Offen für Misserfolge

Wenn man viele, zum Teil schrille Projekte anpackt, besteht immer das Risiko, dass die Leute es nicht annehmen. Reinhard Wiesemann, der unter anderem das Unperfekthaus (UpH) in Essen  ins Leben gerufen hat, geniert sich nicht über seine Tops und Flops offen zu sprechen.

Reinhard Wiesemann

Reinhard Wiesemann setzt seine Ideen tatkräftig um. Im Mittelpunkt: Die Vernetzung von Menschen. Foto: Privat

Nach vielen Jahren verschiedenster Projekte zieht Wiesemann nun Bilanz: Welche Projekte verliefen erfolgreich und welche floppten auf ganzer Linie.
„Bis jetzt habe ich durch diesen offenen Umgang, eigentlich nur positives Feedback bekommen“, so Wiesemann. Er zog diese Bilanz nicht nur im stillen Kämmerlein, sondern tat es ganz öffentlich. Der Unternehmer kann auf viele Jahre des Erfolgs und Misserfolgs zurückblicken. Ein Projekt, das wohl unter jungen Leuten bekannteste, ist das Essener Unperfekthaus in der Innenstadt. „Nach einigen Startschwierigkeiten läuft es mittlerweile super“, so der Unternehmer. Man müsse manchmal eben auch Durchhaltevermögen beweisen und den Gästen immer wieder Neues anbieten.

Feldversuch Projektvielfalt

Projekte innerhalb des UpH, die auf jeden Fall  gut angenommen wurden, sind  Projekte wie  „Firmen ins UpH holen“,  „öffentliche  Gitarren“ und „Gruppen sichtbar machen“.  Allesamt Ideen, welche die  unterschiedlichsten Menschen zusammenbringen und  zur Kontaktaufnahme animieren sollen. Verschlossenheit ist im UpH jedenfalls fehlbesetzt.
Die „Angezogen-Sauna“  sei laut Wiesemann gefloppt. „Die Idee dahinter war, dass wenn man schon Krank ist, mit Klamotten in die Sauna geht und so ein lokales Fieber auslöst, welches dann die Immunabwehr stärkt“, erklärt Reinhard Wiesemann. Dazu wurde auch in Zusammenarbeit mit der Berliner Charite´ eine Studie durchgeführt, die diese These aber nicht beweisen konnte.

Die Off-Messe: Ein Flop

Ein Projekt, das Wiesemann sehr am Herzen lag und auch nicht von Erflog gekrönt war: die „Off-Messe“. Der Unternehmer war der Meinung, dass es eine gelungene Kooperation wäre, wenn parallel zu Messeveranstaltungen ein thematisches Rahmenprogramm in der Stadt läuft. „In Leipzig auf der Buchmesse läuft dann alles in der Stadt unter diesem Motto.  Hier könnte man beispielsweise Philharmonie und Messe Essen kombinieren“, sagt Wiesemann. Wo es der Messe –Essen zurzeit so schlecht geht, wäre gerade dieses Projekt eine sinnvolle Ergänzung gewesen.

Angezogen-Sauna

Die Angezogen-Sauna kommt bei den Gästen von UpH nicht gut an - ein klarer Flop. Foto: UpH

Jung und Alt zusammenbringen

Ein ganz neues Projekt ist das „ GenerationenKult-Haus“ in Essen. Ein 2600 Quadratmeter großes Haus bietet jede Menge Platz für Ideen und Teamwork. Hier sollen Alt und Jung zusammenwohnen und sich gegenseitig unterstützen. „Die älteren Leute haben alles erreicht, die Jungen stehen noch in den Startlöchern, eine gute Ergänzung“, meint Reinhard Wiesemann. Voraussichtlich ab dem 1.07.2011 soll das Generationenhaus fertiggestellt sein. Wie dieses Großprojekt ausgeht, steht noch in den Sternen. Bis jetzt sei die Nachfrage groß so Wiesemann. Insgesamt 275 Leute hätten schon Interesse gezeigt.

Erfolgsrezept: „Breit aufstellen“

Atelier

Auf vielen Etagen des UpH können sich Künstler kostenlos kreativ versuchen. Foto: UpH

Insgesamt blickt der Essener Unternehmer auf eine gute Zeit zurück. Es gab Erfolge und Misserfolge, die ihn aber nicht aus der Bahn geworfen haben. „ Man muss sich so positionieren, dass man viel experimentieren kann und Misserfolge nicht so schlimm sind“, erklärt er. Wie genau er das schafft, bleibt wohl sein Unternehmergeheimnis…

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