Veganer vs. Fleischliebhaber

Vegan oder nicht vegan? Was besser schmeckt, bleibt wohl Geschmackssache... (Fotos und Teaserbild: Larissa Pluschke)

Vegan oder nicht vegan? Was besser schmeckt, bleibt wohl Geschmackssache. (Fotos und Teaserbild: Larissa Pluschke)

Unter den Studenten gibt es die verschiedensten Typen. Alle tummeln sich auf einem Campus, laufen täglich aneinander vorbei. Wir haben zwei Jungs getroffen, die unterschiedlicher kaum sein könnten: Sascha lebt seit einem Jahr vegan und hat sich davor schon zwei Jahre lang vegetarisch ernährt. Michèl dagegen hält es ohne sein morgendliches Schinkenbrötchen  keinen Tag aus und auch Schnitzel steht regelmäßig auf seinem Speiseplan. Was hier einfach nach einem Esskultur-Clash klingt, betrifft aber auch andere Lebensbereiche: das Vegansein bringt viele Veränderungen mit sich…

Sascha studiert Informatik und lebt seit über einem Jahr vegan.

Sascha studiert Informatik und lebt seit über einem Jahr vegan.

Michèl studiert Maschinenbau. In seinem Freundeskreis befinden sich keine Veganer.

Michèl studiert Maschinenbau. In seinem Freundeskreis befinden sich keine Veganer.


Saschas Argumente für das Vegansein:

„Bei mir sind es besonders ethische Gründe, die meine Überzeugung ausmachen. Ich finde es wichtig, dass ich mit meinem Verhalten möglichst niemanden schädige – egal, ob Tier oder Mensch.“ So kam Informatik-Student Sascha von seinem ursprünglichen Vegetarismus zum Veganismus.

Saschas typischer Einkaufszettel:

Saschas Einkaufsliste ist oft sehr lang. Er kauft viele verschiedene Produkte ein, damit es nicht zu einer Mangelernährung kommt. Etwa 30 bis 60 Gramm Nüsse pro Tag sind zum Beispiel wichtig, damit der Körper an essentielle Fettsäuren sowie an Eiweiß und Mineralstoffe kommt. „Ein Drittel meiner Ernährung besteht aus Obst und Gemüse, da suche ich mir dann nach Lust und Laune aus, was ich so einkaufe“, erklärt Sascha. Hülsenfrüchte, wie verschiedene Linsen und Bohnen, stehen auch regelmäßig auf der Speisekarte. Sie liefern Sascha viele Ballaststoffe und B-Vitamine. „Neben diesen eher bekannten Lebensmitteln kaufe ich aber auch Sachen wie Quinoa oder Amaranth ein, das kennen die meisten eher nicht so“, sagt Sascha. Hinter diesen exotischen Begriffen verstecken sich Nahrungsmittel, die früher schon von den Inkas und Azteken gegessen wurden. Botanisch gesehen zählen die Nahrungsmittel zwar zu den Fuchsschwanzgewächsen, sie ähneln in ihrem Nährwert und ihrer Verwendung aber eher Reis oder Hirse. Seine Einkäufe erledigt Sascha meist im veganen Supermarkt in Dortmund.

Saschas typische Shoppingtouren:

Beim Klamottenkauf eines Veganers sind Leder, Pelze und Wolle tabu. „Finde ich jetzt aber nicht so problematisch, ich hatte eh nie wirklich Pelz- oder Ledersachen“, erzählt Sascha. Stattdessen trage er hauptsächlich Sachen aus Baumwolle und Synthetik. Allerdings geht es vielen Veganern bei der Kleidungsauswahl noch um etwas anderes: „Fair Trade“, erklärt Sascha, „da versuche ich auf jeden Fall drauf zu achten. Ich will mit meinem Konsumverhalten ja auch möglichst wenig Menschen schädigen.“ Deshalb kauft Sascha häufig in Online-Shops. Internetseiten wie „fairstyled.de“ und „avocadostore.de“ bieten eine ziemlich große Vielfalt an Kleidung und Accessoires – alles Fair Trade, alles nachhaltig und alles vegan produziert. „Was viele zum Beispiel nicht wissen ist, dass bei der Aufdruckprozedur und bei Silberfarbe auf T-Shirts häufig auch Gelatine verwendet wird.“ Schildchen wie „Made in Taiwan“ sind für gewöhnlich nicht unbedingt ein Beweis für eine faire Bezahlung der Arbeiter. Das sind weitere Dinge, die Sascha bei einen Online-Einkäufen einfach umgehen kann.

Wie Sascha renoviert:

Als Sascha in seine erste eigene Bude einzog, war ihm gar nicht klar, worauf er vielleicht hätte achten müssen, um alles „ethisch korrekt“ zu gestalten. „Da war ich einfach noch nicht gut genug informiert. Beim Veganismus gibt es wirklich viele Kleinigkeiten, die man erst nach und nach entdeckt“, gibt er zu. Beim Renovieren ist es zum Beispiel sinnvoll zu wissen, dass in manchen Farben Quark, und damit ein Tierprodukt, untergemischt ist. Die typischen Borstenpinsel enthalten zudem Tierhaare und sind für renovierende Veganer daher auch ungeeignet. Für Farben und Pinsel gibt es online aber Ersatzprodukte – kreative Kunst und notwendige Malerarbeiten sind also nicht unmöglich.

Michéls Argumente für den Fleischkonsum

„Das Fleisch schmeckt einfach zu gut“, findet Michèl. Den Genuss aufgeben, wolle er nicht. „Das Essen muss doch Spaß machen, da will ich nicht bei jedem Bissen nachdenken, ob das quasi erlaubt ist.“ Außerdem, so sagt er, sei das ja keine ausgewogene Ernährung, so ganz ohne tierische Produkte.

Michèls typischer Einkaufszettel:

„Naja, auf meinem Einkaufszettel stehen halt Sachen, die man normalerweise so isst: Käse, gekochter Schinken, Eier, Brötchen, das, was ich halt so zum Frühstück esse“, sagt Michèl. Zum Frühstück trinke er gern Milch, sonst meistens Wasser. „Obst und Gemüse kaufe ich zwar auch häufig, so für zwischendurch, aber mittags oder abends muss schon was Richtiges auf den Tisch“, findet Michèl. Was „Richtiges“ sind für ihn häufig Schnitzel, Omelette, Sandwichtoast oder „irgendwas in die Richtung“. Eine Ernährungstabelle hat Michèl noch nie angesehen, um zu checken, ob er ausreichend Ballaststoffe und Eiweiß zu sich nimmt. Über die Frage wo er einkauft, muss er sich im Gegensatz zu Sascha auch keine Gedanken machen: „Irgendein Laden ist ja immer in der Nähe und da finde ich auch alles, was ich brauche.“ Fair Trade-Produkte fände er zwar auch sinnvoll, teilweise schmecke die Schokolade aber nicht so gut wie die Kinderriegel, die er sonst gern nascht.

Michèls typische Shoppingtouren:

Michèl achtet nicht auf spezielle Bestandteile seiner Klamotten, er kauft ein, was ihm spontan in die Tüte kommt. „Das sind dann meistens Jeans, Hemden, T-Shirts, Sneakers – was ich gerade so brauche. Hauptsache die Sachen sind schön und bequem“, sagt er. Auf besondere Marken oder spezielle Geschäfte legt er dabei keinen Wert. „Ich sehe da nicht so einen großen Unterschied, ob ich jetzt bei H&M oder C&A einkaufe.“ Lederjacken trage er allerdings auch nicht: „Das sieht doch auch gar nicht schön aus!“

Wie Michèl renoviert:

„Es gibt da sogar Unterschiede beim Renovieren?“ Das kann Michèl sich nicht vorstellen. In seinem näheren Freundeskreis gebe es keine Menschen, die vegan leben, daher habe er auch noch nie von solchen Einzelheiten gehört. „Ich wäre nie darauf gekommen, dass man als Veganer sogar bei Farben aufpassen muss“, sagt er. Kleinigkeiten, wie Pinsel ohne Tierborsten, extra im Online-Shop zu kaufen, mache das Ganze ja doch relativ stressig. „Und teurer sind die Spezialprodukte wahrscheinlich auch, ist ja gerade für Studenten echt unpraktisch.“ Die Prozedur beim Streichen verhält sich seiner Meinung nach insgesamt ganz simpel: „Pinsel in den Farbeimer tunken, abtropfen lassen und – zack – an die Wand!“

Fazit:

Was für viele ganz alltäglich ist, wie das Einkaufen beim Discounter um die Ecke, sorgt bei Sascha für nachdenken. Er analysiert jeden Bestandteil seiner Einkäufe, alles für den guten Zweck und ein reines Gewissen. Michèl hingegen kann nicht besonders viel mit „ethisch korrekten“ Einkäufen anfangen. Ihm fehlt die Motivation das Vegansein auszuprobieren, denn ein Leben ohne Fleisch würde ihn nicht erfüllen. Gelernt hat er aber trotzdem: Michèl war vorher nämlich nicht bewusst, wie stark der Veganismus auch andere Lebensbereiche neben der Ernährung beeinflusst. Saschas und Michéls Lebensweisen unterscheiden sich stark voneinander, aber das ist auch okay so. „Jeder muss für sich entscheiden, wie er lebt. Jemandem etwas aufzuzwingen bringt doch nichts“, findet Sascha. Denn am Ende – da sind sich beide einig – muss jeder mit sich und seinem Lebensstil zufrieden sein.

2 Comments

  • Gut, dass man die Wahl hat, sich für ein Verhalten und eine Art der Ernährung zu entscheiden! Ein Veganer ist zwar etwas eingeschränkt in seiner Lebensweise, dafür muss ich als Fleischesser zugeben, dass ein schlechtes Gewissen auch eine Belastung ist. Zumindest sollte jedem klar sein, was er mit seinem Konsum den Tieren antut, anstatt das Thema einfach zu verdrängen.

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