Sag mal, Prof: Was macht Menschen kreativ ?

Dr. Tobias Haertel vom Zentrum für Hochschulbildung der TU Dortmund zur Frage: "Was macht Menschen kreativ?" Foto: Christiane Reinert

Ist kreativ: Dr. Tobias Haertel vom Zentrum für Hochschulbildung der TU Dortmund.                    Foto: Christiane Reinert

Ob in Projektarbeiten oder bei der Bewerbung: Ständig sollen wir kreativ sein. Kann man das lernen? Dr. Tobias Haertel vom Zentrum für Hochschulbildung an der TU Dortmund verrät, ob und wie sich Kreativität trainieren lässt.

Denn genau das versucht Haertel in Seminaren Studenten und Lehrenden beizubringen. Dabei stellt sich zunächst die Frage, was Kreativität überhaupt ist – und die ist Haertel zufolge gar nicht so leicht zu beantworten: „Es gibt viele Definitionen, die alle richtig sind, die sich aber teilweise auch widersprechen.“

Im Uni-Kontext hat er zusammen mit seinem Forschungsteam sechs Facetten von Kreativität ausgemacht. Demnach werden Studenten vor allem dann als kreativ wahrgenommen, wenn sie reflektierend denken, wenn sie eigenverantwortlich lernen, begeistert sind, etwas kreieren, vielperspektivisch denken und wenn sie etwas „Originelles“ tun.

Kreativität hilft den Studenten

Der Experte meint: Kreativität helfe in der Uni weiter, vor allem aber fördere sie die Persönlichkeitsentwicklung. „Für mich bedeutet Kreativität eben, ein Stück aus den gängigen Denkmustern rauszugehen und von Außen auf das zu gucken, was um mich herum passiert.“ Und das könne jeder zu einem gewissen Grad lernen.

Haertel beschreibt es so: Die originellen Ideen, die wir oft gern hätten, werden gar nicht von uns selbst generiert, sondern schweben im Raum – wir können sie nur empfangen. „Alles, was man dann tun kann, ist, die Empfangsleistung zu stärken, also die eigenen Antennen irgendwie stärker machen.“

Übungen befreien aus „normalem“ Denkmuster

An diesem Ansatz setzen auch die Übungstechniken an, die Haertel in seinen Seminaren anwendet. Eine davon ist ein Gedankenspiel, bei dem Fragen erörtert werden, die eigentlich absurd klingen: „Was würde dafür sprechen, dass alle Autos gelb sind?“ oder „Was wäre, wenn Studenten für die Anwesenheit in der Uni bezahlt würden?“ Das fördere das Denken abseits der gängigen Normen, sagt Haertel.

Manchmal helfe es auch, für ein Problem oder eine Fragestellung mehr als nur zwei oder drei Lösungen zu suchen. Der Sozialwissenschaftler fordert seine Studenten meist dazu auf, bis zu 50 Ideen aufzuschreiben. Habe man sich einmal aus den üblichen Denkmustern befreit, sei das problemlos möglich.

Reisen in neue Kulturen machen kreativ

Auch Auslandsaufenthalte könnten die Kreativität fördern. Denn wer sich in einer anderen Kultur bewege, müsse sich in unbekannten Normengerüsten zurechtfinden und Probleme aus neuen Perspektiven betrachten, sagt Haertel. Vor allem aber brauche es Mut, denn „die kreative Idee ist etwas Neues und im Prinzip immer eine Herausforderung für das Bestehende. Und dann begeben Sie sich automatisch in das Feld der Unsicherheit. Sie wissen nicht: Wie kommt das an?“

Aber auch den Mut, eine außergewöhnliche Idee zuzulassen, könne man lernen. Haertel empfiehlt, einfach mal etwas Ungewöhnliches zu tun: barfuß U-Bahn fahren, im Schlafanzug einkaufen oder auch nur einen Fremden grüßen – je nachdem, womit man sich normalerweise schwertut. Wer sich einmal überwunden habe, traue sich langfristig auch mehr zu. Und wer Mut zeige, sei auch eher in der Lage kreativ zu denken.

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