Dänische „Dumle“ im deutschen Klassenzimmer

Erdkundeunterricht mal anders: Sine Thomsen  hat den Schülern Kronen-Münzen mitgebracht. „Da sind ja Löcher drin“, sagt ein Schüler der Klasse 7b der Bochumer Gemeinschaftsschule Mitte verwundert. Er sieht sich die silberne Münze genau an und entdeckt auch ein paar Herzchen auf dem dänischen Geld. Für das Projekt „Europa macht Schule“ ist die Dänin Sine für einen Tag an der Bochumer Schule.

Sine Thomsen studiert in Dänemark Journalistik. Dieses Semester studiert sie allerdings in Dortmund, denn sie nimmt am europäischen Erasmus-Programm teil. Obwohl Sine nicht Lehrerin, sondern Journalistin werden will, engagiert sie sich bei dem Projekt „Europa macht Schule“. Das ist ein internationales Kooperationsprogramm zwischen Schulen und Hochschulen, bei dem Studenten aus ganz Europa mit deutschen Schulen zusammenarbeiten. Das Programm soll eine Brücke schlagen zwischen Studenten aus dem Ausland und deutschen Schülern. Finanzielle gefördert wird das Projekt vom Deutschen Akademischen Auslandsdienst.

Den Schülern der Klasse 7b hat Sine am Montag ihre Heimat Dänemark vorgestellt, ein Nachbarland Deutschlands, über das die Schüler bisher nur wenig wussten. Mit viel Neugier haben die gut 20 Kinder Sine zugehört, wie sie vom dänischen Königshaus und vom bekannten dänischen Dichter Hans-Christian Andersen erzählt. Und davon, dass es in Dänemark mehr als 30 Millionen Schweine, aber nur 5,4 Millionen Einwohner gibt.

Sieben Kronen sind ein Euro

Sine Thomsen zeigt eines der Plakate, das sie mit den Schülern gebastelt hat. Foto: Bettina Ansorge

Sine Thomsen zeigt eines der Plakate, das sie mit den Schülern gebastelt hat. Foto: Bettina Ansorge

Zusammen mit Sine Thomsen haben die Schüler Plakate gebastelt, auf denen Sie Dänemark kurz vorstellen: mit einem Nationensteckbrief, der dänischen Flagge, einem Foto der Königsfamilie, einem typisch dänischen Gericht und vielem mehr. Was viele Kinder vorher auch nicht wussten war, dass es in Dänemark nicht den Euro, sondern Dänische Kronen als Währung gibt. Kronen in Euro umzurechnen, ersetzte dann sogar den Matheunterricht. „Sieben Kronen sind etwa ein Euro“, erklärt Sine – kein einfacher Wechselkurs für die Siebtklässler.

Deswegen sind die Schüler überrascht von den Preisen in den Prospekten, die Sine ihnen aus Dänemark mitgebracht hat. Vier Muffins kosten demnach zehn Kronen. „In Dänemark ist alles teurer, denn 7 Kronen sind 1 Euro“, schrieb eine Gruppe auf ihr Plakat. 

Für die Schüler der Klasse 7b der Gemeinschaftsschule Mitte ist der Besuch von Sine der Auftakt in eine internationale Projektwoche. Klassenlehrer Sebastian Schmetzke unterrichtet selbst Erdkunde und weiß: „Es ist ganz was Anderes für die Kinder, wenn Sine aus ihrer Heimat erzählt, als wenn ich etwas über Dänemark erzähle.“

„Tak“ heißt „danke“

Vor allem die dänische Sprache kann Sine den Schülern natürlich viel besser beibringen. Für die wichtigsten Vokabeln haben die Schüler mit Sine zusammen ein kleines dänisch-deutsches Wörterbuch angelegt. „Godmorgen“ heißt „guten Morgen“, „Tak“ heißt „danke“. Und: „Jeg elsker dig“, das heißt „Ich liebe dich“ auf Dänisch. 

Die Dänemark-Armbänder der Kinder. Foto: Bettina Ansorge

Die Dänemark-Armbänder der Kinder. Foto: Bettina Ansorge

Am Ende des fünfstündigen Besuchs hat Sine den Kindern noch etwas zum Basteln mitgebracht. Aus roten und weißen Wollfäden sollen sie Armbänder, Ketten oder Schlüsselanhänger flechten. „Und eine Ein-Kronen-Münze könnt ihr noch als Anhänger daran binden“, sagt Sine und gibt jeden Kind eine kleine silberne Münze. Die Dänen sind stolz auf ihre Kronen, die sich, weil sie ja ein Loch in der Mitte haben, hervorragend zum Basteln eignen. „Schade, dass ich dafür nur 14 Cent kriege“, sagt ein Junge. Zuerst hatte er überlegt, die Krone in Euro umzutauschen, beschließt dann aber doch, lieber ein Armband zu basteln.

Lutscher aus Schweden

Zum Abschluss hat Sine allen Schülern noch ihre Lieblings-Lutscher aus Dänemark mitgebracht: Dumle. Sie sind aus Schokolade, die in Dänemark viel teurer ist als in Deutschland. „Das sind die Süßigkeiten, die ich immer in der Schule verschenkt habe, wenn ich Geburtstag hatte. Das macht man so in Dänemark“, sagt Sine Thomsen. „Auf der Verpackung steht aber ‚made in Sweden‘ „, sagt ein Junge, der sich den Lutscher ganz genau angesehen hat. 

Das wusste selbst Sine nicht, sie dachte immer die Lollies kämen aus Finnland. Eine typisch dänische Süßigkeit seien sie trotzdem, sagt sie. Genau diese Kleinigkeiten sind es, die die Schüler bei Erdkundelehrer Sebastian Schmetzke wohl nicht gelernt hätten.

"Dumle", der dänische Lutscher aus Schweden. Foto: Bettina Ansorge

„Dumle“, der dänische Lutscher aus Schweden. Foto: Bettina Ansorge

Auch an Berufsschulen

Dieser besondere Austausch zwischen den Studenten und den Schülern ist der Sinn beim Projekt „Europa macht Schule“. Die Studenten lernen den deutschen Schulalltag kennen, die Schüler erfahren viele spannende Dinge über die Heimatländer der ausländischen Studenten. Und das ist nicht nur für die Sekundarstufe Eins interessant. Auch an Berufsschulen gibt es das Projekt. Lara Enste, Studentin an der TU Dortmund, betreut dieses Projekt als Ehrenamtliche mit. Europäische Studenten, die mit „Europa macht Schule“ an Berufsschulen gehen,  stellen dann vor allem Besonderheiten des jeweiligen Wirtschaftssystems vor.

An der Universität Duisburg Essen ist die Teilnahme am Projekt „Europa macht Schule“ Teil eines längeren Seminars, für das die Studenten dann auch Credit-Punkte bekommen. „Deshalb nehmen in Essen mehr Studenten an dem Projekt teil als in Bochum oder Dortmund“, sagt Lara Enste. Doch auch wenn Sine Thomsen an der TU Dortmund keine Credits für ihren Besuch an der Bochumer Schule bekommt, so hat sie doch viel mitgenommen. „Es hat viel Spaß gemacht“, sagt sie. „Und auch ich habe noch etwas über meine Heimat Dänemark gelernt, was ich vorher noch nicht wusste. Zum Beispiel, dass die typisch dänischen Lollies aus Schweden kommen.“