Schneller lernen, länger behalten – was dem Hirn hilft

Referate, Klausuren und lernen, lernen, lernen: Das Studentenleben verlangt dem Gehirn einiges ab. Wie man sein Hirn auf Touren hält, darum ranken sich viele Mythen: Mal sollen wir angeblich bergeweise Nüsse futtern, mal seitenweise Sudokus kniffeln. Aber eigentlich freuen sich unsere grauen Zellen über etwas ganz anderes.

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Wie bekomme ich das bloß in meinen Kopf? Mit Dr. Kawashima wahrscheinlich nicht. Foto: Henry Klingberg/pixelio

„Wie wir das Gehirn gesund ernähren und durch Ernährung fit halten“ – der Titel der Vorlesung an der Ruhruni klingt, als hätten der Biochemiker Jan Terhag und die Biologin Bettina Bertram schon die Lösung gefunden. Haben sie auch, sie ist sogar sehr einfach: Bewegung. Bewegung sei das einzige Mittel, das wirklich helfe, das Gehirn zu trainieren, mehr Nervenzellen zu bilden und deren Leistung zu steigern, so Biochemiker Terhag.

Die besten Denker müssten eigentlich Jogger sein, wenn man den Wissenschaftlern glaubt: Nichts mag ein Gehirn so sehr wie das Laufen. Das sei auf die Zeit zurück zu führen, als der Mensch noch als Langstreckenjäger Zebras hinterherjagte.

Laufen ist gut für das Gehirn

„Klug essen“ kann man sich leider nicht, zumindest gibt es dafür keine wissenschaftlichen Belege. Und auch Pillen, die Gehirn-Doping vor der nächsten Klausur versprechen, helfen nur kurzfristig. Wer sich mit dem Joggen nicht anfreunden mag, kann sich und seinem Gehirn aber trotzdem durch ausgewogene Ernährung etwas Gutes tun. Zum Beispiel mit Vitamin C, laut Jan Terhag eine der größten Hilfen für den Körper. Sogar Kaffee und Rotwein können – in Maßen genossen – einen erschöpften Studenten wieder in Lernbereitschaft versetzen. Allerdings nur kurzfristig. Ob Schokolade, Kaffee oder Wein tatsächlich zu einem besseren Referat führen, ist noch nicht genügend erforscht.

Mit der Pille zur Klausur?

Sieht so in Zukunft die Prüfungsvorbereitung aus? Foto: pixelio

Sieht so in Zukunft die Prüfungsvorbereitung aus? Foto: Rainer Sturm/pixelio

Wer keine Lust auf gesunde Ernährung oder Rumgejogge hat, aber trotzdem schnell den Klausurstoff in den Kopf bekommen will, für den gibt es noch eine andere Möglichkeit: Gehirndoping. Kleine Helfer mit dem Wirkstoff Ampakin zum Beispiel sollen in Zukunft als „Gedächtnispillen“ beim Pauken helfen.

Ampakin verlängert die Signale der Nervenübertragung an den Synapsen im menschlichen Körper und trägt so zur besseren Verknüpfung der Nervenzellen bei – so soll zum Beispiel das Auswendiglernen einfacher und schneller gehen.

Der positive Effekt hält allerdings nur kurze Zeit vor. Für einen Studenten mit Klausurbammel hieße das vermutlich: Immer höhere Dosen des Medikaments und damit eine hohe Suchtgefahr. Die bisher bekannten Nebenwirkungen haben es auch in sich: Übelkeit, Erbrechen und Schlaflosigkeit treten sehr häufig auf. Nicht gerade die idealen Voraussetzungen, um am nächsten Morgen eine Klausur zu bestehen.

Gehirnjogging ist beliebt, bringt aber nicht viel

Da verlässt man sich doch lieber auf ein harmloses Hilfsinstrument, für das auch Nicole Kidman und Moritz Bleibtreu in der Öffentlichkeit werben: Denksportspiele wie Dr. Kawashimas Gehirn-Jogging. Den ersten Teil von Dr. Kawashima haben weltweit 13 Millionen Menschen gekauft, elf Millionen Menschen versuchen mit dem zweiten Teil ihr Gehirn zu trainieren. Britische Wissenschaftler haben allerdings in einer Studie des Medical Research Councils der Universität Cambridge (Achtung, PDF.) in Zusammenarbeit mit dem Sender BBC herausgefunden, dass es keine belastbaren Beweise dafür gibt, dass Gehirn-Jogging tatsächlich zu besseren Leistungen führt.

Wenn man bedenkt, dass schon das Spiel ohne den auch noch notwendigen Nintendo über zwanzig Euro kostet, ist Dr. Kawashima wohl nicht das richtige Hilfsmittel für Studenten. Dann lieber gleich ein klassisches (und preiswertes) Rätselheftchen vom Kiosk nebenan. Wer den Weg zum Kiosk auch noch mit Laufschuhen an den Füßen und kleinen Zwischensprints bewältigt, kann sich danach gleich an die nächste Hausarbeit setzen.

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