20 Jahre Pokémon, 20 Jahre Kinderträume

Schnapp sie dir alle! Am 27. Februar 1996 erschienen in Japan die ersten Pokémon-Editionen – der Beginn eines Welterfolges. Und es blieb nicht bei Gameboy-Spielen: ein Anime, mehrere Kinofilme und ein Sammelkartenspiel folgten. Inzwischen gibt es 721 Pokémon, knapp 60 Spiele, über 900 Anime-Folgen und zahllose Merchandise-Artikel. pflichtlektüre-Autor Johannes Ahlemeyer erklärt, was den Reiz an Pokémon ausmacht.

Ich oute mich: Ich bin Pokémon-Fan. Das heißt, um ehrlich zu sein, vielleicht sogar ein Pokémon-Freak. Als kleiner Junge habe ich unzählige Stunden vor dem Gameboy und dem Fernseher verbracht. Für mich war Pokémon gelebte Abenteuerlust. Umherreisen, Pokémon fangen und andere Trainer besiegen.

Der Traum, ein Meister zu sein

Bei Pokémon taucht man in eine andere Welt ein, voller phantastischer Wesen und fremder Orte. Eine Welt, die nur darauf wartet, erobert zu werden. In dieser Welt scheint nichts unmöglich. Ein zehnjähriges Kind kann ohne Erwachsene durchs Land reisen und nimmt es sogar mit mafiösen Schurken auf. Auch wenn man selbst nur ein kleines Kind ist – bei Pokémon kann jeder Champion werden.

Doch die Gegner werden immer stärker, also muss auch das eigene Team stärker werden. Wer gewinnen will, muss alle Pokémon mit ihren Stärken und Schwächen kennen. Meinen Eltern war es absolut schleierhaft, wie ich mir so viele Namen merken konnte, die sie selbst noch nicht einmal richtig aussprachen. Wenn Vokabel lernen doch auch nur so einfach gewesen wäre.

Zwischen Euphorie und Verzweiflung

Nicht selten trieb mich das Spiel aber auch fast in den Wahnsinn. Legendäre Pokémon, die sich erst mit dem gefühlt 100. Hyperball fangen ließen. Gegner, die im letzten Moment immer noch einen Heiltrank einsetzten. Oder Attacken, die ständig scheiterten, weil die eigenen Pokemon verwirrt, paralysiert oder weiß der Himmel sonst was waren. Und natürlich war in den unpassenden Zeiten immer der Itembeutel voll.

Vor der Top Vier, den Elitetrainern der Pokémon-Liga, noch mal abspeichern, damit man im Notfall das Spiel ausmachen kann. (Denn wer will sich schon die Blöße einer Niederlagen geben?) Ein paar Versuche und Verzweiflungsanfälle später war es dann geschafft: Der letzte Gegener war geschlagen. Doch auch dann machte Pokémon noch Spaß. Weiter ging’s mit der Jagd auf neue Pokémon und Kämpfen gegen Freunde. Vom Spielen unterbrach mich oftmals nur ein nerviges „Wir wollen jetzt essen!“ von meinen Eltern.

Auf der Reise zum Helden

Aber auch die Serie hat mich begeistert. Zugegeben: Besonders originell ist die Rahmenhandlung nicht. Seit 1997 reist Ash Ketchum aus Alabastia mit Pikachu und seinen anderen Freunden durch die Welt, um Pokémon-Meister zu werden. Nach vielen Gefahren und Kämpfen hat er genug Orden, um bei einem großen Pokémon-Turnier antreten zu dürfen. In der Endrunde verliert er dann und reist anschließend in eine neue Region mit neuen Pokémon – und die Abenteuer gehen von vorne los.

Vieles ist vorhersehbar. Vieles ist klischeehaft. Trotzdem ist Pokémon einer der besten Kinderserien, und das liegt vor allem an der Hauptfigur. Am Anfang ist Ash ein totaler Kindskopf. Völlig naiv und störrisch. Er rennt stets planlos drauflos, ohne an die Folgen für sich und andere zu denken. Seine Kämpfe gewinnt er meist nicht mit Können, sondern mit Glück.

Doch auf seiner Reise wird er nicht nur ein immer besserer Trainer, sondern auch erwachsener – und mit ihm die Zuschauer. Ash lernt, Verantwortung zu übernehmen und für seine Freunde einzustehen. Er erkennt, dass man an sich glauben muss, um seine Ziele zu erreichen. Und auch wenn er oft verliert, gibt er nicht auf, sondern kämpft weiter und arbeitet härter an seinen Schwächen.

Zu alt für Pokémon? Nie!

Auch heute kenne ich noch alle Attacken und Pokémon aus den alten Spielen auswendig. Und machnmal schnapp ich mir gerne den Gameboy. Dann bin ich wieder ein kleiner Junge, der sich freut, wenn er ein seltenes Pokémon fängt oder einen starken Trainer schlägt. Ein Junge auf dem Weg zum Champion.

Beitrags-/und Teaserbild: Johannes Ahlemeyer

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