Von Beruf Pinguin: Meine Arbeit als Maskottchen

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Tom Scheffler ist 22 Jahre alt und Student. Tom ist aber auch Viktor der Kirchturm, Pido der Pinguin, Ric der Rabe oder ein riesengroßes Handy. Denn neben seinem Studium verdient Tom sich sein Geld als Maskottchen. Wer jetzt denkt, das ist nur ein langweiliger Job, bei dem man ein bisschen rumsteht und winkt, ist allerdings auf dem Holzweg. Der pflichtlektüre hat der 22-Jährige erzählt, wie es hinter den Kulissen eines Maskottchens zugeht und warum er bei diesem Job vermutlich mehr schwitzt als so mancher Fußballer. 

Tom, kommst du dir in deinem Kostüm nicht manchmal total bescheuert vor?

(Nickt und grinst) Klar, warum auch nicht. Ich kann in solchen Situationen aber über mich selbst lachen, das ist das Gute. 

Wie bist du denn überhaupt Maskottchen geworden?

Mit 18 Jahren habe ich angefangen als Eventpromoter zu arbeiten. Zu Beginn habe ich erst einmal nur Flyer verteilt. Nach ungefähr einem Jahr habe ich meinen ersten Job als Maskottchen bekommen, da war ich ein Handy. Draußen waren -15° Grad und ich wusste überhaupt nicht, dass ich ein Maskottchen sein sollte. Wir sollten eigentlich die Leute auf einem Oldtimer Event begrüßen. Auf einmal hieß es, jemand sollte das Maskottchen spielen und meine Kollegen haben alle auf mich gezeigt. Ich hatte dann nur eine dünne blaue Strumpfhose unter dem Kostüm an und meine Arme hingen raus. Das war superkalt, hat aber total Spaß gemacht. Mehr oder weniger bin ich also in den Beruf reingerutscht. Es hat sich aber herausgestellt, dass ich relativ gut darin bin. 

Und wie fühlst du dich, wenn du dann plötzlich zum Beispiel eine Sportikone bist?

Ich lebe wirklich diese Figur. Ich verhalte mich komplett so, wie ich denke, wie sich die Figur gerade geben würde. Wäre ich Balu der Bär, wäre ich eben etwas chilliger drauf. Wenn ich aber ein Sportmaskottchen bin, muss ich energetischer sein. Ich fühle dann immer so einen Schub: Ich muss jetzt genau das tun, was die Figur tun würde. Das will ich dann auch versuchen und erreichen.

Tom Scheffler erweckt Pido den Pinguin regelmäßig zum Leben.

Tom Scheffler erweckt Pido den Pinguin regelmäßig zum Leben (Foto: Hanna Heine).

Kann jeder Maskottchen werden?

Ich sage mal so: Ins Maskottchenkostüm reinschlüpfen und ein bisschen rumlaufen kann jeder. Ob es dann gut wird oder gut aussieht, ist etwas anderes. Das Erste ist die Größe: Wenn man zu groß ist, gucken unten die Beine raus. Wenn man zu klein ist, hat das Maskottchen keine Füße. Außerdem läuft es viel besser, wenn man Spaß an der Sache hat. Ich habe auf manchen Events auch schon Maskottchen gesehen, die sehr lustlos gewirkt haben. Es gibt aber auch welche, die im Kostüm total aufblühen, so wie es mir passiert ist. Ich habe an manchen Tagen echt übertrieben (lacht), zum Beispiel auf einem Kindersportfest bei 30° Grad mit vier Auftritten. In meinen Fall waren es Fußballteams, die wollten, dass Pido der Pinguin, das Maskottchen der DEW21, mit ihnen dabt (Anm. d. Red.: Tanzstil). Das habe ich vorher noch nie gemacht, aber dann habe ich eben in diesem Pinguinkostüm einen Dab Dance hingelegt und die Kinder sind total ausgerastet. Es kommt aber auch immer darauf an, wie lange man es unter dem Kostüm aushält. Manche können nur 20-Minuten-Auftritte machen, ich habe schon 50 Minuten geschafft.

Maskottchen sein ist also ein bisschen mehr als rumstehen und winken?

Für mich auf jeden Fall. Aber ich trage die Kostüme ja nicht alleine. Ab und zu wird Pido auch von anderen gespielt. Manchmal ist er dann vielleicht eher ruhig, umarmt die Kinder und winkt ein bisschen, und manchmal steckt jemand wie ich im Kostüm, der total abgeht. 
Ich war als Pido zum Beispiel im Sommer bei 35° Grad bei einem Citylauf in Herdecke. Dort gibt es neben dem großen Lauf auch einen Bambini-Lauf für die Kinder bis sechs Jahre. Die Strecke ist 200 Meter lang und die Kinder brauchen dafür ungefähr 30 Sekunden. Das ist also ein sehr kurzer Abschnitt. Das Ding war aber, dass die Strecke über Kopfsteinpflaster und leicht bergauf ging und ich schon vorher im Kostüm unterwegs war. Ich bin dann als Pido diese Strecke gelaufen und habe dafür wirklich eine viertel Stunde gebraucht. Ich kam einfach nicht voran, diese Watschelschuhe sind immer hängen geblieben. Aber den Leuten hat es gefallen.

Ist es dir total egal, was die Leute von dir denken, wenn du im Kostüm steckst?

Ja, total. Ich sage mir immer, mich erkennt ja sowieso keiner. Es weiß niemand, dass ich in dem Kostüm stecke. Ich mache mich im Pidokostüm manchmal wirklich zum Affen. Ich wackel mit dem Hintern oder tanze verrückt herum. Wenn ich ein Besucher auf so einer Veranstaltung wäre und den Typen sehen würde, der das macht, würde ich den komplett auslachen. Aber im Kostüm ist mir das wirklich egal. Da kann ich machen, was ich möchte. 

 

Und wie arbeitet es sich in so einem Kostüm?

Pido in Aktion (Foto: Lisa Maruhn / LCM)

Pido in Aktion im Kulturdepot (Foto: Lisa Maruhn / LCM).

Es ist extrem heiß (lacht). Wenn du in so einem Kostüm wie dem von Pido steckst, läuft dir der Schweiß nach ein paar Minuten über das Gesicht. Vor allem im Sommer, wenn ich mich viel bewege, ist es anstrengend. Ganz oben am Kopf ist zwar ein kleiner Ventilator, aber der ist ein Witz – der bringt wirklich gar nichts. Dazu kommt, dass das Kostüm ziemlich schwer ist und das Gewicht fast komplett auf den Schulterriemen liegt. Außerdem sieht man nicht besonders viel. Beim Pido ist im Schnabel ein kleiner Schlitz, durch den ich gucken kann. Aber der Schnabel ist nach unten gerichtet. Ich sehe also von allen Leuten immer nur die Füße. Aber wenn man sich damit abfindet, dass man schwitzt und es anstrengend werden kann, ist der Job nicht zu toppen. 

Was war denn das Kurioseste, dass dir als Maskottchen passiert ist?

(Überlegt ein bisschen) Oh ja, da gibt es etwas. Ich war im Sommer auf einem Jugendfußballturnier als Pido. Beim Finale sollte ich während der Eröffnungszeremonie aufs Spielfeld. Ich bin also mit den Mannschaften in die Feldmitte gelaufen. Dort haben wir zusammen das Champions-League-Lied gehört. Danach sollte das Spiel losgehen und ich schnell runter vom Feld. Das Problem ist, in diesem Pinguinkostüm kann ich nur extrem kleine Schritte machen. Es hat dann drei Minuten gedauert, bis ich wieder am Spielfeldrand war. Die ganzen Zuschauer, und das war schon ein kleines Stadion, haben mir zugeguckt und gewartet, bis ich es endlich mal vom Feld geschafft hatte. 

Kommen wir kurz zum Geschäftlichen: Wie viel verdient man denn als Maskottchen?

(Lacht) So genau kann ich das nicht sagen, das ist ganz unterschiedlich je nach Einsatz. Ist es etwa ein Sportfest bei 35° Grad oder eine Veranstaltung, bei der ich als Maskottchen nicht so oft auftreten muss. Der Stundenlohn ist auf jeden Fall angemessen. Und ich versuche im Monat schon auf meine 450 Euro zu kommen.

Möchtest du in den nächsten Jahren auch noch als Maskottchen arbeiten?

Neben dem Studium ist das der perfekte Job. Ich kann arbeiten, wie und wann ich will. Wenn ich zum Beispiel in der Klausurenphase stecke, melde ich mich einfach für keinen Job. Wenn ich Semesterferien habe, mache ich vielleicht mehr Auftritte. Bis zum Ende des Studiums möchte ich das auf jeden Fall noch weitermachen. 

 

Beitragsbild: Lisa Marohn / LCM

 

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