Eine kleine Geschichte des Geldes

In unserem Alter hat man es noch live miterlebt: Als 2001 der Euro kam, hieß es „adé D-Mark“ und damit Bahn frei für eine neue Währung. Geld verändert sich. Das hat es immer getan, und wahrscheinlich wird auch der Euro nicht ewig das Zahlungsmittel in unseren Taschen sein. Womit der weltweite Handel letztendlich angefangen hat, liegt von unseren heutigen Traditionen gar nicht so weit entfernt.

„Meine Tomate gegen Dein Brot?“ – „Nein, mein Brot ist mehr wert, sagen wir fünf Tomaten gegen mein Brot.“ Na wenn sich da mal nicht der Tomatenbesitzer ärgert. Der sogenannte Naturaltausch, also Gegenstand gegen Gegenstand, war nervenaufreibend. Nie konnte man sich einigen, denn das eigene Tauschmittel war natürlich immer irgendwie wertvoller. Nur mit einem Zwischentauschmittel gibt es einen festgelegten Wert, man kann vergleichen: die Lösung aller Probleme und der Startschuss zur Entwicklung von Münzgeld. Damit gehören Dialoge wie der oben genannte der Vergangenheit an. Muscheln, Salz, Felle – beim Naturalgeld eignet sich alles zum geschickten Handeln, was leicht zu transportieren, teilbar und sehr lange haltbar ist.

Litauen  und Westrußland, 13. Jh. bis Mitte 15. Jh.

Silberbarren aus Litauen, 13. bis Mitte 15. Jh. Foto: geldgeschichte.de

Metall als beständiges und wertiges Zahlungsmittel

Vor allem die Cauri-Muschel war ein weit verbreitetes Tauschmittel, bevor es Metall zum Bezahlen gab: „Man geht davon aus, dass es zwischen 2000 und 3000 vor Christi Geburt schon in China eingesetzt wurde“, sagt Jürgen Stollmann vom Museum Schatzkammer Kemnade in Bochum. „Auch Salz war – nicht nur in Afrika, sondern auch bei uns – begehrt und beliebt, weil man es A leicht tragen, B längere Zeit aufbewahren und C zur Konservierung von Fleisch und Fisch gebrauchen konnte.“

Trotz dessen, dass es an Naturalgeld offenbar nicht mangelte, entwickelte sich das Bedürfnis nach etwas, an dem man einen bestimmten Wert tatsächlich in Zahlen ausdrücken konnte. Metall besitzt all diese Eigenschaften. Das wurde schon 650 v. Chr. in Kleinasien erkannt, König Krösus ( – bin ich Krösus? – ) ließ dort die ersten Münzen herstellen. Wie weit die Entwicklung der Münzen war, hing auch mit geographischen Gegebenheiten zusammen. Babylonier, Ägypter, Griechen und Römer bezahlten schon mit geprägtem Münzgeld, der Brandenburger gab sich noch 1000 Jahre danach mit ungeprägten Münzen zufrieden. Auch in der Slowakei oder Russland gab es noch im elften Jahrhundert nach Christus keine Münzen, nur in Form gegossenes Eisen.

Eine griechische Münze von 359-336 v. Chr.

Eine griechische Münze von 359-336 v. Chr Foto: geldgeschichte.de

Der Wert der Scheine ist ihre Allgemeingültigkeit

Egal ob geprägt oder nicht, Münzen sind schwer. Wenn man nur Metall im Geldbeutel hat, können einem Reichtümer zur Last werden, zumindest was das Gewicht angeht. Es ist jedenfalls viel angenehmer, einen 20-Euro-Schein als zehn zwei-Euro-Stücke im Portemonnaie zu haben. Doch das war nicht der einzige Grund für die Einführung von Geld in Scheinen: Edle Metalle waren irgendwann knapp. Papiere mit Wertangabe und Siegel des Staatsoberhaupts mussten von jedermann als Zahlungsmittel angenommen werden, um der Geldknappheit zu entgehen. Dass jeder die Scheine annimmt, war eine der Hauptvoraussetzungen für das abstrakte Konstrukt. Warum hat ein Stück Papier, das 81 Gramm wiegt und 133 x 72 Millimeter groß ist, einen Wert von 20 Euro? Am Material kann es ja schon mal nicht liegen. Der Trick ist die Allgemeingültigkeit. Früher war diese auch Vertrauen, am Anfang durch eine Deckung des Wertes in Gold.

Wenn das Geld als Zahlungsmittel wegfällt, fallen wir wieder zurück auf das, was sich bewährt hat, den Tauschhandel. Nach dem zweiten Weltkrieg war zum Beispiel die Zigarette Hauptzahlungsmittel. Und mal ehrlich, irgendwie ergibt es ja auch Sinn. Oder wer hat nicht schon mal die Flasche Cola gegen das Brötchen vom Kommilitonen getauscht?