Rote Karte für den Poetry Jam

Ein Beitrag von Kiana Afrahi

Es sollte anders werden, als die normalen Poetry Slam-Veranstaltungen. Wer nicht gut performt, bekommt die rote Karte, muss runter von der Bühne. Nur die Zuschauer haben es in der Hand, können die Leute von der Bühne holen. Zusätzliche Drucksituation für die Künstler? Unterhaltsamer fürs Publikum? Vielleicht auch beides?!

Rote Karten müssen die Künstler nun nicht mehr fürchten. Fotos: Kiana Afrahi

Rote Karten müssen die Künstler nun nicht mehr fürchten. Fotos: Kiana Afrahi

Genau das hat das Subrosa – eine Kneipe in der Nordstadt – in der Vergangenheit angeboten : „Poetry Jam – gegen rote Karte“, so hieß die Veranstaltung. Es hörte sich neu, vielversprechend an – doch am Montag vergangener Woche haben die Veranstalter die roten Karten aus dem Spiel gelassen.

„Früher hat es die roten Karten gegeben, aber jetzt nicht mehr. Das liegt daran, dass es Ausmaße angenommen hat, die wir so nicht mehr akzeptieren konnten“, erklärt der Veranstalter Grobilyn Marlowe. „Einmal ging es sogar soweit, dass Jugendliche einen Afro- Amerikaner nur wegen seiner Hautfarbe von der Bühne schmeißen wollten. Das geht einfach zu weit“, sagt Marlowe.

Doch auch vor dem Vorfall war es nicht so, dass die Künstler direkt von der Bühne runtergeschmissen worden sind: jeder bekam fünf Minuten und erst dann konnten die roten Karten gezückt werden. „Uns geht es in erster Linie darum, dass sich Künstler hier ausprobieren können“, sagt Marlowe. Und genau das nutzen Einige.

NRW-Vizemeisterin zu Gast im Subrosa

NRW-Vizemeisterin Laura Reichel ist vom Subrosa begeistert.

NRW-Vizemeisterin Laura Reichel ist vom Subrosa begeistert.

Auch die amtierende NRW-Vizemeisterin im Poetry Slam Laura Reichel, 24 Jahre und Studentin der RUB, kommt ständig hierher. „Es ist super hier, weil es keinen Wettkampf gibt. Die Bühne ist offen für alle – jeder kann mitmachen“, sagt sie. „Auch wenn man neue Texte hat und vorher wissen möchte, wie diese beim Publikum ankommen, ist man hier genau richtig. Es ist quasi die Keimzelle für Slamer“, erklärt Laura Reichel. So hat zum Beispiel auch Torsten Sträters Slam-Karriere hier angefangen. Mittlerweile arbeitet er als Schriftsteller und hat deutschlandweit Slam- Veranstaltungen gewonnen.

Auch Laura Reichel will in diesem Jahr wieder an der NRW-Meisterschaft im Poetry Slam in Paderborn teilnehmen. Ihre Texte sind hauptsächlich lyrische Liebestexte und autobiographisch. „Man gibt schon was von seiner Persönlichkeit preis, aber das ist schön – so stellt man Kontakt zum Publikum her“, sagt sie. Und gerade das kommt bei dem Publikum gut an. Aufmerksam verfolgen sie die Texte und klatschen und jubeln, als die 24-Jährige fertig ist.

Es hat zwar keine roten Karten gegeben, und von der Bühne geschmissen wurde auch keiner, aber am Ende kamen viele zu der Erkenntnis, dass man doch auch einfach mal zuhören und lauschen kann, ohne den Künstler oder seine Texte direkt bewerten zu müssen.

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