Das Deutschlandstipendium im Faktencheck

Dritter Vorwurf: Das Deutschlandstipendium benachteiligt Hochschulen in wirtschaftsfernen Regionen, weil es von privaten Förderern abhängig ist.

Das sagt das Ministerium: An Standorten in allen Regionen Deutschlands wurden gute und zum Teil sehr gute Ergebnisse erzielt, unabhängig von der Wirtschaftsstruktur der Region. (Pressemeldung des Bundesbildungsministeriums, 20.11.2012)

Auch wenn es privilegiertere Regionen gibt: Das Ruhrgebiet bleibt ein wichtiger Wirtschaftsstandort. Dass man hier den einen oder anderen Förderer für das Deutschlandstipendium auftreiben kann – gut vorstellbar. Wie aber sieht es für die Hochschulen aus, in deren Umfeld die Industrie dünn gesät ist? Im mecklenburgischen Nirgendwo oder in der brandenburgischen Pampa?

Die, so der Vorwurf, müssten es deutlich schwieriger haben, in ihrer Region Geldgeber für das Deutschlandstipendium zu finden. „Gegenüber dem strukturschwachen Sachsen-Anhalt sind industriestarke Standorte eindeutig begünstigt“, befürchtete vorab etwa Klaus Erich Pollmann, damals Rektor der Uni Magdeburg. Zu recht?

Tatsächlich schneidet ausgerechnet Sachsen-Anhalt in Sachen Deutschlandstipendium besonders gut ab. 172 Studierende kommen hier auf ein Stipendium – das ist ein Wert noch vor dem wirtschaftlichen Klassenprimus Bayern und knapp hinter Baden-Württemberg. Mecklenburg-Vorpommern hingegen, das im Vorjahr noch fast gleichauf mit den industriestarken Ländern lag, hinkt dem Bundesdurchschnitt inzwischen hinterher.

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Außen vor: Die Uni Hamburg beteiligt sich nicht am Deutschlandstipendium. Foto: Wikimedia Commons/ Merlin Senger

Auch wenn kleine Provinz-Unis es tatsächlich schwerer haben mögen, potentielle Unterstützer zu finden: Nicht nur der Standortfaktor entscheidet über den Erfolg des Deutschlandstipendiums. Viel wichtiger, das bestätigt auch das Bildungsministerium, ist ein anderer Aspekt: „Ob eine Hochschule erfolgreich bei der Mittelakquise ist hängt auch sehr stark von dem Engagement der jeweiligen Hochschulleitung für das Deutschlandstipendium ab“, erklärt ein Sprecher auf Anfrage der pflichtlektüre.

Für diese These spricht das Beispiel Hamburg: Die 35 Studenten, die hier 2012 ein Deutschlandstipendium erhielte, machen die Stadt zum Schlusslicht unter den Bundesländern. Der Grund ist einfach: Die Universität Hamburg, der Bildungs-Platzhirsch am Ort, beteiligt sich erst gar nicht am Deutschlandstipendium. Wenn die Uni nicht will, nützt also auch der beste Standort nicht.

Fazit der Redaktion: Vorwurf nur begrenzt berechtigt.

Weiter zum vierten Vorwurf.

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