Ein Stück Heimat im Gepäck

 

 

Karte: Piktochart

Fünf Stunden mit dem Zug oder eine Reise um die halbe Welt: Oft verlassen junge Leute ihre Heimat, um zu studieren. Wozu greifen sie, wenn sie so richtig Heimweh haben? Vier Studierende der TU Dortmund erzählen.

 

Sima Niroomand (23) studiert Process System Engineering. Sie kommt aus dem Iran und ist mit 16 Jahren allein nach Indien gezogen.

„Safran ist eines der wichtigsten Gewürze im Iran. Es ist sehr teuer, weil es sehr kompliziert ist, das Gewürz aus der Blüte einer Art der Krokus-Pflanze zu gewinnen. Der Iran exportiert viel davon in andere Länder. Man benutzt Safran beispielsweise, wenn man die Farbe von Reis ändern will oder ihm mehr Geschmack geben will. Dann rührt man Safran mit heißem Wasser an und verteilt ihn über den Reis. Mit ihm kann man auch Eiscreme herstellen und es gibt Safran-Kandiszucker für Tee. Dieses Gewürz weckt Wehmut in jedem Iraner, der außerhalb seines Heimatlandes lebt. Ich habe ein bisschen aus dem Iran mitgebracht und nutze es manchmal, um mich hier wie zuhause zu fühlen.

Ich habe den Iran mit 16 Jahren verlassen. Dann habe ich mich dazu entschieden, in ein anderes Land zu gehen, um mich ein wenig herauszufordern: Allein leben, studieren, ein unabhängiges Leben führen. Ich bin nach Indien gezogen und habe dort sieben Jahre lang gelebt und studiert. Jetzt möchte ich hier in Deutschland Erfahrungen in meinem Studiengebiet sammeln. Es mein Traum, irgendwann zurück in den Iran zu gehen und dort etwas für mein Land zu tun. Denn meine Heimat ist und bleibt der Iran – das Land zu dem ich gehöre.“


 

Yue Wang (24) studiert Bauprozessmanagement und Immobilienwirtschaft. Sie kommt aus Xi’an in China und war seit zwei Jahren nicht mehr dort.

„Diesen Reiskocher habe ich in meinem Heimatland gekauft, bevor ich nach Deutschland geflogen bin. Er hat 200 Yuan gekostet, das sind ungefähr 30 Euro. Reiskocher kann man zwar auch in Deutschland kaufen, aber die Geräte hier haben nicht so viele Funktionen; man kann nur Reis damit kochen. Mit meinem Modell kann ich zum Beispiel auch Porridge machen: Der Brei besteht aus Reis, Bohnen und Wasser. Ich kann den Reis im Kocher auch warm halten. Oder die Zeit einstellen: Wenn ich aus der Uni zurückkomme, ist der Reis schon fertig. Mit meinem Reiskocher koche ich nur für eine Person, höchstens für zwei. In großen Geräten kann man sogar ganze Gerichte kochen. Fisch zum Beispiel schmeckt daraus sehr lecker.

 Hier in Deutschland ist es ruhiger, die Landschaft ist schöner und es gibt eine bessere Infrastruktur als in meiner Heimat. Der größte Unterschied ist das Essen. Ich vermisse das Essen aus China sehr. Mit den anderen Leuten aus meiner Heimat, die ebenfalls an der TU studieren, koche ich sehr gerne. Oder wir gehen zusammen essen. Natürlich in einem chinesischen Restaurant – einige in Dortmund und den umliegenden Städten bieten echte traditionelle Küche an.“


 

Felipe Leite (27) studiert Process System Engineering. Er kommt aus Brasilien und hat in seiner Jugend lange Zeit in der Schweiz gelebt.

„Ich habe meine Sporttasche mitgebracht. Auf ihr steht: „Engenharia“, was Ingenieurwesen bedeutet, und „Unicamp“, die Abkürzung für meine Universität in Brasilien, die State University of Campinas. Das Maskottchen der Ingenieure ist der Bär, deshalb ist auch eine Tatze auf meiner Sporttasche abgebildet. Ich bin in Brasilien geboren und habe dort fünf Jahre lang studiert. An der Uni habe ich viele gute Freunde gefunden, die wie eine Ersatzfamilie für mich waren. Ein Gegenstand von der Uni in Brasilien – das macht mich glücklich. In Brasilien war ich allerdings nicht so oft beim Hochschulsport. Wenn man dort in einem Team ist, zum Beispiel beim Fußball, dann muss man auch bei den Wettbewerben mitmachen. Im Bundesstaat São Paulo gibt es vier große staatliche Universitäten, die drei- bis viermal im Jahr eine Meisterschaft veranstalten. Und das gefällt mir nicht so wirklich. Einmal pro Woche habe ich mich nach den Vorlesungen mit Freunden und Leuten aus meiner WG getroffen und wir haben zusammen Fußball gespielt – einfach nur so zum Spaß.

 

Wegen des Jobs meines Vaters habe ich als Kind und Jugendlicher für insgesamt fast sieben Jahre in Basel gelebt. Mein Vater arbeitet dort auch heute noch in einer agrochemischen Firma. Beide Länder, Brasilien und die Schweiz, sind für mich Heimat. Ich wollte immer zurück nach Europa. Brasilien ist für mich momentan nicht sehr attraktiv. Die wirtschaftliche Situation ist nicht gut und in der Politik gibt es eine Menge Korruption. Aber natürlich leben in Brasilien immer noch Freunde und der Rest meiner Familie.“

 


 

Imke Prill (19) studiert Rehabilitationspädagogik. Sie kommt aus Karlsruhe und findet, dass ein Kuscheltier auf das Bett gehört.

„Zwei gute Freundinnen haben mir zum 18. Geburtstag einen kleinen Kuschel-Olaf geschenkt – den Schneemann aus dem Film „Die Eiskönigin“. Ich komme aus der Nähe von Karlsruhe. Und wenn mir die beiden fehlen oder ich meine Eltern vermisse, dann muss Olaf herhalten. Eine der Freundinnen wohnte direkt neben der Schule. In der Oberstufe haben wir sämtliche Freistunden bei ihr verbracht. Das war ein zweites Zuhause für mich. Montags hatten wir immer die dritte und vierte Stunde frei. Wir haben bei ihr gefrühstückt und einen Disneyfilm geschaut. Zum 18. Geburtstag haben mir die beiden dann Disneyfilme geschenkt – und diesen Olaf dazu.“

 

 

 

Fotos: Salome Berblinger