Katar im WM-Check

Foto: Christian Klein

Die Lusaile-Halle ist die größte der drei Hallen, die Katar für die Handball-WM gebaut hat. Über 15.000 Zuschauer hätten Platz – zu einem Spiel kamen aber nie so viele. Foto: Christian Klein

Katar – Emirat-Reise mit Wüsten-Safari und Kamel-Reiten. Bei vielen die ersten Bilder, die im Kopf beim Gedanken an das Land am Persischen Golf entstehen. Aber auch ein gutes Pflaster für internationale Sport-Events? Im ersten Augenblick zumindest ungewohnt. Aktuell sorgt die Handball-WM für Schlagzeilen – nicht zuletzt durch das gute Abschneiden der deutschen Mannschaft. Die pflichtlektüre hat mit Beteiligten der Handball-WM gesprochen und Katar einem WM-Test unterzogen.

Katars Hauptstadt Doha wird oft von Profi-Clubs für ihr Trainingslager genutzt. Beispielsweise bereitete sich Fußball-Bundesligist Bayern München in der Winterpause auf den weiteren Saisonverlauf vor – bereits zum vierten Mal. Mitten im Winter lädt das sommerliche Klima fern vom alltäglichen Jubel-Trubel-Alltag dazu ein. Bei der Handball-WM spielt das Klima in drei neuen, hochmodernen und klimatisierten Hallen keine große Rolle.

Im Hinblick auf die Fußball-WM, die unter freiem Himmel stattfinden wird, sind die Temperaturen jedoch eines der Hauptthemen. Im Hochsommer wird es in Katar bis zu 40 Grad heiß – eher unangenehm zum Sporttreiben. Ein Grund dafür, dass die Fußball-WM im Winter bei angenehmen Temperaturen um die 20 Grad stattfinden soll.

Scheinwelt in der Wüste: Alles nur gekauft?

Scheich Tamim bin Hamd Al Thani, Staatsoberhaupt von Katar, soll 500 Millionen Euro allein in die Handball-WM investiert haben. Das Geld sprudelt im Emirat nur so aus den Ölquellen – und die Kataris bauen sich eine Scheinwelt mitten in der Wüste. Selbst das Team wurde „eingekauft“, denn nur vier der 16 Handballer im Kader sind Einheimische. Der Rest wurde eingebürgert. Für den Erfolg werden offensichtliche keine Kosten und  Mühen gescheut.

Auch die Korruptionsvorwürfe bei der Vergabe der Fußball-WM halten sich. So nannte der Kulturausschuss des Europarats den Vergabeprozess der Fifa als “ zutiefst illegal“ und „vergiftet“. Das frühere Exekutivmitglied aus Katar, Mohamed Bin Hamman, soll über 30 nationalen afrikanischen Fußballvertretern hohe Summen gezahlt haben, damit sie bei der Wahl im Dezember 2010 für Katar stimmten. Das Gremium forderte eine Neuvergabe.

Luxus und Pop-Konzerte: die Organisation

Aus Spieler- und Trainerkreisen der Handball-WM wird der pflichtlektüre berichtet, dass die Organisation einwandfrei sei.  Für die Sicherheit wie auch den Komfort der Teams werde hochprofessionell gesorgt, sagt ein WM-Teilnehmer.

Den Zuschauern bietet das Veranstaltungs-Komitee neben dem sportlichen Geschehen auch zusätzliche Attraktion wie Musik-Acts: So zum Beispiel die zwei Auftritte von US-Sänger Jason Derulo oder Grammy-Gewinner Pharell Williams nach den Spielen.

Stimmung und Atmosphäre: Wo sind die Zuschauer? 

Foto: Christian Klein

Beim Spiel zwischen Russland und Deutschland kamen nur 600 Zuschauer. Foto: Christian Klein

Trotz der zahlreichen „Marketing-Aktionen“ bleiben die Ränge leer. Das Interesse der Einheimischen für die Handball-WM bleibt aus – trotz massenhafter Werbung entlang der Strandpromenade Dohas.  Der harte Kern der Fans aus den einzelen Ländern ist zur Unterstützung vor Ort. Dennoch spielen die Akteure vor leeren Hallen, gefühlt wie in der deutschen Oberliga.

Die größte der drei Hallen in Lusail mit 15.300 Plätzen ist nie ausverkauft gewesen. Keine Spur von Gedränge oder langen Besucherschlangen. Die Zahlen schwanken zwischen 500 und 2.000 Zuschauern. Das könnte allerdings am Sport liegen. Die Begeisterung für Handball hält sich in Katar offensichtlich in Grenzen. Stellt sich die Frage, ob das bei der Allerweltssportart Fußball anders sein wird.

Fazit: Katar kann WM, aber…

… für eine „echte“ WM fehlen die Zuschauer. Die Katari haben bewiesen, dass sie ein sportliches Großereignis organisieren können. Bei der Handball-WM waren die Sportler zufrieden, die Sportstätten hochmodern. Auch den Zuschauern wurde ein hochkarätiges Programm mit internationalen Topstars geboten. Aber jeder, der zur Fußball-WM 2022 reisen möchte, sollte sich bewusst sein, dass es eine Reise in eine Scheinwelt sein wird.

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