Ab in den Untergrund

Im Innern drei Meter hoch, zwei bis drei Meter breit und insgesamt viereinhalb Kilometer lang – die Rede ist von einem unterirdischen Tunnelnetz, das sich über den gesamten Campus erstreckt. Herr über den modernen Maulwurfsbau ist Elmar Middeldorf. Er ist Abteilungsleiter des Verwaltungsbereichs für Elektro- und Zentrale Anlagentechnik.

Geradlinige Architektur

An einigen Stellen des Tunnelsystems kann man bequem über 100 Meter weit gucken. Foto: Florian Hückelheim

In ein bis sieben Metern Tiefe sucht man riesige Maulwürfe allerdings vergebens. Hierher verirrt sich höchstens mal eine kleine Maus. Der eigentliche Zweck dieses weitläufigen Röhrensystems ist die Verbindung aller großen Gebäude auf dem Campus mit dem Uni-eigenen Heizkraftwerk an der Emil-Figge-Straße 71. Der Tunnel, in dem man auch bequem Fahrrad fahren könnte, hat ganzjährig etwa eine Temperatur von 18 bis 22 Grad. Wiedererwartend riecht es nicht nach einem muffigen Keller, dafür ist die Beleuchtung spärlich. Ein Lüftungssystem verhindert, dass sich Schimmel bildet. Zusätzlich dient es bei einem Brand als Rauchabzug. Die meisten Röhren existieren bereits seit den

70er Jahren und wurden zeitgleich mit den ersten Gebäuden auf dem Nord-Campus errichtet. Die jüngste Erweiterung reicht bis in die Otto-Hahn-Straße, wo der Fachbereich Informatik angesiedelt ist. Neben der Universität und der Fachhochschule ist auch das Max-Planck-Institut Teil dieses Maulwurfsbaus.

Der Süd-Campus, der gegen Ende der 60er als Entwicklungsstandort für die spätere Universität angelegt wurde, hat auch einen eigenen Versorgungskanal.Er ist aber bedeutend kürzer und an einigen Stellen nur kriechend zu durchqueren. Alle Röhren verbinden die großen Gebäude auf dem Campus miteinander und in jedem Keller eines Fachbereichs gibt es eine Tür, die einem den Zutritt zu dieser kleinen unterirdischen Welt verschafft.

„Hier unten trifft man selten jemanden“, sagt Elmar Middeldorf, „denn hier gibt es recht wenig zu tun.“ Die massiven Betonbauteile sind weitestgehend wasserdicht und bekommen nur einige Wochen im Jahr Besuch. Nämlich dann, wenn das gesamte Rohrleitungssystem, das sich dort befindet, gewartet wird. Auch der TÜV schaut vorbei. Wirklich hohe Kosten werden dadurch aber nicht verursacht.

Damals schon an heute gedacht

Abkühlung im Sommer

Beim Gang zur Mensa entlang der Fernkälteleitungen wirft Elmar Middeldorf auch einen prüfenden Blick auf die Rohrleitungen. Foto: Florian Hückelheim

„Das teuerste an dem Kanal ist seine Anschaffung“, erklärt Middeldorf. „Auch wenn sich diese Kosten wegen zahlreicher Erweiterungen im Laufe der Jahrzehnte nur noch schwer beziffern lassen, wäre ein solches Projekt heute wohl schlichtweg zu teuer.“ Dabei biete, so der 43-jährige Diplom Ingenieur, ein Tunnel unter der Uni mehrere Vorteile. Neben der Möglichkeit undichte Rohre einfach zu reparieren, können auch neue Leitungen kostengünstiger verlegt werden. Für „normale“ Rohrleitungen müssten Bagger anrücken, um sie in der Erde zu verlegen. Der Versorgungstunnel müsste dafür nur an wenigen Stellen von einem steinernen Deckel befreit werden, der rund zwölf Meter lang ist.

„Die dicksten Rohre verlaufen im Bereich, der am nächsten zum Heizkraftwerk liegt“, erklärt Middeldorf weiter. Fernwärme- und Fernkälterohre haben dort einen Durchmesser von mehr als fünfzig Zentimetern. Die Fernwärme, die in jedem Gebäude im Winter für angenehme Temperaturen in allen Räumen sorgt, ist in den Rohrleitungen hingegen bis zu 160 Grad heiß. Erst dort, wo sie wirklich gebraucht wird, kühlen so genannte Wärmetauscher das Wasser ab. Von der Fernkälte profitieren indes weniger Einrichtungen auf dem Campus: „Labore in der Chemie oder Serverräume in der Informatik werden im Sommer klimatisiert, sodass dort immer gleich gute Arbeitsbedingungen herrschen.“

Der etwas andere Weg in die Mensa

In Gang gehalten wird das gesamte Leitungssystem von der Leitwarte neben dem Heizkraftwerk aus, wo Techniker per Computer einzelne Rohrpassagen schließen und öffnen können. Das soll verhindern, dass bei einem Leck der gesamte Tunnel mit Wasser voll läuft. Während selbst starker Regen dem unterirdischen Bauwerk normalerweise nichts anhaben kann, so war das Hochwasser im Jahre 2008 zu viel für die wenigen Regenwasserpumpen. Nicht nur an der Uni, sondern auch in vielen Häusern Dortmunds standen zahlreiche Keller unter Wasser. „An einigen Stellen stand das Wasser kniehoch“, berichtet Middeldorf, „Da mussten unsere Pumpen mehrere Tage am Stück arbeiten, bis man da wieder durchgehen konnte.“
Das Angenehme mit dem Nützlichen verbindet Elmar Middeldorf gerne an heißen Sommertagen. Von seinem Arbeitsplatz geht er dann gelegentlich entlang der Fernkälteleitungen bis unter das Mensagebäude. Dort steigt er dann – pünktlich zum Mittagessen – aus einem der vielen Notausgänge wieder aus dem etwas anderen Maulwurfsbau empor.

Text und Fotos: Florian Hückelheim

Lageplan des Versorgungstunnels auf dem Campus Nord

Lageplan des Versorgungstunnels auf dem Campus Nord

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