Brücken zwischen Kunst und Wissenschaft

Ein Beitrag von Lena Kalmer

„Der naturwissenschaftliche Schulunterricht war wie eine Telenovela für mich.“ Mit diesen Worten erklärt Prof. Mario Markus seine Leidenschaft für die Naturwissenschaften. Aufgewachsen ist der 68-jährige in Chile und seine Begeisterung für Chemie, Physik und Biologie entstand schon in seinen jungen Jahren.

„Es gab eine lange Zeit lang keine Fernsehprogramme, keinen Computer und auch sonst nur sehr wenige Sachen, die man machen konnte.“ Neben dem Kinobesuch einmal in der Woche, war für Mario Markus somit der naturwissenschaftliche Unterricht das „Fenster zur Außenwelt.“ Dieses besondere Gefühl, das Markus schon früh gegenüber den Naturwissenschaften aufgebaut hat, möchte er in seinen Gedichten vermitteln.

Foto: Lena Kalmer

Literatur als "zweite Karriere". Foto/Teaserfoto: Lena Kalmer

Gleichzeitig haben seine Gedichte eine didaktische Botschaft, denn Markus betont, dass Chemie das Herz berühre. Seine objektivistische Dichtung soll die emotionale Seite der Naturwissenschaften zeigen. „Objektivistisch“ bedeutet, dass seine Gedichte an keine traditionelle Metrik gebunden sind, jedoch trotzdem einen Rhythmus enthalten. Zur Lyrik ist Markus in den 80ern gekommen, er bezeichnet diesen Weg selbst als seine „zweite Karriere.“ Mit 45 Jahren fing er an Gedichte zu schreiben, zunächst drehten sich diese um die ewigen Themen der Liebe und des Todes. In den 80ern entstand seine Idee, aus Formeln Bilder zu gestalten. Wie das funktionieren kann, zeigt er in seinem Buch „Die Kunst der Mathematik – Wie aus Formeln Bilder werden“. Den eigentlichen Weg zur Lyrik habe er gefunden, als er in der Physik seinen festen Job hatte und er sinnbildlich keine „Karotte mehr vor Augen hatte“ – also nicht mehr das Gefühl hatte, kämpfen zu müssen. Die Lyrik bot ihm die Möglichkeit, sich weiterzuentwickeln und gerade der Bereich der chemischen Gedichte stellte für ihn einen bisher nur oberflächlich erforschten Bereich dar.

Seine Gedichte, die zunächst nur auf spanisch und englisch erschienen sind, sollen sowohl Dichter ansprechen als auch die, die gerade dabei sind Chemie zu lernen, wie z.B. Schüler. Den Dichtern möchte Markus zeigen, dass die Physik wertvolles lyrisches Material bietet, was bisher noch viel zu selten genutzt wurde. Die Chemielernenden sollen erkennen, dass „Chemie schön ist, schön wie die Liebe.“ Der begeisterte Physiker und Lyriker versucht, die Naturwissenschaft und die Lyrik immer ausgewogen miteinander zu verbinden, denn das mache ihn zu einem ganzen Menschen. Nach Markus ist es deshalb wichtig, beide Gehirnhälften, die rechte und die linke, zu benutzen und sich nicht etwa „selbst zu kastrieren“. In seinem Buch „Chemische Gedichte – Fakten und Verse über alle Elemente“ gibt Mario Markus dem Leser auf der linken Buchseite zunächst wichtiges Hintergrundwissen über das jeweilige chemische Element, ohne das die Gedichte über das Element auf der rechten Buchseite nicht zu verstehen sind.

Physik lernen mal anders. Grafik: Gerd Altmann/pixelio.de

Physik lernen mal anders. Grafik: Gerd Altmann/pixelio.de

Die Reaktionen auf seine Lyrik fallen ganz unterschiedlich aus, so unterscheidet Markus drei verschiedene Arten von Lesern: Die „verknöcherten Naturwissenschaftler“ finden seine Art das Periodensystem zu erklären zwar interessant, fragen sich jedoch, wozu denn die Gedichte auf der rechten Seite überhaupt nützlich seien. Die traditionellen Dichter hingegen

protestieren, dass Gedichte nicht erklärt werden dürfen, wie Markus es auf der linken Buchseite macht. Denn der Leser müsse die Freiheit haben, selbst zu interpretieren und die Bedeutung der jeweiligen Metaphern auf eine Metaebene zu heben. Zum Schluss sieht Markus den „einfachen Mann, der der weder Dichter noch Naturwissenschaftler“ ist und sich für seine Art der Wissenschaftslyrik unvoreingenommen begeistern lässt. Wer sich in einer dieser Rollen wiederfindet, kann sich hier ein wenig inspirieren lassen:

1 Comment

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.