Teil 1: Was ist dran an Frühlingsmythen?

Die Sonne lacht, alles blüht, der Grill kommt wieder zum Einsatz − der perfekte Frühling. Und der hat noch mehr zu bieten als die ersten warmen Tage im Jahr, Glücksgefühle und Sonnentänze. In unserem Pflichtlektüre-Frühlingsspezial haben wir uns mit den wirklich wichtigen Dingen in der vielleicht schönsten Jahreszeit beschäftigt. Im ersten Teil unseres Spezials gehen wir Frühlingsmythen auf den Grund.

Die einen ärgern sich über den ersten Sonnenbrand − im Frühling ist die Sonne doch eigentlich gar nicht so stark, oder etwa doch? Andere klagen über die nervige Frühjahrsmüdigkeit, aber gibt es die denn überhaupt? Und wie sieht es mit unseren Hormonen aus: Verlieben wir uns im Frühling wirklich häufiger als in den anderen Jahreszeiten? Wir haben uns diese Frühlingsmythen einmal genauer angeschaut.


Mythos 1:
Wenn der Frühling Wärme bringt, bis in den Herbst die Grille singt.“ 

Na toll. Die schönen sonnig-warmen Frühlingstage ließen dieses Jahr ja ziemlich lange auf sich warten. Wenn wir den Bauernregel Glauben schenken dürfen, wird’s also dieses Jahr nichts mit Wärme und Grillengezirpe bis in den Herbst hinein… Keine Sorge, wir können Entwarnung geben: Das Wetter ist natürlich keine genaue Wissenschaft und vor allem durch den Klimawandel noch unvorhersehbarer geworden, als je zuvor. Meteorologen sind sich über die grundsätzliche Gültigkeit von Bauernregeln uneinig. Sie stammen aus dem Mittelalter, damals herrschten zum Teil andere Klimaverhältnisse als heute. Hinzu komme, dass die Beobachtungen der Bauern sich je nach Region deutlich unterscheiden − an 50 verschiedenen Orten in Deutschland haben 50 verschiedene Menschen ihre Schlüsse gezogen und so sind meist sogar 50 Versionen einer einzigen Bauernregel entstanden. Allerdings gibt es tatsächlich meteorologische Erhebungen, die zeigen, dass das Frühlingswetter quasi einen keinen Vorgeschmack auf den Sommer gibt. Laut diesen Daten folgt in sechs von zehn Jahren auf einen warmen und trockenen Frühling auch eine warme und regenarme Zeit zwischen Juni und Juli. Wirklich verlässlich sind diese Angaben aber natürlich nicht. 

Mythos 2: Sommersprossen bekommen wir im Sommer.

Für manche lästig, für andere einfach wunderschön – flickr.com/DenisenFamily Link: https://www.flickr.com/photos/denisenfamily/3736096022/in/photolist-6G9tbE-eDihN-9tUmQu-cqmSPC-UkFkmT-N2Uuf-a75Xdp-AKgTyz-HBqDuu-cRdgoy-MX6u6V-KfUzRu-5gHJKR-mg35si-mgagDT-6rorEs-mgab9V-mgaYLk-iAP7GE-of7GWJ-mg4X4q-mg377a-6JnuXp-63oJeg-mg4ZkQ-wmvcmL-jRUfkq-6ggvrj-6TyQQZ-qPiN89-9P4KXr-6oAVCm-nZFuBZ-7WK9t4-9vDuUc-33reey-6wyBQ7-aykCRi-S1CXuN-aMoEEr-4Bcvp7-hGKxaA-rkGVA-6uRUnD-wx6TaY-6NwM8p-8Hp7bn-NjnhrG-NrrMf7-NrrMaNSommersprossen zieren die Haut, und das nicht erst in der wärmsten Jahreszeit, sondern häufig auch schon im Frühling. Denn durch die Rotation der Erde erreichen schon im Frühling viele Sonnenstrahlen die Erde, auch wenn die Land- und Wasserflächen noch nicht so aufgeheizt sind und uns das Wetter gar nicht so warm erscheint. Sommersprossen sind ein genetischer Defekt, der dazu führt, dass sich Hautpigmente nicht gleichmäßig in der Haut verteilen können. Normalerweise wird das Pigment Melanin als Reaktion darauf von bestimmten Hautzellen, den Melanozyten, gebildet. Es wird an die umgebenden Zellen abgegeben und dient so der Haut als Schutz vor Sonneneinstrahlung. Je mehr Sonnenstrahlung auf die Haut einwirkt, desto stärker werden die Sommersprossen sichtbar − und das egal zu welcher Jahreszeit.

Mythos 3: Im Frühling ist die Sonne nicht so stark wie im Sommer Sonnencreme brauchen wir also noch nicht. 

flickr.com/Bam... Link:https://www.flickr.com/photos/bertram-s/2498348803/in/photolist-4NLG4n-5pgMrz-5gzBAY-kBZPd-cKkiz-J1vXjd-cJoyf7-jexJN-3xCiR-eJ25vT-9GkHMv-Phwtcp-9GkHMk-oQAhjB-e8BZbG-89izb5-yL9dR-e8whRK-e8wiBF-9zTnhi-5pmBDr-6rQRp8-9XeACF-9SNptB-ebbXka-4UZUNf-2XFCoz-4bS6KE-aeGyHV-8ps545-bCGT1b-7UHNfR-dDheu-9XhvNE-aeKnid-aeGyR8-aeGyAc-aeGydv-aeKmHb-7UHLWB-9XhvEJ-7ULYpW-7UHEYn-7UHD4Z-6qzRAE-7ULWBC-aeGxVa-7SoAQq-4riHK5-6qvLm4Nach den kalten Wintermonaten sehen wir oft wie weiße Kalkwände aus. Wenn dann die ersten Sonnenstrahlen aus dem Winterschlaf kommen, unterschätzen wir diese häufig. „Nach dem Winter ist die Haut sehr angreifbar und empfindlich auf UV-Strahlung. Der Eigenschutz ist noch nicht so da, wie im Sommer“, erklärt Allgemeinmedizinerin Irene Lamers.  Im Sommer ist die Haut bereits an die Sonne gewöhnt und bildet sich durch die braune Färbung einen eigenen Schutz. Lamers warnt: „Im Frühling ist die Sonne sehr gefährlich, die noch frischen Sonnenstrahlen werden oft unterschätzt“. Dazu kommt laut der Ärztin, dass der natürliche Sonnenschirm der Atmosphäre noch vergleichsweise schwach ist und uns deshalb weniger vor der gefährlichen UV-Strahlung schützt. Grund dafür ist die niedrige Ozonkonzentration, die unsere Atmosphäre bildet. Sonnenstrahlen gelangen deshalb ungefiltert auf die Erde und schaden unserer Haut schneller, als es im Sommer der Fall ist. 

Mythos 4: Viele Menschen bekommen gerade im Frühling eine Grippe oder Erkältung.

Im Winter gehört eine laufende Nase fast genauso zur Jahreszeit wie Wollsocken und Glühwein. Im Frühling können wir es dann kaum abwarten, uns mal wieder so richtig zu erholen und fit zu fühlen. „Allerdings werden die ersten sommerlichen Temperaturen häufig unterschätzt“, sagt Lamers. „Teilweise können die Patienten einen allergiebedingten Heuschnupfen auch nicht von einer Erkältung unterscheiden“, erklärt die Ärztin weiter. Insgesamt kommt die „echte“ Virus-Grippe aber im Winter häufiger vor als im Frühling. Nur vor einer Erkältung muss man sich warm anziehen und die Sommerkleidung besser noch im Schrank lassen. 

Mythos 5: Im Frühling verlieben wir uns häufiger. 

Zumindest im Tierreich scheinen die Gefühle im Frühling nur so zu sprühen. Während die Vögel naturgemäß im Frühjahr mit lautem Gezwitscher ihr Glück versuchen, werden aber tatsächlich auch beim Menschen Liebesgefühle wach. „Im Frühling verspüren wir meistens einen viel größeren Tatendrang. Das tolle Wetter macht uns glücklich und wir sind motiviert neue Dinge zu tun und vielleicht auch neue Menschen kennenzulernen“, erklärt Lamers. Die zunehmende Lichteinwirkung über das Auge bewirke eine Verringerung des Schlafhormons Melatonin. Zusätzlich steige das Glückshormon Serotonin sowie die Hormone Dopamin und Noradrenalin an. Durch diesen Hormon-Mix fühlen wir uns insgesamt aktiver und wacher. Im Frühling heißt es also raus aus den Federn und die Hormone sprühen lassen! 

Mythos 6: Im Frühling sind wir besonders müde.

flickr.com/Frank Lucifer Link:https://www.flickr.com/photos/buchtagenbild/6105569377/in/photolist-aiwD4x-agsTgG-3gPriU-UevNbq-otQtCc-6cY9bJ-8osua-5wqJ7v-b1SYoB-rwXqoq-6dxQmx-2SoRy9-6M3z38-bDJcPz-7XPRy2-a14DNe-ahEbfv-qyHnAs-aD38Gw-ewLNM-5urt82-eT86wb-6n1cCf-bDrAPV-JDJATF-9rSwNk-eSGfEi-eYMjs4-47zpk8-fyiMt1-erYMd5-nZuEeH-79Wsvt-RgNSEY-s4ZY2e-8Evy3H-p8prKR-9rSwjK-5CGPqk-k4WJX8-jEXq7v-a2AmiL-a7gdeP-8G4yUR-a2xtNn-e8CCHe-7qerct-juDzFY-SjXSFw-nBQL5iIm Frühling sind wir häufig schlapp und müde, dabei wollen wir eigentlich voller Tatendrang das gute Wetter genießen. Diese sogenannte Frühlingsmüdigkeit wird häufig als Mythos abgetan, aber Allgemeinmedizinerin Lamers sagt, dass es sie wirklich gibt: „Tatsächlich spielt die hormonelle Umstellung eine Rolle.“ Im Frühling werden die Tage länger und die Sonne intensiver. „Durch das bessere und hellere Tageslicht im Frühjahr werden Hormone aktiviert und wir werden sozusagen aufgeweckt“, sagt die Ärztin. Das Problem: Die unterschiedlichen Hormone müssen sich nun einspielen, was dem Körper ganz schön Stress macht. Das Hormonchaos wird verursacht von den zwei Hormonen Serotonin, das stimmungsaufhellend wirkt, und Melatonin, das eher ermüdende Wirkung hat. Diese beiden Hormone wirken bei der Umstellung im Frühling gegeneinander und wir fühlen uns schlapp. „Außerdem spielt unser Blutdruck eine Rolle. Wenn die Tage länger werden und es vor allem heller ist, weiten sich unsere Blutgefäße und der Blutdruck sinkt ab“, erklärt Frau Lamers. Dadurch fühlen wir uns müde und kraftlos. Aber, keine Sorge, die Hormonumstellung tritt vor allem in den ersten Frühlingstagen auf. Wenn die Tage dann wärmer und die Nächte länger werden, brauchen wir viel weniger Schlaf als im Winter und können den Frühling und Sommer in vollen Zügen genießen.

Mythos 7: Im Frühling fallen uns übermäßig viele Haare aus. 

Dem ein oder anderen ist vielleicht aufgefallen, dass man im Frühling besonders viele Haare verliert. Sie sind plötzlich überall. In der Haarbürste, in der Dusche und… Moment, wie kommen die denn da hin? Laut Allgemeinmedizinerin Lamers gibt es bisher leider keine zufriedenstellende Antwort von Seiten der Wissenschaft. Eine mögliche Erklärung sei aber die zuvor erwähnte Hormonumstellung. „Zum anderen vermutet man, dass das Haar nach den kalten Wintermonaten ‚erschöpft‘ ist. Auch die Haare brauchen Vitamine und die bekommen sie im Winter nicht in dem Maße, wie es in den Sommermonaten der Fall ist“, sagt Lamers. Ein dritter Grund könnten die stark schwankenden Temperaturen in den Wintermonaten sein. Im Herbst verlieren Menschen allerdings noch mehr Haare als im Frühling. Der September soll der Monat sein, in dem man den größten Haarverlust beobachten kann. Im Frühling hält sich der Haarverlust also noch in Grenzen.

Mythos 8: Heuschnupfen ist im Frühling am stärksten.

Der Pollenflugkalender weist im Frühling auf einen stärkeren Pollenflug hin als in anderen Jahreszeiten. In diesem Monat blühen viele Gräser und Obstbäume, deshalb sind die meisten Allergiker im Frühling besonders stark betroffen. Laut Allgemeinmedizinerin Lamers „kommt es aber auf den Patienten an, auf was dieser allergisch ist und auf was er reagiert.“ Im Sommer ist die Blütezeit zwar länger, aber dafür meist nicht so ausgeprägt. Besonders schwierig ist es für den Körper, sich auf den Pollenflug umzustellen. Lamers erklärt: „Da die Betroffenen im Winter eher weniger mit Heuschnupfen zu kämpfen haben, ist der Anfang der Frühlingsmonate meist besonders heftig. Hier muss sich der Körper erst wieder an die Pollen gewöhnen.“ Für die armen Allergiker unter uns heißt es also erst einmal abwarten, bis die Blütezeit vorbei ist. Denn im Sommer wird der Heuschnupfen dann tatsächlich ein wenig besser.

Beitragsbild: canva.com/pflichtlektüre
Fotos: flickr.com, lizenziert nach der Creative Commons Lizenz

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