TU Dortmund-Vollversammlung: Studenten suchen Gehör

Mittwoch, 14 Uhr. Die Menschentraube, die sich vor HS 1 gebildet hat, würde sich jeder Dozent für seine Vorlesung wünschen: Über 1000 Leute wollen in den Hörsaal quetschen, um bei der Vollversammlung mitdiskutieren zu können.

„Wow, mit so vielen Leuten haben wir nicht gerechnet“, sagt Lars Koppers vom AStA. Mittlerweile staut es sich nicht nur in allen Zwischengängen des Hörsaals, auch ein großer Bereich des Podiums ist voller wartender Studenten. Es wird jetzt schon stickig und heiß, dabei hat die Versammlung noch nicht einmal begonnen.

Erwartungsvoll: Die Studenten in Dortmund

Erwartungsvoll: Die Studenten in Dortmund

Nachdem der AStA eingesehen hat, dass der Platz wohl nicht reicht, wandern alle Studenten weiter ins Audimax. Hier gibt Lars erstmal ein Statement zur Besetzung des Hörsaals im Gebäude an der Emil-Figge-Strasse ab: „Die Besetzung ist ein legitimes Mittel um Forderungen durchzusetzen. Der AStA befürwortet diese Aktion- er veranstaltet sie aber nicht. Der Impuls kam aus der Studentenschaft.“ Zwar unterstütze der AStA generell die Besetzung, aber: „Wir möchten als AStA nicht federführend beteiligt sein“, so Lars Koppers.

„Ihr habt doch nur Angst vor den Reichen!“

So viel zurückhaltende Objektivität wird allerdings durch die anwesenden Studenten nicht gerade mit Begeisterung aufgenommen. Auch die Begründung, dass der AStA schließlich alle Studierenden vertritt und nicht alle für die Besetzung sind, zündet nicht wirklich. „Wie sollen wir unsere Forderungen mit einem so harmoniebedürftigen AStA durchsetzen?“ fragt eine Studentin. Auch in den hinteren Reihen regt sich Unmut: „Mich stört es, dass der AStA sich nicht positioniert. Ihr seid doch ein politisches Gremium!“ ruft ein weiterer Student.

Um 15 Uhr erscheinen dann endlich die Hochschulrektorin Ursula Gather und Prorektor Walter Grünzweig. Die Professorin kann den Unmut der Studenten verstehen. „An der Umsetzung des Bologna-Prozesses müssen wir Kritik üben.“ Außerdem bedauere sie die Verschulung des Studiums. Man habe nicht mehr die Möglichkeit aus seinem Fachgebiet heraus über den Tellerrand zu gucken.

"Wir sind hier um zuzuhören", so Gather.

"Wir sind hier um zuzuhören", so Gather. Fotos: Julia Hortig

Gather: „Wir sind hier um zuzuhören“

Dann haben die Studenten die Möglichkeit ihre Fragen loszuwerden und Forderungen zu stellen. „Schaffen sie die Anwesenheitspflicht ab!“ wird hier von vielen Seiten verlangt. Außerdem äußert sich Prof. Grünzweig über die Probleme in der Lehrerausbildung. Hier sei die Situation besonders problematisch, weil ein Bachelor allein wenig bringen würde: „Wir haben versprochen, dass alle die den Bachelor studieren und in den Master wollen auch reinkommen“, so Grünzweig. In der jetzigen Situation ist das ein schwieriges Versprechen. Allerdings sieht er keinen Grund das Ba/Ma-System zurückzunehmen. „Wir sollten die neuen Impulse in eine Reform der Reformen einfließen lassen.“

Viele der genannten Punkte will Ursula Gather morgen mit NRW-Wissenschaftsminister Pinkwart besprechen. Dieser hat die Rektoren eingeladen um eventuelle Nachbesserungen zu besprechen. „Wir können heute keinen Maßnahmenkatalog beschließen aber schauen, wo unsere Meinungen sich überschneiden,“ so Gather. Inwiefern das dann geschehen wird, erfahrt ihr hier.

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