Bildungsleichen an der Uni

Leichen liegen auf dem Boden. Ihre Umrisse sind mit Kreide nachgezeichnet. Doch die Toten sind in Wirklichkeit quicklebendig. Es sind Stundenten der FH Dortmund, die mit der Aktion das Bildungssystem kritisieren wollen.

Studenten als "Bildungsleichen" - der AStA hatte zu der Aktion aufgerufen. Foto: Stefan Stöckmann

Studenten als "Bildungsleichen" - der AStA hatte zu der Aktion aufgerufen. Foto: Stefan Stöckmann

Der Innenhof der Fachhochschule Dortmund mutet wie eine Szene aus dem Tatort an. Auf dem Boden liegen Menschen, sie scheinen tot zu sein, ihre Umrisse sind mit Kreide nachgezeichnet. Doch hier wird kein Krimi gedreht. Die Aktion ist Teil des Bildungsstreiks, den der AStA diese Woche organisiert hatte.

Bereits am Mittwoch versammelten sich zahlreich Studenten in der Innenstadt und demonstrierten lautstark für bessere Bildungschancen und die Abschaffung von Studiengebühren. Auf die Demo folgte am Donnerstag die Protestaktion an der FH. Das Ganze war als Flashmob, also als spontane Versammlung geplant. Innerhalb weniger Minuten drappierten sich acht bis zehn Studenten auf dem Boden und simulierten Leichen, „Bildungsleichen“. Neben ihnen prangten auf Schildern die jeweiligen Todesursachen. „Studiengebühren“ hieß es da oder auch „Bologna-Virus“. Klare Aussagen.

Den Beiteilgten gefiel’s. So auch FH-Student und „Bildungsleiche“ Tim Brandt: „Jeder hat das Recht auf freie Bildung oder zumindestens, dass man nicht 650 Euro im halben Jahr zahlen muss. Und das konnte man hier wenigsten mal zum Ausdruck bringen, dass einem sowas nicht passt.“

Am Protest haben sich nur wenige Studenten selbst beteiligt. Foto: Stefan Stöckmann

Am Protest haben sich nur wenige Studenten selbst beteiligt. Foto: Stefan Stöckmann

Trotz Engagement der einzelnen Protestler, schlossen sich nur wenige Studenten der Aktion an. Vereinzelt standen sie am Rand und beobachteten die Szenerie.  Nach einer halben Stunde erwachten die Bildungsleichen dann auch wieder zum Leben. Lediglich ihre gezeichneten Umrisse auf dem Asphalt erinnerten noch an die Protestaktion. Anika Simon, Referentin für Öffentlichkeitsarbeit beim AStA der FH Dortmund, zieht dennoch eine positive Bilanz: „Mir hat es viel Spaß gemacht, das Ganze zu organisieren. Der Flashmob hat ganz gut funktioniert. Am Anfang habe ich gedacht, dass es vielleicht nicht so viele Studenten sein werden, aber als sich die Masse dann bewegt hat, haben doch viele mitgemacht. Mir hat es gut gefallen.“

Ob und inwieweit die Forderungen der Demonstranten Gehör bei der Hochschulleitung finden, sei dahin gestellt. Aber manchmal kommt es eben auf den Symbolcharakter an. „Ein Zeichen setzen, wenn es auch ein kleines ist“, das findet auch Tim.

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