Stupa-Wahlergebnis: Die „geschenkte Demokratie“

Die Wahlurnen wurden gefüllt, die Stimmzettel sind ausgezählt und ausgewertet. Zwar gibt es klare Mehrheiten, doch die Wahlbeteiligung ist wieder mal erschreckend gering. Trotz riesigem Werbeaufwand der Studenten.

Katrin Lögering engagiert sich bei den "Studis für Studis".

Katrin Lögering engagiert sich bei den "Studis für Studis". (Foto: Jana Heck)

Als das Wahlergebnis bekannt wurde, ließen die „Studis für Studis“ die Sektkorken knallen. Gewonnen – mit 19 Sitzen! Eine Tatsache aber trübte die Feierei: Die Wahlbeteiligung lag dieses Mal sogar nur bei schlappen 8,13 Prozent. „Ich weiß nicht, was wir noch hätten anders machen können. Vielleicht brauchen wir nächstes Mal laufende Litfasssäulen, damit die Leute auf uns aufmerksam werden“, bedauert „Studis für Studis“- Mitglied Katrin Lögering. Eine witzige Vorstellung mit einer traurigen Wahrheit, denn die Stupa-Vertreter haben sich diesmal wirklich ins Zeug gelegt. Sie haben Flyer verteilt,  E-Mails geschrieben und Plakate aufgehängt. Sie haben auf Internetseiten geworben und Glühwein und Waffeln für wenig Geld verkauft. Da gab es lange Schlangen. Den Studenten gefielen die Aktionen.

Auch die Liste „Apfel“ kam mit ihrem Wahl-Programm bei den Studenten gut an. Mit 13 Sitzen sind sie die zweitstärkste Liste im Studierendenparlament. Lögering erklärt sich das dadurch, dass die beiden Listen Inhalte vertreten, die sich sehr gut ergänzen. Die „Studis für Studis“ beschäftigen sich hauptsächlich mit Hochschulpolitik und Lehre, „APFEL“ mit dem Unileben auf dem Campus. Da ist eigentlich für jeden was dabei. Trotzdem ist kaum einer wählen gegangen. Woran liegt das?

Stupa ist Luxus

Marc Hövermann

Marc Hövermann ist Vorsitzender des AStA. (Foto: Jana Heck)

„Bei vielen Leuten mangelt es trotz der vielen Werbung immer noch an Verständnis.“, erklärt Marc Hövermann vom Allgemeinen Studierendenausschuss (AStA). Die Studenten wüssten oft nicht, was das Stupa eigentlich ist und vor allem auch nicht, wie es ihnen helfen kann. Katrin Lögering nennt dieses Problem auch „geschenkte Demokratie“. „In Baden-Württemberg wurde kürzlich das Studierenden-Parlament ganz neu eingeführt. Die hatten eine Wahlbeteiligung um die 80 Prozent“, sagt sie. Das könnte daran liegen, dass die Studenten der Uni in Baden-Württemberg auch die Situation ohne Stupa kennen. Sie wissen wie es ist, wenn sich niemand für ihre Interessen einsetzt. Die Studenten in Dortmund kennen das nicht mehr.

Kritik und anstehende Veränderungen

Natürlich ist nicht alles schwarz und weiß. Hinsichtlich des letzten Stupas gab es auch kritische Stimmen. Das Parlament war oft nicht beschlussfähig, weil von den 51 Sitzen selten genügend besetzt waren. Die „Studis für Studis“ wollen das jetzt ändern. Sie planen, die Sitze radikal auf rund 30 Stück zu kürzen. Das ist nicht ihr einziges Ziel. Sie fordern unter anderem die Abschaffung sinnfreier NCs insbesondere in den Bildungswissenschaften: „Die NCs sind nicht einmal von den Fächern abhängig. Sobald man ein Fach auf Lehramt studieren möchte, muss man einen oft hohen NC erfüllen. Danach erst wählt man das Fach“, beschwert sich Katrin Lögering. So kommt es, dass zum Beispiel in dem Fach Chemie eigentlich mehr Kapazitäten für Lehrämtler vorhanden sind, als tatsächlich dort studieren. Eine Alternative sieht die Lögering in Auswahlgesprächen oder einem NC, der nur einzelne Fächer in den Bildungswissenschaften belastet. Weitere Ziele sind eine Mastergarantie für alle TU-Studenten, mehr Transparenz von Seiten der Uni und längere Mensa-Öffnungszeiten.

Als Studi braucht man gute Nerven

Die „Studis für Studis“ haben sich viel vorgenommen. Doch Katrin Lögering ist zuversichtlich: „Klar, die NC- und Mastergarantie-Ziele werden schwer durchzusetzen sein. Aber insgesamt rechnen wir uns gute Erfolgschancen aus“. Woher diese Zuversicht kommt? „Wir haben gelernt, dass es viel bringt, penetrant zu sein, sich an den richtigen Stellen einzusetzen und Experten in den wichtigen Gremien unterzubringen“, erklärt die Parlamentarierin. Mit diesem Durchsetzungsvermögen haben die „Studis für Studis“ auch schon einiges erreicht. Ihr größter Erfolg ist dabei wohl die Verhinderung einer 43%igen Preiserhöhung des Semestertickets und eine Anerkennungsordung der Credit-Points sowohl für Studenten, die ein Auslandssemester machen möchten, als auch für Studenten die von einer anderen Uni an die TU Dortmund wechseln.

Was bei all dem Engagement aber immer noch fehlt, sind die Wähler. Die zu animieren dürfte in der neuen Amtsperiode eines der schwierigsten Ziele überhaupt sein. Und wenn noch mehr Werbung, ein Newsletter oder Wahlzeitungen wieder nichts nutzen, gibt es sie vielleicht nächstes Jahr tatsächlich: Die laufenden Litfasssäulen.

3 Comments

  • Holger sagt:

    Wer einmal eine Sitzung des stupa besucht hat, wird sich in seinen Vorurteilen bestätigt fühlen. Arrogant zu sein ist das eine, Arroganz *und* wenig auf dem Kasten haben hingegen ist eine ganz gefährliche Mischung.

    Die alten Hasen dort halten das Geschäft am laufen, das ist lobenswert. Von den Mitgliedern der Liste Studis für Studis und Apfel, die ob ihres Auftretens allesamt FDP-Mitglieder sein könnten, möchte ich mich als Student nicht vertreten lassen.

      Zitat:  Antwort:

  • Katrin sagt:

    Womit du Recht hast ist, dass die Öffentlichkeitsarbeit noch weiter verbessert werden muss.
    Dennoch kann ich diese (im letzten Satz vermittelte) Einstellung nicht verstehen- Diese Studierendenschaft ist bereits auf einem guten Weg!
    Einige Beispiele: Die Sitzungen sind öffentlich, jeder kann jederzeit vorbeischauen. Die Listen APFEL und Studis für Studis haben während der Amtszeit Flyer in der Mensa ausgelegt mit Zielen, die schon erreicht wurden und die auf der Agenda stehen. Der AStA hat Newsletter erstellt, auf dem über aktuelle Geschehnisse informiert wird. Dann noch die reißerischen Flyer „Kein StuPa- Kein Ticket“ jetzt kurz vor der Wahl… und spätestens da sollte jedem bewusst werden, was es bedeutet, wenn die verfasste Studierendenschaft (wie kürzlich auch in Sachsen) gefordert von der Politik einen Rückschlag erhält! Nur aufgrund der Rechtsfähigkeit der verfassten Studierendschaft schließen die Verkehrsbünde überhaupt Verträge mit uns! Wer dann immer noch sagt „ich brauch kein Ticket, ich wohn in Dortmund und hab ein Auto“, dem ist meines Erachtens nicht mehr zu helfen.
    Und das StuPa ist nun bei Gott noch nicht alles. Das StuPa wählt den AStA- das ausführende Gremium. Dass hier in den 1,5 Jahren nichts passiert sein soll, würde viele Menschen, die ihr Herzblut in die Angelegenheiten Anderer gesteckt haben, sehr beleidigen. Dann gibt es viele weitere Kommissionen, in denen sich Menschen um HiFo- Anträge, den Haushalt der Studierendenschaft und um viele weitere Belage kümmern.
    Wahlgeschenke kann man annehmen, muss man aber nicht. Hier bleibt richtigzustellen, dass jene Geschenke aus den Taschen der Listen finanziert wurden.

    Die ParlamentarierInnen sind immer für interessierte Beiträge offen und würden sich freuen, wenn von außen auch mal mehr als ein „ne, so ne scheiße interessiert mich nicht“ kommen würde. Der AStA ist dabei immer ein guter Ansprechpartner. Und dass wir als Studierendenschaft sowieso nichts ändern können, sollte kein Argument sein. Wer am allgemeinen Prinzip zweifeln, kann sich ja engagieren und versuchen, das allgemeine Prinzip zu ändern. Denn auch die ParlamentarierInnen machen ihre Sache völlig freiwillig.

    http://www.youtube.com/watch?v=ZGw-edtNwS4

    http://www.youtube.com/watch?v=8T1N4r8QOvM

      Zitat:  Antwort:

  • Philipp sagt:

    Ich war am ersten Tag wählen und wurde direkt danach schon vom ersten Wahlwerber angequatscht. Eine Woche lang ging es genau so weiter: Aufdringliche Wahlhelfer, Flyer die ihren Weg nicht einmal in den Mülleimer fanden und kleine Wahlgeschenke, die in der Anschaffung sicherlich auch nicht umsonst waren (insbesondere Apfel ist mir hier negativ aufgestoßen). Umsonst waren aber scheinbar die Bemühungen, denn für die Wahlbeteiligung haben die Aktionen rein gar nichts gebracht.
    Ich vermute, 8,13 % der Wähler haben sich VOR der Wahl informiert, sind wählen gegangen und haben es abgehakt. Den Rest hat man trotz penetranter Wahlwerbung nicht erreichen können.
    Nun prophezeie ich: Ein Jahr lang wird man vom StuPa nichts hören! Man wird nicht über laufende Entwicklungen informiert werden und das Parlament wird selten beschlussfähig sein – so wie die letzten Jahre auch. Die Pflichtlektüre wird auch erst dann etwas aufgreifen, wenn es nach einer Schlagzeile riecht. Vielleicht steht ja dieses Jahr die Finanzierung der Pflichtlektüre selbst zur Debatte, nachdem eldoradio letztes Jahr schon so ein reißerisches Thema war?
    Ich bin grundsätzlich schon daran interessiert, was genau im StuPa passiert. Aber ich weiß ehrlich gesagt nicht einmal, WO man sich über aktuelle Themen des StuPa informieren kann. Hier fehlt es eindeutig an Öffentlichkeitsarbeit WÄHREND der Amtszeit.
    So lange sich dort nichts ändert, wird das dortmunder StuPa auch weiterhin von 91,87 % der Studenten ignoriert werden. Verübeln kann ich es ihnen nicht…

      Zitat:  Antwort:

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