Schlecht, schlechter, Himbeere

Goldene Himbeere

Teaserbild & Foto: Rainer Sturm / pixelio.de

Es ist wieder Himbeerzeit! Ende Februar? Eigentlich wird die kleine mit feinen Haaren besetzte Frucht zwischen Juli und November gepflückt, doch in Los Angeles ist genau jetzt Erntesaison. Allerdings ist hier nicht die Rede vom süßen Obst, sondern vom Filmpreis „Golden Rasperry Awards“ – zu Deutsch: Goldene Himbeere. Jedes Jahr werden eine Nacht vor der Oscar-Verleihung die schlechtesten Filme und Schauspieler des Jahres gekürt. Auch 2014 gibt es wieder einmal prominente Nominierte.

Wirklich haben will diesen Preis niemand gern. In der 33-jährigen Geschichte des Awards sind bislang die wenigsten Prominenten persönlich bei der Verleihung erschienen, um den Preis entgegen zu nehmen. Sandra Bullock und Halle Berry gehören zu denjenigen, die den Spaß mitgemacht und die mit Goldlack besprühte Plastikhimbeere vor Ort in Empfang genommen haben. Auch in diesem Jahr scheint es unwahrscheinlich, dass Hollywood-Schwergewichte wie Johnny Depp, Ashton Kutcher oder Sylvester Stallone die Portion Selbstironie aufbringen und erscheinen werden.

Neun Goldene Himbeeren werden am 1. März in Los Angeles in Kategorien wie „schlechtester Film“, „schlechteste/r Schauspieler/in“, „schlechteste Regie“ oder „schlechtestes Leinwandpaar“ vergeben. In der Königsdisziplin schlechtester Film 2013 duellieren sich u.a. der Disney-Western „Lone Ranger“ mit Johnny Depp und „After Earth“ –  der Vater-Sohn-Sci-Fi mit Jaden und Will Smith. Ebenfalls dabei: „Kindsköpfe 2“ mit Adam Sandler, der Episodenfilm „Movie 43“ und der in Deutschland bislang nicht veröffentlichte Weihnachtsfilm „A Madea Christmas“.

Lone Ranger

Gute Karten auf den Sieg als schlechtester Film 2013 hat der Western „Lone Ranger“, der aus dem Hause Disney kommt und insgesamt in fünf Goldene Himbeere-Kategorien nominiert ist. Regisseur Gore Verbinski bekommt die Handlung trotz eines Darstellers wie Johnny Depp nicht in den Griff und verzettelt sich in Langatmigkeit, die in 148 Minuten Spielzeit resultiert. Auch finanziell ist „Lone Ranger“ ein echter Flopp. Einem Produktionsbudget von mehr als 375 Millionen US-Dollar stehen gerade einmal Einnahmen von 260 Millionen gegenüber. Um als wirtschaftlicher Erfolg zu zählen, hätten Johnny Depp & Co. nach Schätzungen der New York Times mindestes eine halbe Milliarde US-Dollar mehr einspielen müssen.

After Earth

Will Smith gibt den Karrieren seiner drei Kinder gerne Starthilfe. Auch im für die Goldene Himbeere nominierten „After Earth“ spielt neben Vater Will ein weiteres Familienmitglied mit. Für den 15-jährigen Sohn Jaden Smith ist After Earth die bereits siebte Filmrolle. Tausende Jahre in der Zukunft geht es für die Menschheit darum, sich im Weltraum auf dem Planeten Nova Prime gegen eine Rasse Gen-Außerirdischer militärisch durchzusetzen. Soviel zur Sci-Fi-typischen Geschichte. Medien kritisieren den Film aber nicht nur wegen seiner dünnen Story, sondern vielmehr wegen Anzeichen unterschwelliger Scientology-Propaganda. Zwar beteuerte Smith bereits mehrere Male öffentlich, kein Mitglied der Sekte zu sein, dennoch wird er mit Spenden an Scientology-nahe Einrichtungen in Verbindung gebracht. Resultat: sechs mögliche Himbeeren.

Kindsköpfe 2

Bereits Teil eins der Komödie konnte eine Nominierung für die Goldene Himbeere einheimsen. Der Nachfolger ist bei den Juroren noch deutlich schlechter weggekommen. Insgesamt sechs Nominierungen stehen zu Buche. Kindsköpfe 2 ist leicht verdaubare Comedykost. Die Geschichte ist so belanglos, dass es kaum einer Erwähnung bedarf. Eine Gruppe mittlerweile erwachsener Freunde trifft sich in ihrer alten Heimatstadt wieder. Anstatt das ruhige Landleben zu genießen, messen sich die Männer mit pubertierenden Halbstarken, um herauszufinden, wer die coolere Clique ist. Hauptdarsteller Adam Sandler könnte mit einem „Erfolg“ bei der diesjährigen Verleihung den Rekord von insgesamt drei Goldenen Himbeeren aufstellen. 

Movie 43

Richard Gere, Uma Thurman, Halle Berry, Hugh Jackman und Kate Winslet. Liest sich wie die Crème de la Crème der internationalen Schauspielgarde und ist gleichzeitig die Besetzungsliste der Episoden-Komödie „Movie 43“, dem möglicherweise schlechtesten Film des Jahres 2013. Eine Geschichte sucht man bei „Movie 43“ vergeblich. Elf Kurzfilme werden umrahmt von der Suche dreier Jugendlicher nach einem mysteriösen Internetfilm. Die Resultate dieser Suche sind ebendiese elf Clips. Charakteristisch vereint diese kurzen Filme Skurrilität und Obszönität. Bei einem Heiratsantrag entgegnet eine baldige Braut ihrem Zukünftigen, ob dieser nicht als Zeichen der Seelenverbundenheit auf sie „draufkacken“ wolle. Ein Basketball-Trainer will seinem Team deutlich machen, dass sie aufgrund ihrer dunklen Hautfarbe bessere Siegchancen haben als der Gegner. MP3-Player in Scheiden-Optik, die von heranwachsenden Jugendlichen zweckentfremdet werden. „Movie 43“ will mit aller Macht provozieren und derbe Gags, die meist unterhalb der Gürtellinie sind, mit großen Namen der Filmbranche rechtfertigen. „Movie 43“ ist für insgesamt sechs Preise nominiert.

Der Schlechteste möge gewinnen

Welcher der Filme zum schlechtesten des Jahres gekürt wird, entscheidet sich traditionell einen Abend vor der Oscar-Veranstaltung. Nur wenige Kilometer vom Veranstaltungsort der Goldenen Himbeere entfernt, feiert sich eine komplette Branche ausgelassen selbst. Bei der Himbeere hingegen wird diese von ausgewiesenen Experten aufs Korn genommen. Der Stiftung Golden Raspberry Award Foundation gehören mehr als 750 Filmkritiker, Filmemacher und Journalisten aus mehr als 42 Ländern an. Hier glänzt kein Tausend Dollar-Kleid und auch der rote Teppich ist zu vernachlässigen. Vor allem die Sensibilisierung der Gesellschaft für den Irrsinn, der hinter mancher Filmproduktion steht, soll durch die Verleihung erreicht werden. Möge der schlechteste Film gewinnen. 

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