DVD-Rezension: David wants to fly

In seiner Dokumentation „David wants to fly“ erzählt David Sieveking von seiner eigenen Suche nach Inspiration und Kreativität. Dabei reist er rund um die Welt und dringt tief in die Hierarchien einer dubiosen Religionsgemeinschaft vor.

Seine Reise führt den jungen Filmemacher rund um die Welt. Copyright: Neue Visionen

Seine Reise führt den jungen Filmemacher rund um die Welt. Copyright: Neue Visionen

Der junge Filmemacher David Sieveking hat eine Krise: Seine Eltern bezahlen noch immer seine Miete, und während seine Freundin Marie bereits ihren zweiten Roman schreibt, hat David eine Blockade. Fasziniert von den Werken seines großen Vorbilds David Lynch beginnt David Sieveking seine Suche nach dem Ursprung des Erfolgs. Dabei scheint die Antwort schnell gefunden zu sein: Sein Idol meditiert seit Jahrzehnten – und das will David Sieveking nun auch. Er möchte das yogische Fliegen erlernen.

Sieveking reist nach Amerika, um sein Idol David Lynch zu sehen. Dieser spricht dort zum ersten Mal offen über seine Begeisterung für transzendentale Meditation (TM). Seit über 30 Jahren meditiert David Lynch und auch die Beatles waren Sympathisanten dieser Meditationsart. Dass so erfolgreiche Menschen große Anhänger von TM sind, überzeugt David Sieveking: Er möchte den gleichen Weg zum Erfolg nehmen und den Zustand der transzendentalen Meditation erfahren. Schnell wird David klar, dass die Faszination um TM vor allem eine Faszination um die Person des Gründers Maharishi ist: Als Oberhaupt der TM-Organisation hat der Maharishi nicht nur Macht über Menschen, sondern auch über sehr viel Geld, wie David bei seiner Reise erfahren wird.

Das Geschäftsmodell TM

15,99 Euro, ab sofort erhältlich. Copyright: Neue Visionen

David Sieveking sucht nach dem Ursprung des Erfolgs. Copyright: Neue Visionen

Von pseudo-wissenschaftlichen Untersuchungen einer amerikanischen TM-Universität beflügelt, beschließt David, in Deutschland eine Meditations-Ausbildung zu beginnen. Über 2.300 Euro zahlt der Filmemacher, der notorisch pleite ist, an die Ausbildungsstätte in Hannover. Dafür bekommt er sein eigenes Mantra: Ein Wort aus dem Sanskrit, das es beim Meditieren zu wiederholen gilt. David beginnt immer mehr, sich auf TM einzulassen. Durch Meditation legt er seine Ängste ab und wird ruhiger.

Für seinen Film trifft Sieveking immer wieder sein Idol David Lynch, er reist nach Indien, in die Schweiz und nach Holland zur Weltzentrale von TM. Nach und nach lernt David Sieveking die Hierarchie rund um den Maharishi kennen: Er merkt, dass Geld eine besondere Rolle spielt. Sieveking meditiert zwar weiterhin, bekommt aber erste Zweifel an dem Geschäftsmodell von TM. Diese Zweifel bewegen ihn dazu, die Anhänger aber auch Aussteiger von TM, näher zu begleiten.

Fokus liegt auf Sieveking statt auf TM

„David wants to fly“ ist stark auf die Person David Sievekings fokussiert und darin liegt der Wehmutstropfen: Die Auseinandersetzung mit TM und der Frage, ob es sich dabei um eine Sekte handelt, kann nicht objektiv stattfinden. David Sievekings Motivation liegt in erster Linie in seiner Bewunderung für die Person David Lynch. Er ist lange der Überzeugung, dass David Lynch all seine Fragen beantworten kann. Tiefgründig wird die Dokumentation erst als Lynch dem jungen Filmemacher zu verstehen gibt, dass er ihn nicht mehr treffen möchte und dass er seine Arbeit nicht unterstützt. Erst ab diesem Punkt beginnt Sieveking, andere Wege zu gehen und systematisch kritische Stimmen zu suchen.

David möchte ein yogischer Flieger werden. Copyright: Neue Visionen

David möchte ein yogischer Flieger werden. Copyright: Neue Visionen

Obwohl Sievekings Freundin im Film keine wichtige Rolle spielen müsste, thematisiert er sie immer wieder. Die Vermischung der Auseinandersetzung mit der transzendentalen Meditation und der gescheiterten Beziehung zu seiner Freundin wirkt störend und macht die Subjektivität des Films deutlich. Zudem scheint es wie ein krampfhafter Versuch Sievekings, sein inneres Ungleichgewicht in Bildern umzusetzen.

Umfangreiches Bonusmaterial

Ein großes Plus von „David wants to fly“ sind die Extras auf der DVD: Neben einem Making-Of und nicht benutzten Szenen findet sich hier vor allem ein hoher Informationswert – zahlreiche Interviews mit Sektenexperten oder Wissenschaftlern liefern Hintergrundinformationen.

David Lynch meditiert seit über 30 Jahren. Copyright: Neue Visionen

David Lynch meditiert seit über 30 Jahren. Copyright: Neue Visionen

Wer bei „David wants to fly“ einen unterhaltsamen Film erwartet, wird enttäuscht. Auch wenn der Trailer zur DVD viel Humor verspricht, ist der Film eher eine ernste Auseinandersetzung Sievekings mit seiner eigenen Suche nach Kreativität.

Fans von David Lynch sollten sich diesen Film ansehen, genau wie alle, die kritisch gegenüber dubiosen Glaubensgemeinschaften stehen. Wer eine generelle Abneigung gegen Dokumentationen hat, sollte das Geld lieber in etwas anderes investieren.