Umzug initiiert. Vorherrschendes Thema war damals die „zunehmende Prekarisierung von Arbeit und Leben“. Auch in zwölf weiteren europäischen Städten finden Euromaydays statt – unter anderem in Hamburg und Bremen.

Großer Unterstützerkreis

Das Organisationsteam ist laut Martin eine sehr heterogene Truppe, um die 15 bis 20 Leute, vom Schüler bis zum Rentner ist alles dabei, es sei eben ein bunter Mix. Eine breite Allianz bilden auch die Unterstützer: Unter anderem sind die ver.di Jugend NRW und der AStA der Uni Bochum mit im Boot. Letztes Jahr kamen um die 1000 Besucher zum Euromayday, dieses Jahr könnten es noch mehr werden, hofft Martin. Immerhin: Nach dem durchwachsenen Wetter letztes Jahr, soll dieses Mal auch Petrus mitspielen.

* Name ist der Redaktion bekannt.

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