Oscars 2016: Der Club der alten Weißen

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Die Academy Awards, besser bekannt als „Die Oscars“, sind eine der renommiertesten Filmpreise und werden dieses Wochenende wieder im großen Stil verliehen. Die diesjährigen Nominierungen haben im Vorfeld allerdings für viel Aufruhr und Kritik gesorgt. Der Grund: Alle nominierten Schauspieler und Schauspielerinnen sind weiß. Genauso wie im vergangenen Jahr. Die Reaktionen ließen nicht lange auf sich warten. Im Internet kommentieren Kritiker die Auswahl unter #oscarssowhite und Hollywood-Stars wie Spike Lee haben angekündigt die Oscar-Veranstaltung zu boykottieren. Mit Recht, wie unsere Autorin findet.

Hollywood gehört dem weißen Mann. So wirkt es zumindest, wenn man einen kritischen Blick auf die Industrie und ihre Filme wirft. Dann fällt auf, dass die Hauptrollen in der Regel mit Männern besetzt werden. Mit weißen Männern. Natürlich kommen auch Frauen und andere Ethnien in den Filmen vor, aber meistens nur als Teil der Begleitung und der Unterstützer des weißen Helden und seltener als Hauptdarsteller*innen. Zu dem Schluss kommt auch eine Studie der Universität von Südkalifornien. Deren Wissenschaftler haben 109 Filme und 305 Serien untersucht, mit dem Ergebnis, dass Frauen, nicht-weiße und nicht-heterosexuelle Charaktere stark unterrepräsentiert sind. Vor und hinter der Kamera. Deswegen sind die rein weißen Nominierungen der Academy nicht überraschend, sondern zeigen nur erneut ein altes Problem Hollywoods: fehlende Vielfalt und fehlende Gleichberechtigung.

Nicht-Weiße Darsteller verdienen die gleiche Anerkennung

Bei der Debatte um die Oscar-Nominierungen ist eines wichtig: Es geht nicht darum, weißen Darstellern und Darstellerinnen ihre Leistungen abzuerkennen. Dass jemand wie Leonardo DiCaprio endlich einen Oscar verdient hat, darüber muss nicht diskutiert werden. Worum es geht, ist nicht-weißen Schauspielern und Schauspielerinnen die gleiche Anerkennung zukommen zu lassen wie ihren weißen Kollegen. Das zeigt sich auch auf Twitter. Unter #oscarssowhite geht es nicht um die falsche Nominierung von weißen Schauspieler*innen, sondern darum, dass Nicht-Weiße von der Academy einfach ignoriert und übergangen wurden. Obwohl es mit Filmen wie „Beasts Of No Nation“, „Straight Outta Compton“ und „Creed“ durchaus Auswahl für einen Oscar gegeben hätte. Ob bewusst oder nicht – die Academy übersieht diese Filme und schießt damit vorbei am Zeitgeist. Diese Diskriminierung verdient keinen Platz mehr in der heutigen Welt.

Das Problem liegt dabei in der Academy und Hollywood selbst. Zwar ist die amerikanische Gesellschaft von Vielfalt geprägt, die Oscar-Jury ist es nicht. Mehr als 6200 Mitglieder stimmen jedes Jahr über die Vergabe ab, 2012 waren 94 Prozent davon  weiß und 77 Prozent männlich. Das Durchschnittsalter lag bei 62 Jahren, wie die LA Times berichtete. Daran wird sich über die letzten Jahre etwas, aber wohl nicht viel geändert haben. Bei diesen Verhältnissen überrascht es nicht wirklich, wenn Minderheiten und andere Gruppen regelmäßig übergangen werden. Natürlich stimmt nicht jeder, der weiß ist, nur für weiße Filme und Darsteller – allerdings lässt sich bei den Oscars ein Zusammenhang nicht wegreden. So gab es bisher auch erst 15 schwarze Oscar-Preisträger in den Darsteller-Kategorien.

Umdenken ist jetzt angesagt

Es soll aber besser werden. Bis 2020 will die Academy die Anzahl der Frauen und ethnischen Minderheiten unter ihren Mitgliedern sogar verdoppeln! Wenn man allerdings bedenkt, dass 2012 nur 6 Prozent der Mitglieder keine Weißen waren, wird das wohl nicht der große Umschwung der Oscar-Demografie werden. Ein Schritt in die richtige Richtung, aber leider nur ein sehr kleiner. Zusätzlich zu diesen neuen Mitgliedern muss sich die Academy aber auch dringend eins gönnen: Umdenken. Denn damit sich bei der Nominierung wirklich was ändert, muss sich vor allem in den Köpfen der derzeitigen Mitglieder etwas ändern. Sonst hilft auch die neue Vielfalt der Academy nichts. Das wird sich bloß leider nicht so einfach umsetzen lassen. Es bleibt also spannend, ob es im nächsten Jahr wieder heißt #oscarssowhite.

 

Teaser-/Beitragsbild: Craig Piersma/flickr.com

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