Schlafen zu zweit – ein nächtlicher Kampf

Foto: flickr.com/kate hiscock/Timothy/sdminor81/pedrosimoes7; Montage: Marc Patzwald

Foto: flickr.com/kate hiscock/Timothy/sdminor81/pedrosimoes7; Montage: Marc Patzwald

Ein glossierender Beitrag

Bettdecken-Klauer, Zähne-Knirscher und notorische Fernseh-Anlasser – gemeinsam mit seinem Partner zu schlafen kann ganz schön nervig sein. Aber warum schlafen wir dann doch so gerne neben unseren Liebsten?

Jede Nacht dieselbe Qual. Von der anderen Seite des Bettes erklingen in regelmäßigen Abständen laute Atemgeräusche, Schmatzer oder Schnarcher in einer Lautstärke von gefühlten 1243 Dezibel. Und ist man gerade fast eingeschlafen, ist da plötzlich ein Ellbogen zwischen den Rippen oder ein Knie im Bauch. Es schläft sich halt eher schlecht, wenn sich der Partner neben einem maulwurfartig durch die Kissen wühlt, und in etwa so ruhig schläft wie das Nagetier Sid in Ice Age.

So hängt erholsames Schlafen ja auch immer von den Schlafgewohnheiten des Partners ab: Während sich die einen gerne die ganze Nacht in Löffelchen-Stellung eng an den Partner kuscheln, wollen die anderen nichts lieber als eins: Platz, ganz viel Platz.

Nächtliche Scharmützel

So ist es auch bei den beiden Studenten Andre und Anne. Die beiden sind schon seit fünf Jahren ein Liebespaar, seit Beginn der Beziehung schlafen sie beieinander – sind also schon „Profis“ im Umgang mit den nächtlichen Querelen. Anne ist eine von der Sorte, die beim Schlafen eher ihre Freiheiten braucht: „Es ist ja ganz schön abends in seinem Arm zu liegen, und sich zu entspannen und bei ihm zu sein“, gibt sie zu. „Aber wenn ich dann schlafen möchte, dreh ich mich weg – und dann schlaf ich.“

Morgendliche Zweisamkeit unter der Bettdecke - zusammen aufzuwachen ist doch immer wieder wunderschön. Foto: S. Hofschlaeger/pixelio.de

Morgendliche Zweisamkeit unter der Bettdecke - zusammen aufzuwachen ist doch immer wieder wunderschön. Foto: S. Hofschlaeger/pixelio.de

Und so nimmt sie, wie es so häufig ist, das Bett in seiner vollen Größe in Beschlag und klaut nicht nur den Platz, sondern oft auch die Decke – sehr zum Leidwesen ihres Partners. Wenn der nämlich nachts aufwacht, habe er grundsätzlich nie eine Bettdecke und sei völlig an den Rand des Bettes gedrängt, moniert er. Und das, obwohl die beiden ein extra breites Bett angeschafft hätten. „Und dann ist es, wie wenn du einen Stein rollen musst“, erklärt Andre die nächtliche Prozedur. „Dann rolle ich den Stein, und wenn der Stein wach wird, ist der Stein sauer.“ Und das sei dann eher suboptimal für den nächtlichen Frieden.

Genauso wie Annes dauer-kalte Füße, die des Nachts treffsicher ihren Weg zwischen die warmen Waden ihres Bettgefährten finden. Der nächtliche Kälteschock ist also vorprogrammiert.
Und auch die Nachttischlampe solle umgestellt werden, schlägt Andre vor. Denn grundsätzlich stehe alles immer auf seiner Seite. Und egal, was seine Freundin brauche, immer müsse er es ihr geben. „Oder sie drückt mir eben auf den Bauch, um es zu bekommen – in beiden Fällen werde ich wach.“

Arme Frauen

Nebeneinander schlafen kann halt ganz schön schwierig sein. Vor allem aber für die Frauen. Denn eigentlich schlafen die wesentlich besser ohne ihren Partner. Bei den Männern ist das genau umgekehrt: Die schlafen ruhiger und erholsamer, wenn sie sich des Nachts an ihre Freundin kuscheln können. Liegt daran, dass die Menschen früher in Gruppen geschlafen haben – und an der Seite der Frau lag nicht etwa ihr Mann, sondern das eigene Baby, dessen Schlaf sie überwachte. Heute liegt auf der anderen Bettseite zwar ein schnarchendes Riesenbaby, trotzdem fühlt sich die Frau nachts weiterhin instinktiv in der Mutterrolle. So schläft sie seicht und unruhig, der Mann aber schlummert tief und fest. Denn der reagiert auf den Schlaf zu zweit genauso wie auf den Gruppenschlaf – er fühlt sich besonders sicher. Und so ist er morgens besonders fit und ausgeschlafen, und die Frau kriegt kaum ein Auge auf.

Das Bett in seiner vollen Größe geentert -viel Platz für den Partner bleibt da nicht. Foto:

Das Bett in seiner vollen Größe geentert -viel Platz für den Partner bleibt da nicht. Foto: Phil and Pam/flickr.com.

Auch Andre preist die nächtliche Zweisamkeit, seien Menschen doch dafür gemacht, ihre Zeit gemeinsam zu verbringen. „Genau wie Meerschweinchen“, erklärt der 21-Jährige und schmunzelt. „Wenn das eine Meerschweinchen stirbt, stirbt auch das andere – weil die nicht ohneeinander können.“ Schlafe der eine Partner woanders, könne eben auch der andere nicht mehr schlafen.
Auch Forscher glauben: Einsamkeit raubt den Schlaf. Denn unsere Vorfahren konnten nur im Schutz der Gruppe schlafen, ohne sich vor wilden Tieren oder anderen Gefahren fürchten zu müssen. Und diesen Urinstinkt haben wir geerbt. Fehlt uns dieses Gefühl der Sicherheit, ist man wachsamer und schläft wesentlich unruhiger. Und das nicht nur bei extremer sozialer Isolation, sondern schon bei einem schwachen Gefühl der Einsamkeit.

Tiefer Schlaf – oder lieber kuscheln?

Nun ja, manchmal scheint eher die Zweisamkeit den Schlaf zu rauben. Aber trotz der nächtlichen Scharmützel um die Bettdecke, lästigem Schnarchen und schmerzhaften Tritten – die meisten Paare wollen trotzdem nicht auf die Geborgenheit verzichten, die sie nachts in der Nähe ihres Partners spüren.

So auch unser Studenten-Pärchen. Anne merke zwar, dass sie nur dann vollkommen in der Tiefschlafphase ist und sich richtig erholen kann, wenn sie mal alleine schläft – das morgendliche beieinander Aufwachen und das Kuscheln vor dem Einschlafen würden sie aber für den unruhigen Schlaf entschädigen. „Man hat ja mittlerweile auch seine Routine beim Schlafen – und wenn Andre dann nicht da ist, ist es auch schon wieder komisch“, sagt Anne.
Und ganz ehrlich, wer braucht schon tiefen Schlaf? Nachts ausgiebig zu kuscheln ist doch oft viel schöner als der erholsame Schlaf allein.