„Wir haben das Geld zum Fenster rausgeworfen“

Es sollte eine der größten Mensa-Partys werden, die der Bochumer Campus je erlebt hatte. Zum Line-Up gehörten 2Raumwohnung, Culcha Candela, Joy Denalane und Juli. Doch was als historisches Mega-Event geplant war, endete in einer mittelgroßen Dorfparty und einem finanziellen Desaster. 230.000 Euro kostete die Party (siehe Infobox).

Knapp zwei Jahre später holen den Bochumer Jura-Studenten die schwarzen Stunden aus dem Dezember 2007 wieder ein. Im September dieses Jahres verurteilte das Bochumer Amtsgericht den 23-Jährigen wegen Untreue zu einem Strafbefehl (wir berichteten). „Bei dem Vorwurf der Untreue handelt es sich um Zahlungsverpflichtungen in beträchtlicher Höhe, die Herr Ferber eingegangen ist. Er hätte voraussehen müssen, dass das Risiko eines Misserfolgs der Party hoch ist“, erklärt Oberstaatsanwalt Gerrit Gabriel. Insgesamt 80 Sozialstunden muss Ferber nun ableisten. Tut er dies nicht, droht ihm eine Geldstrafe von 1800 Euro. Einen Eintrag ins polizeiliche Führungszeugnis, der ihn als vorbestraft gelten lassen würde, bekommt er nicht.

pflichtlektüre: Fandest du das Urteil gerechtfertigt?
Fabian Ferber: Nein. Im Strafrecht geht es immer um Vorsatz. Ich habe nicht vorsätzlich Schaden angerichtet. Viele Menschen denken bei Untreue „Da hat jemand Geld geklaut“. Das habe ich nicht. Mein Fehler war, dass ich zu früh Verträge mit den Bands unterzeichnet habe.

Interview-Foto Fabian Ferber

Fabian Ferber ist trotz Strafbefehl nicht vorbestraft. Foto: Florian Hückelheim

Warum hast du dich dann nicht dagegen gewehrt?
Dann wäre es zu einer Hauptverhandlung gekommen, vielleicht mit fünf oder sechs Prozesstagen. Das hätte für mich bedeutet, dass die Presse jeden Tag über mich berichtet und all das, was ich in den letzten zwei Jahren hier auf dem Campus erlebt habe, noch mal komprimierter stattgefunden hätte.

Wie war damals die Stimmung im Vorfeld der Party?
Wir haben gegen Ende der vorlesungsfreien Zeit mit dem Kartenvorverkauf begonnen. Prompt tauchte ein Flugblatt von Anhängern der Linken Liste auf. Es erinnerte die Studierenden daran, dass sie 28 Euro Eintritt zur Weihnachtszeit auch anders ausgegeben könnten. Zusätzlich stellte es infrage, ob die Party überhaupt stattfindet. Ab da war das Image der Party schon vorbelastet. Deshalb wirft man mir vor, die Realität ausgeblendet zu haben.

Mit weniger als 1.000 verkauften Karten waren die Aussichten für eine positive Bilanz alles andere als rosig. 28 Euro für eine Karte ist viel Geld, gerade für Studierende.
Das war von den zuständigen Planern schlichtweg zu hoch kalkuliert. Ich hätte das sehen müssen. Das war ein Fehler von mir. Durch diesen Eintrittspreis erhielt die Party nicht den Charakter eines Studierendenfestivals.

Wie muss man sich die Zusammenarbeit zwischen dir und dem restlichen Planungsteam denn vorstellen? Es ist ja nicht so, dass du mit den Planungen nichts zu tun gehabt hättest. Immerhin warst du doch als Vorsitzender des AStA derjenige, der alle Verträge mit den Bands unterzeichnet hat.

Das Ganze ist irgendwann ein Selbstläufer geworden. Durch Zufall habe ich sechs Wochen vor der Party erfahren, dass wir für die Mensa Miete bezahlen müssen. Die Planungsgruppe wollte davon nichts gewusst haben. Ein anderes Beispiel: Viele Referenten wollten Plakate aufhängen. Gemacht haben es nur wenige. Es ist damals ein riesiges Chaos entstanden. Das hätte ich unterbinden müssen. Ich war überfordert.

Heißt im Klartext: Du hättest in der Planungsphase mehr Autorität zeigen müssen?
Ich bin zwar ein Gegner von Gerhard Schröders „Basta!“,aber ich hätte mehr auf den Tisch hauen müssen.

Fortsetzung auf Seite 2