Das Fremde in meinem Bett

Foto: flickr.com/kate hiscock/Timothy/sdminor81/pedrosimoes7; Montage: Marc Patzwald

Foto: flickr.com/kate hiscock/Timothy/sdminor81/pedrosimoes7; Montage: Marc Patzwald

Von Thomas Borgböhmer und Sarah Bolte

Mit kleinen Krabbeltierchen das Bett teilen – die reinste Horrorvision für viele. Treffen kann es jeden, auch wenn man sein Bett noch so penibel sauber hält. Gegen einige der fremden Mitschläfer gibt es Schutzmaßnahmen, andere dagegen müssen wir einfach akzeptieren.

„Zu allererst juckt es natürlich kriminell“, sagt Heinz Mehlhorn, Professor für Parasitologie. „Es ist extrem unangenehm, wenn man aufwacht und man komplett zerstochen ist und hunderte von Einstichen hat.“ Schuld für die Einstiche können Bettwanzen sein. Die lauern unter der Matratze und krabbeln dann in der Nacht auf den Körper.

Heinz Mehlhorn ist Professor für Parasitologie an der Uni Düsseldorf. In Kürze erscheint sein neues Buch "Schach den Blutsaugern und Schädlingen". Foto:privat

Heinz Mehlhorn ist Professor für Parasitologie an der Uni Düsseldorf. In Kürze erscheint sein neues Buch "Schach den Blutsaugern und Schädlingen". Foto:privat

Dabei tauchen Bettwanzen nicht aufgrund fehlender Hygiene auf. Es handelt sich vielmehr um einen Bettwanzen-Import. „Also nach einem Urlaub oder einem Hotelaufenthalt“, erklärt Mehlhorn, „sollte man die Kleidung ausschlagen und waschen. Und natürlich den Koffer säubern.“ Ein weiterer Tipp: Den Koffer im Hotelzimmer nicht offen stehen lassen. Da Bettwanzen vor allem in der Nacht aktiv sind, kommt es vor, dass diese in den Koffer springen und sich dort einnisten.

Bettwanzen? Nein Danke!

Haben sich die Bettwanzen erstmal ihren Platz im Bett gesucht, kann die Nacht ein Horror werden. Allerdings erkennt man Bettwanzen ziemlich schnell: Nachdem das Opfer die unzähligen Stiche bemerkt hat, sollte es sich auf die Suche nach den kleinen Mitschläfern machen. „Die Bettwanzen kann man gut sehen“ sagt der Parasitologe. „Eventuell sieht man sogar braune Flecken. Dabei handelt es sich um das verdaute Blut.“

Während Bettwanzen eigentlich nur unangenehm sind, ist das bei Hausstaubmilben schon anders. Die gibt es in jedem Bett, das lässt sich gar nicht verhindern, und das ist auch nicht schlimm. „Zumindest für Immungesunde macht die Anwesenheit keinen Unterschied“, so Mehlhorn. „Für Allergiker ist das aber ziemlich gefährlich.“ Die nämlich haben große Probleme mit den Hausstaubmilben und es kann im schlimmsten Fall sogar zu starken Atembeschwerden kommen.

Und da laut Mehlhorn mittlerweile 25 Prozent der Deutschen allergisch reagieren, ist die richtige Prävention wichtig. Und die ist sogar ziemlich einfach: Das Schlafzimmer sollte mit 16 bis 17 Grad relativ kühl gehalten werden, denn das gefällt den Milben gar nicht. „Wenn es dann natürlich molligwarm und feucht im Zimmer ist, fühlen sich die Milben wie im Paradies“, sagt der Experte.

Das Allrounder-Bett

Doch neben diesen ungewollten Besuchern, findet sich in den Betten von Studenten auch einiges anderes. Dort wird nämlich nicht nur geschlafen: Fragt man Studenten, was sie noch im Bett machen und was man dort findet, bekommt man teils sehr außergewöhnliche Antworten. Das Bett mit der Doppelfunktion Abstellkammer und Wohnzimmer?

Umfrage: Das Bett als Alleskönner

Gemütlich im Bett essen ist für viele Studenten nichts außergewöhnliches.  Das bestätigt auch die Studie der Internetseite brandnooz.de. Auf der Internetseite können Lebensmittelhersteller ihre neuen Produkte anbieten und die User können diese dann kostenlos testen. Geschäftsführer Johannes Nielsen hat mit seinem Team rund 1.000 Nutzer gefragt, ob und was sie im Bett alles essen.

Interessante Ergebnisse

Tatsächlich essen laut der Umfrage rund 30 Prozent der Befragten in ihrem Bett und die Tendenz zeigt, dass junge Leute eher in ihrem Bett essen als ältere. Viel interessanter ist aber, was im Bett gegessen wird. „Es wird mehr geknabbert als gelutscht“, weiß Nielsen. „Wir dachten natürlich, dass alles was so krümelt nicht verzehrt wird“, sagt Nielsen. „Tatsächlich ist das beliebsteste Lebensmittel im Bett Chips, auf Platz zwei erst die Schokolade und auf Platz drei dann Kekse.“

Wer seine Mahlzeiten also ständig im Bett zu sich nimmt, krümelt viel und sollte seine Bettwäsche regelmäßig wechseln. Aber wie genau nehmen es die Studenten an der TU Dortmund mit der Betthygiene? Hier das Ergebnis:

Umfrage: Wie häufig wechselt ihr eure Bettwäsche?

Service für Schädlinge

„Die Tierchen naschen dann gemeinsam das Croissant beim Frühstück“, sagt Mehlhorn. Allerdings werden die Tierchen nicht zwangsläufig von Essensresten und alter Bettwäsche angezogen ─ darüber braucht man sich keine Sorgen zu machen. Um Betroffenen eine ersten Anlaufstelle zu geben, hat Mehlhorn  mit Kollegen eine Servicestelle eingerichtet, den Alphabiocare Shop: Dort kann man dann beispielsweise gefundene Parasiten einschicken, bestimmen lassen und sich dann Lösungsstrategien vorschlagen lassen.

Wer allerdings auf die wenigen, wichtigen Tipps zur Prävention achtet, wird auch zukünftig keine Probleme mit Bettwanzen und Milben haben. Und dann kann jeder in Ruhe schlafen und wird nicht von kleinen Krabbeltierchen gestört.

Zusätzlich zu den Krabbeltierchen und den Essensresten gibt es noch andere Hinterlassenschaften, die man so im Bett finden kann. Der Mensch verliert ca. 60-100 Haare am Tag, viele davon bleiben dann in der Nacht auf dem Kopfkissen liegen. Vor allem bei Menschen mit langen Haaren fällt das besonders auf. Außerdem schwitzt jeder Mensch in der Nacht circa einen Liter Flüssigkeit aus. Wer zusätzlich noch mit offenem Mund schläft, der findet auch mal den einen oder anderen Speichelfleck auf dem Kissen. Regelmäßiges Bettwäsche wechseln ist somit auch ohne Bettwanzenbefall wärmstens zu empfehlen.