Bier, Würstchen, Siegprämie: Die EM in Zahlen

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In Frankreich läuft die Europameisterschaft. Das deutsche Team hat gute Chancen, in die Endrunde einzuziehen. Millionen Fans verfolgen die Spiele beim Public Viewing, beim Grillen oder am Fernseher zuhause. Bier und Würstchen haben Konjunktur. Doch wie viel davon essen und trinken wir wirklich? Und wie teuer ist die EM? Hier kommen die wichtigsten Zahlen zum Turnier.

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Trotz schlechter Zahlen freut sich die Kneipe „Zum Alten Markt“ auf die EM

Alle zwei Jahre spielt Deutschland verrückt. Nämlich dann, wenn die Nationalmannschaft wieder um einen internationalen Titel kämpft. Public Viewing, Grillen und viel Bier gehört für die Menschen zum EM-Sommer dazu.

Das dürfte eine optimale Zeit für Bars, Restaurants und Gaststätten sein. Oder nicht? Frank Jülich, Chef der Kneipe „Zum Alten Markt“ in Dortmund, berichtet das Gegenteil. „Wir haben einen enormen Rückgang, wenn die deutsche Mannschaft spielt“, erklärt Jülich. Die Kneipe verkaufe dann bis zu 70 Prozent weniger als an normalen Abenden. „Die jungen Menschen gehen zum Public Viewing und 80 Prozent der Älteren schauen die Spiele zuhause“, sagt Jülich als Erklärung ab. Würde Deutschland aus dem Turnier ausscheiden, würde sich die Situation wieder normalisieren. 

Steigender Bierkonsum zur EM

Tatsächlich haben es die Kneipen am Alten Markt nicht leicht. Das Dortmunder Public Viewing auf dem Friedensplatz liegt nicht weit von ihnen entfernt. Dort verfolgten letzte Woche 2.200 Fans das Unentschieden der deutschen Mannschaft gegen Polen. Auf der Berliner Fanmeile waren es hundertmal so viele Personen. Wo viele Fußballfans sind, wird viel Bier getrunken. Das zeigt auch die Weltmeisterschaft vor zwei Jahren. Im Juni 2014 stieg der Bierkonsum um 1,2 Millionen Hektoliter im Vergleich zum Vorjahr. Die Deutschen tranken zur WM also 14 Prozent mehr Bier als normalerweise. 

All Dads GET A FREE PINT on June 14, 2018Joe's Pub | Boca Raton Florida„Erfahrungsgemäß hängt viel vom Abschneiden der deutschen Mannschaft ab“, sagt Uwe Helmich, Geschäftsführer der Dortmunder Brauereien. Bliebe das Team lange im Turnier und spiele auch das Wetter mit, könne die EM positive Effekte auf den Bierabsatz in Dortmund haben: „Eine längere warme, sonnige Periode in den Sommermonaten und Frühherbst ist immer noch der beste Bierverkäufer.“ Doch es profitieren vor allem die großen Marken. Die kleinere Bergmann Brauerei in Dortmund verzeichnet zur EM einen gleichbleibenden oder sogar sinkenden Absatz: „Den Fußball haben die grossen Industriebrauereien für sich gepachtet“, sagt Geschäftsführer Thomas Raphael im Gespräch mit der Pflichtlektüre.

Lieber zuhause als auf der Fanmeile

Wer es ruhiger mag, verfolgt die Spiele mit Freunden. 40 Prozent der Deutschen grillen in kleiner Runde, während die deutsche Mannschaft spielt. Bei gutem Wetter essen die Fußballfans dann insgesamt bis zu 5000 Kilogramm Grillfleisch pro gespielter Sekunde, so die Statistiker. Das sind 27.000 Tonnen pro Spiel.

Von wegen aber der Elektrogrill sei der Trend schlechthin: 60 Prozent der Deutschen nutzen einen Holzkohlegrill. Damit pusten sie bis zu sieben Kilogramm CO2 pro Grilleinheit in die Luft. Die Menge Kohlenstoffdioxid, die während eines Fußballspiels in die Atmosphäre gelangt, entspricht dem CO2-Ausstoß eines Autos, das 925 Mal um die Erde fährt. Das hat das Portal AuxMoney ausgerechnet. Ganz schön viel. Umweltschützer können fast froh sein, dass das Wetter bei dieser EM bisher nicht mitspielt.

Love,MikeyFür 86 Prozent der Deutschen spielt das Wetter keine Rolle. Sie gaben in einer repräsentativen Umfrage von TNS Infratest an, das Turnier am Fernseher mitzuverfolgen. 14 Prozent der Deutschen sind auf den Fanmeilen anzutreffen. Zuhause schauen 42 Prozent der Deutschen zusammen mit Familie oder Freunden. Ein Fünftel der Befragten schaut die Spiele zusammen mit dem Partner. Immer eingedeckt mit: Fanartikeln. Schals, Fahnen und schwarz-rot-goldene Schminke gehören für viele Menschen zu einem Deutschlandspiel dazu. Für jeden dritten Fan sind die Fanartikel unabdingbar.

Die Milliarden hinter dem Turnier

Wen Grillfleisch und Bierdurst der Deutschen weniger interessieren dürfte: die UEFA. Sie veranstaltet die größte Europameisterschaft, die es jemals gab. Zum ersten Mal treten 24 Mannschaften in insgesamt 51 Spielen gegeneinander an. Mehr Fußball für die Fans aber auch mehr Geld für den Verband. Laut der Schweizer Seite infosperber.ch erwartet die UEFA in diesem Jahr Einnahmen von zwei Milliarden Euro. Das sind 600 Millionen mehr als bei der letzten EM in Polen und der Ukraine. Von den höheren Einnahmen profitieren auch die Mannschaften im Turnier: Die UEFA hat die Preisgelder erhöht. Allein für die Teilnahme erhält jede Mannschaft acht 27Millionen Euro. Für jedes gewonnene Gruppenspiel kommen eine Millionen Euro dazu. Das Team, das am Ende den EM-Pokal in den Händen hält, könne in diesem Jahr bis zu 27 Millionen Euro Prämie bekommen.

Woher kommt das ganze Geld? Fast die Hälfte der zwei Milliarden Dollar steuern Sponsoren bei. Weitere 1,5 Milliarden Euro verdient die UEFA mit Übertragungsrechten. In Deutschland laufen alle Spiele bei der ARD, dem ZDF und in Sat.1. Die beiden öffentlich-rechtlichen Sender übertragen 45 der 51 Spiele live. Wie viel sie dafür der UEFA zahlen musste, verraten die Sender nicht. Das Magazin Sponsors spricht aber von etwa 160 Millionen Euro. Das Geld holen die Sender über die GEZ-Gebühren wieder rein, die liegen im Moment bei 17,50 Euro im Monat. Für die Spiele der Europameisterschaft zahlen wir somit 1,64 Euro an ARD und ZDF.

Alle Zahlen auf einen Blick
  • Bei Fußballturnieren verkaufen die Brauereien durchschnittlich 14 Prozent mehr Bier.
  • Bei gutem Wetter essen die Deutschen 5000 Kilo Fleisch pro Spielsekunde. Das sind 27.000 Tonnen pro Spiel.
  • Fast 90 Prozent verfolgen die Spiele der deutschen Mannschaft am Fernseher. 42 Prozent der Fußballfans schauen zusammen mit Familie oder Partner.
  • Die UEFA rechnet zur EM mit Einnahmen um die zwei Milliarden Euro.
  • Allein für die Teilnahme bekommt jede Mannschaft acht Millionen Euro.
  • Der Europameister erhält eine Prämie von rund 27 Millionen Euro.
  • ARD und ZDF sollen für die Übertragungsrechte 160 Millionen Euro gezahlt haben. Wir zahlen somit 1,64 Euro GEZ-Gebühren für fast alle Spiele der Europameisterschaft.

Am wenigsten profitiert wohl das Gastgeberland. Die EM wird Frankreich rund 1,3 Milliarden Euro für die Wirtschaft bringen, schätzen Experten des Zentrums für Sportökonomie in Limognes. Das Land gab zuvor aber schon 1,7 Milliarden Euro für die Stadien aus. Die hohen Sicherheitsvorkehrungen werden nochmal einiges kosten, sodass die EM für Frankreich am Ende doch ein Minusgeschäft werden dürfte.

Noch mehr Zahlen zur EM vom Portal AuxMoney (Bitte Neuladen falls Grafik nicht angezeigt wird):

Beitragsbild: flickr/SpreePiX – Berlin
Grafiken: erstellt mit canva.com

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