Einer für alle: Der Ruhr-Koordinator

Ein Interview von Hannah Sanders

Zusammen sind wir stark, meint Hans Stallmann. Der Koordinator der Ruhrallianz hat selbst in Bochum studiert und kennt sich aus im Pott. Wie das Gemeinschaftsprojekt der Ruhr-Unis funktioniert, welche Probleme es noch gibt und was auf die Studierenden zukommt – darüber hat er mit uns gesprochen.

Herr Stallmann, seit 2009 leiten Sie die Universitätsallianz Metropole Ruhr (UAMR). Gefällt ihnen die Arbeit?

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Mit kleinen Schritten zum Erfolg: Hans Stallmann wacht über die Zusammenarbeit der Ruhr-Unis. Foto: Hannah Sanders

Ja, es ist toll, super vielseitig. Man kommt mit ganz vielen Menschen in Kontakt und lernt alle möglichen Bereiche kennen, die mit Universität zu tun haben, das ist sehr spannend.

Was sind Ihre Aufgaben?

So genau… kann man das gar nicht sagen (lacht). Im Grunde sind es drei Bereiche: Zum einen betreiben wir Gremienarbeit, das umfasst etwa die Vorbereitung und Aufarbeitung von Sitzungen. Wir haben ein extra Gremium für die Allianz, den UAMR-Koordinierungsrat. Da sitzen die Direktoren und Kanzler aller drei Universitäten drin, die muss man erst einmal zusammenbringen. Anschließend wirken wir bei der Umsetzung der Beschlüsse mit. Zum anderen leiten wir verschiedene Projekte, zum Beispiel unsere Auslandsvertretungen, die ConRuhrbüros und begleiten gemeinsame Projekte an den Unis, etwa von Professoren oder Fakultäten. Der dritte Bereich ist die Öffentlichkeitsarbeit und Kommunikation nach außen.

In einem Interview haben sie gesagt: „Es gilt, die Marke UAMR in den nächsten Jahren zu etablieren und stärker bekannt zu machen.“ Was ist denn die Marke UAMR, was können die Ruhrunis, das andere Unis nicht können?

Diese Marke UAMR ist noch relativ unbekannt, da sind wir noch ganz am Anfang. Viele der Studierenden wissen gar nicht, was die UAMR überhaupt ist. Unser Ziel ist es, einen gemeinsamen Bildungsraum Ruhr zu schaffen und voranzubringen. Es ist für die Entwicklung des Ruhrgebiets wichtig, dass wir so attraktiv werden und die besten Studierenden kriegen und die nicht alle nach Berlin, Heidelberg oder anderswohin gehen.
So ein Verbund von Universitäten ist noch relativ einzigartig, obwohl der Trend auch im Ausland immer mehr in diese Richtung geht. Das wird immer wichtiger, wenn man sich behaupten will. Wir haben hier die Riesenchance, dass wir hier drei Universitäten mit vier Standorten haben auf der Größe von Berlin. Es wäre geradezu töricht, nicht enger zusammenzuarbeiten.

Gibt es konkrete Erfolge?

Ich denke schon. Ein gutes Beispiel ist die Abschaffung der Zweithörergebühren vor zwei Jahren. Prinzipiell soll es möglich werden, dass jeder Studierende an einem anderen Standort Seminare und Vorlesungen besuchen kann, ohne Gebühren zu zahlen und sich die Punkte auch anrechnen lassen kann.

Heißt das, ich kann als TU-Studentin zum Beispiel einfach ein Seminar an der UDE belegen, wenn ich in Dortmund keinen Platz bekomme oder eine Vorlesung an der RUB besuchen, die mir besser gefällt als das Dortmunder Angebot?

Ja und Nein. Leider ist es nicht ganz so einfach, aber prinzipiell ist es möglich. Wenn Sie eine Veranstaltung an einem andern Standort machen wollen, müssen Sie zwei Dinge tun: Zuerst den Dozenten fragen, ob Sie einen Leistungsschein bekommen können und dann an ihrer eigenen Uni beim Prüfungsamt fragen, ob Sie das auch angerechnet bekommen. Wir versuchen immer, das noch leichter zu gestalten, aber das ist bei drei unterschiedlichen Studienordnungen nicht so einfach. Es wäre zum Beispiel eine Mammutaufgabe, die Vergabe der Creditpoints zwischen drei Universitäten anzugleichen. Es gibt aber auch Beispiele, dass das gut klappt. Zwischen bestimmten Fachbereichen ist schon alles abgesprochen und angeglichen, etwa in der Engineering Unit Ruhr.

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Bereits seit fünf Jahren arbeiten die Universitäten in Dortmund, Bochum und Duisburg/Essen zusammen. Foto: UAMR

Was hat es mit der neuen gemeinsamen Unicard auf sich? Die gibt es seit diesem Jahr schon an der TU, ab dem Wintersemester 2012/13 soll sie auch an der RUB und der UDE eingeführt werden. Eine Karte für alle – wozu ist das gut und was soll die Karte können?

Durch den gemeinsamen Ausweis soll die UAMR für die Studenten sichtbar werden, sie ist ja im UAMR-Design gestaltet. Auf die Dauer soll so ein Zusammengehörigkeitsgefühl entstehen. Die Karte ist ab April ein Bibliotheksausweis für alle Ruhrunis. Das gilt jetzt auch schon für die alten Karten in Duisburg-Essen und Bochum. Das heißt, dass die Studierenden dann problemlos an den andern Standorten Bücher ausleihen können. Wir führen noch einen Schnelllieferdienst ein, sodass die Bücher innerhalb von 48 Stunden geliefert werden können. Zum Bezahlen in jeder Mensa können die Studierenden ihren Ausweis aber noch nicht verwenden. Das soll noch kommen, wird aber sicherlich noch einige Zeit dauern. Ähnlich ist es mit der Fahrkartenfunktion. Auch da haben wir drei unterschiedliche Systeme: Duisburg-Essen hat zurzeit ja dieses Pilotprojekt, dass der Ausweis auch das Fahrticket ist. Man denkt, da fährt man zum Mond, da muss es doch auch möglich sein, diesen Chip da zu übertragen, aber so einfach ist es nicht. Wir sprechen da allein über vier verschiedene Verkehrsbetriebe. Dortmund behält erst einmal das Ticket zum Ausdrucken, dafür hat sich auch die Studierendenvertretung ausgesprochen. In Bochum wurde das Ticket bisher jedes Semester neu hinten auf den Ausweis gescannt, aber das ist mit der neuen Karte nicht mehr möglich.

Aber dann gehen ja durch das neue Ticket für die Studierenden Funktionen verloren.

Da arbeiten wir noch dran. Dass die Bochumer Studierenden dann vielleicht noch so ein kleines Ticket mit drauf bekommen, wäre zwar keine optimale Lösung, aber das könnte klappen. Und die übrigen Funktionen für die einzelnen Unis bleiben ohnehin bestehen.

Was für Reaktionen gibt es bei den Unis auf Ihre Arbeit?

Prinzipiell komme ich mit den meisten sehr gut auf. Es ist aber auch schon mühselig. UAMR bedeutet für jeden einzelnen in der Verwaltung ja auch mehr Arbeit und zusätzlichen Aufwand, insofern macht man sich da auch nicht immer beliebt.

Diesen März wurde die UAMR fünf Jahre alt. Zeit für eine Zwischenbilanz: Was haben Sie schon erreicht, wo ist noch Nachholbedarf?

Ich denke, wir haben schon mehr erreicht, als sich alle am Anfang hätten vorstellen können. Wir sprechen hier über Riesengebilde: Immerhin 100.000 Studierenden, fast 1.200 Professoren und rund 12.000 Angestellte. Dafür sind wir in fünf Jahren schon ein gutes Stück vorangekommen. Aber das muss natürlich alles noch besser werden, gar keine Frage. Es ist noch längst nicht in allen Köpfen angekommen, was für Potentiale in der UAMR stecken.

Haben Sie eine langfristige Vision für die Ruhr-Unis?

Mit den Visionen halten wir uns zurück (lacht). Nein, das haben wir ganz bewusst nicht gemacht. Unsere Strategie ist, das von unten wachsen zu lassen, nicht durch Vorgaben von oben. Wir wollen Anreize für eine stärkere Kooperation schaffen, aber wir geben uns jetzt nicht das große Ziel für die nächsten zehn, fünfzehn Jahren vor. Lieber kleine Schritte, das bringt den größeren Erfolg.

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