Streit um TV-Gelder: Chance für den Volkssport Fußball

Kommerzgroß

Bei der Verteilung der Fernsehgelder im Fußball sollen Werksklubs ganz oder zum Teil ausgeschlossen werden – diesen Antrag hat der FC St. Pauli an die Deutsche Fußballliga (DFL) gestellt. Es wäre ein wichtiger Schritt für den deutschen Fußball als Volkssport.

Damit meint St. Pauli Bayer Leverkusen und den VfL Wolfsburg, die 100-prozentige Töchter der Unternehmen Bayer und VW sind. Außerdem betroffen wäre 1899 Hoffenheim, das eine Ausnahmeregelung von der DFL hat, dass sie die 50+1 Regelung nicht einhalten zu müssen. Dasselbe strebt Hannover 96 nach 2017 an. Hintergrund des Antrags von St. Pauli ist ein neuer Fernsehvertrag, der von der DFL mit den Sendern bis zum Mai nächsten Jahres abgeschlossen werden soll. Auf jeden Fall wird es mehr Geld als bisher geben.

Was ist die 50+1 Regel?

Die 50+1 Regelung gibt es, weil heutzutage die Fußballklubs keine Sportvereine mehr sind, sondern Wirtschaftsunternehmen. Weil Wirtschaftsunternehmen auch aufgekauft werden können, haben DFL und DFB entschieden, dass 50 Prozent der Anteile plus eine Aktie des Unternehmens dem jeweiligen Sportverein gehören muss.

Künstliches Ungleichgewicht durch Werksklubs

Dass die Werksvereine sich über die Vorschläge des FC St. Pauli als „Gefährdung der Solidargemeinschaft“ aufregen, ist nachvollziehbar und ironisch zugleich. Denn durch Vereine wie Hoffenheim oder Wolfsburg wurde erst ein künstliches Ungleichgewicht im Profifußball erzeugt. Diese Klubs können sich teure Transfers leisten, ohne dafür über Jahre solide gewirtschaftet zu haben. Das ist alles andere als solidarisch. Hoffenheims Durchmarsch von der Regionalliga in die Bundesliga in drei Jahren hat gezeigt, dass Geld sehr wohl Tore schießt – eine Konsequenz, die die DFL bei der Verteilung der TV-Gelder auf keinen Fall vernachlässigen darf.

Ein kompletter Ausschluss der Werksklubs wäre aber falsch. So profitieren gerade kleinere Klubs von deren Einnahmen in Bundesliga und Champions League. Die mögliche Folge der Einzelvermarktung von den TV-Rechten würde ebenfalls die kleineren Vereine der Ersten und Zweiten Bundesliga treffen. Die finanzielle Schieflage im deutschen Profifußball würde also nur noch größer als bisher. Außerdem befürchte ich, dass die Konzerne eine „Jetzt-erst-Recht-Stimmung“ entwickeln könnten und mehr denn je Geld außerhalb der 50+1 Regelung in ihre Mannschaften pumpen. Die Konsequenz wäre dieselbe. Man könnte den Paulianern also vorwerfen, den Blick über den Tellerrand zu scheuen – ich tue das aber nicht.

Fußball ist für die Fans

Denn der Grundgedanke nach einem faireren Geschäft im deutschen Fußball ist komplett richtig und wichtig. In dieser Diskussion sollte nicht vergessen werden, worum es beim Fußball eigentlich geht: Dass die Menschen ins Stadion gehen oder das Spiel vor dem Fernseher gucken, hinter ihren Klubs stehen und unterhalten werden. Das schaffen die Traditionsvereine einfach mehr als Werksklubs.

Traditionsklubs wie St. Pauli, Nürnberg oder Kaiserslautern sind Zuschauermagneten mit starken Fanszenen. Dort gehen in der zweiten Liga oft mehr Menschen ins Stadion als in Wolfsburg oder Leverkusen in der Königsklasse. Dass die Traditionsklubs von ihrer großen Fanbasis auch finanziell profitieren wollen, ist richtig. Sie müssen dies auch tun, um nicht völlig unterlegen gegenüber den „Plastikklubs“ zu werden.

Neues System nötig

Deshalb befürworte ich den teilweisen Ausschluss der Werksklubs von den Fernsehgeldern sehr. Wenn die DFL manchen Vereinen eine Ausnahme von der 50+1 Regel und damit verhältnismäßig finanzielle Vorteile erlaubt, warum kann sie gegen diese Klubs dann nicht auch gleichzeitig Abstriche beim Fernsehgeld verhängen? Oder sogar eine Art Strafzahlungen, die dann an die anderen Vereine der DFL verteilt wird.

Fußball und sportlicher Erfolg sind für die Geldgeber der „Plastikklubs“ oft weniger wichtig als die Werbung für ihre Marke und Geld aus dem Millionengeschäft Fußball. Diese, für den Fußball als Volkssport, schlechte Entwicklung sehe ich als leider nicht mehr komplett aufzuhalten. Umso wichtiger ist es, dass Traditionsvereine auf keinen Fall benachteiligt werden – wenn nicht sogar gefördert: Ich würde ein System begrüßen, in dem die Hälfte alle Fernsehgelder gleich, ein Viertel nach dem Tabellenplatz und ein Viertel danach verteilt werden, ob die 50+1 Regel eingehalten wird.

Beitragsbild: www.pixabay.com

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.