Vorlesung im Kinosaal

Kinosaal

Ein richtiges „Hörsaalgefühl“ kommt in den Vorführsälen des größten Multiplex Kinos „Cinemaxx“ in Essen nicht auf. Das Licht ist gemütlich gedimmt, der Lautstärkepegel extrem niedrig, da die Wände gut isoliert sind. Man könnte sich eigentlich schön in den roten Sessel fallen lassen und einen Film genießen – würde da nicht auf einmal der altbekannte Professor vor der Leinwand stehen und anfangen zu dozieren.

Sechs Säle mit insgesamt 2250 Plätzen hat die Uni Duisburg-Essen (UDE) für Ihre Lehramtsstudenten gemietet. Die Kapazitäten reichen sonst für den großen Studentenandrang nicht aus. Zudem wurde das Lehramtsstudium der UDE reformiert: Die Studenten sollen möglichst überschneidungsfrei studieren können. Erst wenn das neue Hörsaalzentrum mit rund 1200 Sitzen in etwa zwei Jahren fertiggestellt ist, hat die Uni wieder genügend eigene Platzangebote. Es ist auch nicht das erste Mal, dass die Uni Essen auf Räume des „Cinemaxx“ zurückgreift. „Schon in den 90er Jahren fanden Vorlesungen in den Kinosälen statt. Damals wurde das Audimax fertiggestellt“, sagt die Pressesprecherin der UDE, Beate Kostka. Die Studenten sind mit den Vorlesungen im Kinosaal größtenteils zufrieden. Lisa Bohnen (21) studiert Religion und Physik auf Lehramt. Sie findet die Veranstaltungen sehr viel gemütlicher als im Hörsaal, was aber natürlich auch schnell ermüdend wirken kann. „Eigentlich bekommt jeder einen Platz, das ist sonst im Hörsaal nicht immer möglich“, sagt Lisa. Nicht ganz so optimal sei es, dass man keinen Tisch zum Schreiben habe. Mit der richtigen Unterlage klappt es aber auch so.

Vorlesung

So eine Vorlesung im Kino hat schon einige Vorteile. Vor allem bequemeres Sitzen und Beinfreiheit. Lisa Bohnen (links) und Lisa Hauhoff fühlen sich auf jeden Fall wohl. Fotos: Janna Cornelißen

Wenn der Professor aus dem Bild springt

Die Grundlagenveranstaltungen, die auch die höchste Zahl an Zuhörern haben, werden teilweise zeitgleich in mehreren Kinosälen übertragen. „Man sieht dann auf der Leinwand die Folien und den Professor, der Ton ist auch absolut gut“, meint die Religions- und Sportstudentin Lisa Hauhoff (23). „Das ist manchmal lustig, wenn der Dozent dann plötzlich aus dem Bild läuft. Ob man im Raum sitzt, wo der Professor live ist oder im Kinosaal nebenan, spielt keine Rolle. Es passen alle genauso auf.“ Popcorn und Nachos werden morgens natürlich noch nicht verkauft. Dafür können die Studenten im Ersten Obergeschoss in der eingerichteten „Cinemaxx-Mensa“ Kaffee und Brötchen kaufen. Die Preise sind dem kleinen Geldbeutel der Studenten angepasst und absolut moderat. Die Vorlesungen im Kino werden von acht bis 16 Uhr angeboten. Wenn ab 14 Uhr die Filmvorstellungen anfangen, kann es schon mal sein, dass nebenan im Saal „Lauras Stern und die Traummonster“ läuft.

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