Mein erstes Mal Kulturcafé

Ich hatte hohe Erwartungen. Kultur und Café. Etwas Verruchtes, etwas Verrauchtes, vielleicht ein kleines bisschen Moulin Rouge? Was für Leute da wohl abhängen? Künstler, Ökofreaks? Vielleicht eine angehende Germanistin mit Disputpartner auf einer stinkenden Couch, die gestikulierend über die für sie wichtigen Dinge des Lebens an sich diskutieren?

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Der gut beschilderte und doch versteckte Eingang unseres "KuCa". Foto: Anne K. Dote

Ich freue mich schon auf optische Überraschungen. Und auf Musik! Vielleicht französische Chansons? Oder irgendetwas noch Unbekanntes? So eine alternative Band, die noch keinen Vertrag hat und zufällig den kultigen Besitzer kennt? Ich treffe mich nachmittags mit einer Freundin, die Kunstgeschichte studiert. Sie ist für dieses Ambiente genau die richtige Begleitung. Zudem ist sie noch eine der wenigen Raucher, die ich kenne. Ein Café au Lait mit Keks und kalter Rauch sind fast greifbar, bis ich durch den etwas seitlichen und für „nicht- Geisteswissenschaftler“ übersehbaren Eingang tapse.

Ein rot gehaltener Raum mit mühsam freundlichen Personen an der Theke, Rauchverboten und völlig unspektakulären Gästen treten in mein Sichtbild. Wenigstens waren die Preise, Größen und Zubereitung der Getränke und meines Baguettes wie neulich in Paris. Soll heißen: Das Baguette war sparsam belegt, etwas zu kross, die Preise mit dem Bermudadreieck vergleichbar und der Café au Lait so stark, dass ich noch Stunden später Magenschmerzen hatte. Der erspähte Rest ließ wenig Kultur oder Überraschung zu.

Mein Highlight war das Klavier, welches zwischen langweiligen Küchentischen und wenigstens farbigen IKEA-Sofas einsam und versteckt herumstand. Meine kleine heile Vision davon, dass da Musikstudenten das ein oder andere Mal spontan etwas zum Besten geben könnten, wurde direkt und trocken von der Bedienung und von den umliegenden Tischen verneint. Wegen des Rauchverbots wirkte der Raum steril und alles andere als verr(a)ucht. Ich bin bestimmt kein Befürworter des Tabakkonsums, aber irgendwie hat es doch etwas mit Kulturgehabe zu tun. Vielleicht habe ich aber auch nur zu viel „Sex and the City“ geschaut.

Statt der hochkulturellen Gespräche über Tucholsky, Beethoven, Darwin oder Ähnliche ging es zu der Zeit unserer Anwesenheit um die Parksituation an der Ruhr-Uni im Vergleich zur TU Dortmund. Es sei ja letztens wieder überall an der RUB abgeschleppt worden, weil Leute auf den Auf- und Abfahrten im Parkhaus parkten. Das sei in Dortmund ja kein Problem, bei den vielen Parkmöglichkeiten. Auch seien dort die Autonutzer nicht von den Öffnungszeiten der Tiefgarage dermaßen abhängig.

Enttäuscht umgehe ich nun meistens das Kulturcafé. Da hat das Edwards im Gebäude der Universitätsbibliothek einen besseren Flair. Und wenn alle Stricke reißen, gibt es zum Glück mehrere Etablissements in der Innenstadt. Für den Aufwach-Kaffee tut es eben auch die Cafete über dem Kulturcafé. Oder auch das rote Kaffeemobil, wenn man es findet. Lediglich für Musiksessions hat es einen kleinen Anreiz – man sollte nur nicht zu durstig erscheinen.

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