Ärger bei Diskussion mit Minister Pinkwart

Der NRW-Innovationsminister wollte sich in Duisburg den Studenten stellen. Gemäßigte Kritiker der schwarz-gelben Hochschulpolitik hatten das Treffen vorbereitet. Doch einzelne Störer versuchten, die Diskussion zu sprengen. Bilanz: Ein verletzter Ordner – und inhaltlich ging’s keinen Schritt nach vorn.

Klare Kante, auch auf den Plakaten: Mit der Hochschulpolitik der FPD sind viele Studenten unzufrieden.

Klare Kante: Mit der Hochschulpolitik der FPD sind viele Studenten unzufrieden.

Alles andere als ein freundlicher Empfang für Andreas Pinkwart (FDP) in Duisburg: Minutenlang buhten ihn am gestrigen Mittwoch rund 500 Studenten im Audimax der Uni Duisburg aus. „Bildung für alle – und zwar umsonst“, schleuderten sie dem NRW-Wissenschaftsminister zur Begrüßung entgegen. „Bildung verliert, wenn Schwarz-Gelb regiert!“ Kein Durchkommen, auch nicht für Moderator Jürgen Zurheide vom Westdeutschen Rundfunk, den der AStA für die Diskussion um den Bildungsstreik und die Universitätsreformen der schwarz-gelben Landesregierung engagiert hatte.

Zum Teil hatte sich Pinkwart die Diskussion mit den Studenten selbst erschwert: Schon im Laufe des Tages hatte er vollmundig gesagt, er werde seine Politik doch nicht wegen „einer Handvoll Krawallmacher“ ändern. Das kam auch bei gemäßigten Kritikern nicht gut an, die sich mit angesprochen fühlten.

Mit Gewalt in den Hörsaal

Für die Studenten stellte sich die Frage: Demonstration oder Diskussion? Die meisten entschieden sich, zunächst im Audimax mit Andreas Pinkwart zu streiten.

Für die Studenten stellte sich die Frage: Demonstration oder Diskussion? Die meisten entschieden sich, zunächst im Audimax mit Andreas Pinkwart zu streiten.

Noch wüster waren die Angriffe offenbar bei einer Fachdiskussion davor. Wie viele andere Medienvertreter auch war die pflichtlektüre im Audimax, um über die Diskussion zu berichten. Schon anderthalb Stunden vorher hatten es aber rund 30 Demonstranten mit Gewalt in einen Hörsaal geschafft, in dem Pinkwart zum Gespräch über ein Format seines Innovationsministeriums zu Gast war. Der Polizeibericht: „Bei diesem erzwungenen Zutritt wurde ein eingesetzter Ordner leicht verletzt.“ Der Rektor der Universität und auch Minister Pinkwart verließen daraufhin den Saal.

Dabei hatte der AStA eine friedliche Auseinandersetzung geplant. Er hatte sich bereits vor der Diskussionsrunde mit Kommilitonen getroffen und abgesprochen, wie sie sich mit dem Minister auseinandersetzen wollten. Doch gegen die lautstarken Zwischenrufer, die auch in diesen Hörsaal kamen, hatten anfangs weder sie noch Moderator Jürgen Zurheide eine Chance – obwohl auch der seine Vermittlerrolle zugunsten der Studenten aufweichte. „Ich bin froh, dass ich in den 70er- und 80er-Jahren studiert habe“, erklärte Zurheide. „Und dass man mich damals auch zwölf Semester gelassen hat.“ Schwarz vermummt stand eine Gruppe junger Männer am Rande und rief immer wieder lautstark gegen die Redner.

Studenten gingen selbst gegen Störer an

Doch die feindliche Stimmung im Saal kippte: Einzelne hatten auch die SPD-Landtagsabgeordnete Anna Boos dermaßen ausgeschrien („Verräterin!“, „500 Euro Studiengebühren, das wart ihr!“), sodass keines ihrer Worte beim Publikum ankam. Da wehrten sich die Studenten gegen die Störer. „Raus!“, riefen sie ihnen entgegen, „jetzt lasst sie doch einmal reden!“ – das war wirkungsvoller als die Bitten von Moderator Jürgen Zurheide. Andreas Pinkwart kam der politischen Gegnerin zur Hilfe: „Die 500 Euro Studiengebühren haben in NRW die FDP und CDU eingeführt.“

Zumindest zuhören – das wollten die meisten. Auch wenn das, was Minister Andreas Pinkwart sagte, nicht gut ankam. Er verteidigte den Bolognaprozess. Durch die Reformen der schwarz-gelben Regierung habe NRW nun „25 Prozent mehr Einnahmen für die Hochschulen als 2005“, sagte Pinkwart zur Finanzierung der Universitäten über Gelder aus der Wirtschaft. „Morgen treffen wir uns mit den Rektoren und besprechen Verbesserungsvorschläge. Wir wollen die Studiengänge entfrachten, weniger Klausuren und die Studierbarkeit erhöhen.“

„Direkt von der Abschlussfeier in die Privatinsolvenz, so wird das laufen“

Innovationsminister Andreas Pinkwart stellte sich den Studenten in Duisburg.

Innovationsminister Andreas Pinkwart stellte sich den Studenten in Duisburg.

Politikwissenschaftsstudent Patrick Hinze hat erlebt, wie Bologna in Duisburg umgesetzt wird. „Ich bin jetzt im siebten Semester, eigentlich hätte ich nach dem sechsten meinen Bachelorabschluss haben sollen. In meinem Jahrgang haben ihn sieben Prozent in der vorgegebenen Zeit geschafft.“ Der Leistungsdruck sei zu hoch. „Fünf Klausuren habe ich im ersten Semester geschrieben, an drei Tagen. Dazu muss ich jobben, habe einen privaten Kredit aufgenommen.“ Sein Urteil fällt vernichtend aus: „Direkt von der Abschlussfeier in die Privatinsolvenz, so wird das laufen.“ Mehrere Studenten trugen Pinkwart solche Kritik vor.

Der reagierte abwehrend: „Die Reformen dienen auch dazu, schneller und erfolgreicher zum Abschluss zu kommen.“ Seine Behauptung „je länger es dauert, desto schwieriger ist ein Studium zu finanzieren“, sorgte im Saal für Gelächter.

Dass das, was Pinkwart versprochen hat, umgesetzt wird, bezweifeln die Studenten. „Immer nur reden in Gremiensitzungen, das machen wir schon seit Jahren mit“, sagte einer. „Der verspricht viel, geändert hat sich nie was.“

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