„Muss den Menschen erst erklären, was Krebs ist“

Tabea Namibia Hund

Tabea studiert Soziale Arbeit an der FH in Münster. Für ihr Studium macht sie ein fünfmonatiges Praktikum in Namibia. Dort hat sie auf der Onkologie-Station im Krankenhaus gearbeitet, Waisenkindern Hausaufgaben-Nachhilfe gegeben und ehemaligen Prostituierten geholfen.

„Ich habe heftige Erfahrungen gemacht, vor allem im Krankenhaus. Mein Arbeitsplatz, das Zentrale Krankenhaus, ist das größte in Namibia. Die meiste Zeit verbringe ich in der Onkologie und der Psychiatrie. Viele Menschen, vor allem die, die auf dem Land wohnen, wissen überhaupt nicht, was Krebs ist. In Beratungsgesprächen erkläre ich den Menschen, was Krebs ist, wie die Behandlungsmethoden aussehen oder was eine Chemotherapie ist.

Nach der Diagnose Krebs ein halbes Jahr gewartet

Einmal ist eine Mutter mit ihrem dreizehnjährigen Sohn hier gewesen. Die Familie kam aus dem Norden, wohnte dort auf dem Land. Ihr Hausarzt hatte sie in die Hauptstadt Windhoek geschickt, weil er dem Jungen nicht helfen konnte. Das war allerdings schon über ein halbes Jahr her. Bei der Untersuchung im Krankenhaus hat sich dann herausgestellt, dass der Krebs bereits in Lunge und Leber gestreut hat. Kurze Zeit später ist der Junge gestorben.

Tabea Namibia QuadIn ihrer Freizeit ist Tabea unter anderem auf einem Quad durch die Dünen von Swakopmund getourt.

In ihrer Freizeit reist Tabea so viel sie kann – zum Beispiel nach Swakopmund, um dort durch die Dünen Quad zu fahren.

Natürlich kann keiner sagen, ob er überlebt hätte, wenn die Mutter sofort zum Arzt gegangen wäre. Sicher ist aber, dass er bessere Chancen gehabt hätte. Die Mutter wusste nicht, dass Krebs streuen oder tödlich sein kann. Wenn so etwas passiert, merke ich einfach, wie wichtig Bildung ist und wie gut wir es in Deutschland in dieser Beziehung haben.

Hilfe für ehemalige Prostituierte

Nachmittags betreue ich Kinder im Waisenhaus und helfe ihnen bei den Hausaufgaben. Die Kinder freuen sich und machen gerne mit. Ganz im Gegensatz zu den ehemaligen Prostituierten, mit denen ich ab und zu arbeite. Viele von den Frauen reagieren gereizt oder ignorieren mich, wenn ich ihnen etwas erkläre. Wir zeigen den Frauen zum Beispiel, wie man Kondome benutzt oder erklären ihnen, dass HIV auch über die Muttermilch übertragen wird. Einige von den HIV-Infizierten Frauen stillen ihre Kinder während des Gesprächs einfach weiter.

HIV in Namibia
Rund 250.000 Menschen in Namibia leben mit einer HIV-Infektion. Mit 13,4 Prozent ist die Anzahl der HIV-Neuinfektionen in Namibia eine der höchsten Weltweit. Je nach Region liegt die Infektionsrate bei 36 Prozent. Übertragen wird HIV vor allem beim Sex, in der Schwangerschaft oder bei der Geburt.

Mein Fazit bisher? Ich nehme viele Erfahrungen mit. Positiv in Erinnerung bleibt mir auf jeden Fall die Natur. Namibia ist atemberaubend, das Land ist im Süden ganz anders als im Norden. Alle leben hier in einem bunten Durcheinander – in Deutschland sind die Menschen eher distanziert. Trotzdem bin ich froh, in Deutschland zu leben. Unser Gesundheitssystem oder die soziale Sicherheit, das weiß ich jetzt richtig zu schätzen.“

Was Teresa, Isabella und Keno für Erfahrungen gemacht haben, erfährst du hier:

Teresa Namibia

Teresa Nehm, 25, studiert               Hörfunk in             Leipzig

 

Isabella Namibia

Isabella Heck, 22, studiert Bauingenieurwesen in Berlin

 

Keno Burmester, 27, studiert Politik in Hannover

Keno Burmester, 27, studiert Politik in Hannover            Foto: privat

 

Fotos: Inga Wonnemann

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