Duell am Donnerstag – Heiraten: Ja oder nein?

„Bis dass der Tod uns scheidet“ – für manche ein echter Horrorsatz. Fans der wilden Ehe halten nichts vom Heiraten. Doch ist die Hochzeit nicht ein schöner, romantischer Brauch? Kathrin Wesolowski und Felicitas Fehrer sind sich uneinig.

Eine romantische Tradition mit vielen Vorteilen,

findet Felicitas Fehrer.

Hochzeit, Häuschen, Kinder kriegen: Diese Wunschvorstellung mag spießig klingen, doch insgeheim trägt sie jeder in sich. Schließlich liegt es in der Natur des Menschen, früher oder später sesshaft werden zu wollen.

Das muss nicht zwingend heißen, dass man zum Spießer wird, also gemeinsam mit dem Ehepartner in ein Reihenhaus zieht, einen Baum im Garten pflanzt und nie wieder eine Diskothek von innen sieht.
Vielmehr bedeutet es, endlich zur Ruhe zu kommen, sich für eine bestimmte Person zu entscheiden, mit der man den Rest seines Lebens verbringen möchte.

Partnerschaft und Ehe sind nicht das Gleiche

Von Heiratsmuffeln hört man ständig: „Um gemeinsam glücklich zu sein, brauche ich keine Bescheinigung.“ Das mag stimmen – aber ist nicht die Hochzeit noch ein weiterer Schritt? Die Ehe ist ein endgültiges Bekenntnis zu diesem einen Menschen. In einer Partnerschaft ist das Ende offen.

Das Gefühl, zusammenzugehören und das der ganzen Welt zeigen zu wollen, hat für mich etwas sehr Romantisches. Man stellt jedem den bisherigen Partner als „mein Mann“ vor. Und wenn es einmal kriseln sollte, können sich beide an den Moment zurückerinnern, als sie gemeinsam vor dem Altar standen und einander versprochen haben, für immer zusammenzuhalten.

Einmal Prinzessin sein

Und welche Frau träumt nicht davon, einmal in ihrem Leben ein unverschämt schönes Brautkleid zu tragen, der Star des Abends zu sein und sich dann auch noch an einem gigantischen Buffet den Bauch vollzuschlagen? Der Hochzeitstag ist etwas ganz Besonderes. Er steht symbolisch für eine der wichtigsten Entscheidungen im Leben und dürfte so ziemlich jede Frau zur glücklichsten der Welt machen. Oder habt ihr jemals eine unglückliche Braut gesehen, mal abgesehen von amerikanischen Komödien?

Abgesehen von der Romantik bietet eine Heirat zudem auch praktische Vorteile. Eheleute müssen weniger Steuern zahlen, zumindest, wenn die Einkünfte beider Partner unterschiedlich hoch sind. Auch beim Thema Miete haben Verheiratete Vorteile: Wenn ein Mieter seinen Ehepartner bei sich einziehen lassen möchte, muss er den Vermieter nicht um Erlaubnis bitten – anders als bei unverheirateten Paaren.

Wo bleibt die Beständigkeit in einer so sprunghaften Welt wie der heutigen, in der alles vergänglich erscheint und viele ihre Partner wechseln wie Ebbe und Flut? Traut euch – ihr werdet es nicht bereuen.

 

Heiraten? Komplett überflüssig und teuer, 

findet Kathrin Wesolowski.

Weißes Hochzeitskleid, riesiger Brillant am Ringfinger und Flitterwochen auf Hawaii – so stellt sich fast jedes kleine Mädchen seine Hochzeit vor. Inklusive perfektem, gut aussehenden und gut verdienendem Ehemann, versteht sich.

Doch die Realität sieht oft anders aus: Der Mann lümmelt mit dickem Bierbauch auf der Couch, Beine auf dem Tisch. Seine Frau bekommt höchstens an Valentinstag einen Gutenachtkuss, ausnahmsweise. Die steht trotzdem Tag für Tag im Schmuddelpullover (ohne BH drunter) in der Küche, macht ihrem werten Ehemann widerwillig das Abendessen und denkt sich: „Bis dass der Tod uns scheidet … toll“.

In Abhängigkeit begeben

Wenn wir erst einmal verheiratet sind, ist es schwierig, da wieder rauszukommen. Wir haben uns doch geschworen, für immer zusammenzubleiben. Außerdem bedeutet eine Trennung nicht nur einen menschlichen, sondern häufig auch einen finanziellen Verlust. Und was werden die Nachbarn nur sagen?

Meiner Meinung nach wird Heiraten vollkommen überbewertet. Als ob wir mit unserem Partner glücklicher sind, nur weil wir „auf dem Papier verheiratet“ sind. Jede zweite Ehe wird geschieden. Warum also heiraten und Hunderte oder sogar Tausende Euros für eine teure Hochzeit ausgeben, nur um im verflixten siebten Jahr erneut Unmengen von Geld in einen Scheidungsanwalt zu investieren?

Liebe existiert nicht auf dem Papier

„Ja, aber die wahre Liebe …“, sagen jetzt die Romantiker. Aber die wahre Liebe braucht doch keinen Wisch vom Standesbeamten, der dich nach deinen Gefühlen fragt und es ohnehin nicht so meint. Ich kann doch auch ohne eine Heirat für den Rest meines Lebens mit meinem Mann zusammen sein, Kinder bekommen und gemeinsam wohnen. Nur weil meine Eltern geheiratet haben und Freunde es von mir erwarten, muss ich es doch nicht tun. Das Konzept Hochzeit ist veraltet.

„Für immer und ewig“ gibt es auch ohne Formular. Und wenn es doch nicht klappen sollte mit der Beziehung, dann haben wir einen Vorteil: Keine Scheidungskosten. Die kann ich dann stattdessen in einen schönen Singleurlaub investieren.

 

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Foto: stockxchng/bizior, S. Hofschlaeger/pixelio.de, Montage: Brinkmann/Schweigmann 
Teaserfoto: Mel bei Flickr. Lizensiert nach Creative Commons 2.0 Generic

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