Rhein Ruhr Olympic City: Olympia 2032 in NRW?

Die neue NRW-Landesregierung bestehend aus CDU und FDP hat sich scheinbar schon ein Projekt ausgesucht, das ihre Regierungsperiode prägen soll. Ginge es nach Ministerpräsident Armin Laschet (CDU), fänden die Olympischen Sommerspiele 2032 in seinem Bundesland statt. Auch die Oberbürgermeister in Düsseldorf und zwölf weiteren Städten des Landes können sich mit der Idee anfreunden – aber wie sinnvoll wäre es, Nordrhein-Westfalen zur vorgeschlagenen „Rhein Ruhr Olympic City“ umzubauen?

Beschwingt betritt Ministerpräsident Laschet am Freitag, den 14. Juli, die NRW-Staatskanzlei in Düsseldorf. Bei ihm steht Sportmanager Michael Mronz, der vor allem für die Organisation der CHIO-Reitveranstaltung in Aachen bekannt ist. Die beiden möchten der Öffentlichkeit etwas präsentieren, das ihnen sehr am Herzen liegt: das neue Sportstättenkonzept zur Olympiabewerbung Nordrhein-Westfalens für das Jahr 2032.

Das von Mronz und der von ihm gegründeten Rhein Ruhr Olympic City-Initiative erarbeitete Papier sieht vor, die Olympischen und Paralympischen Sommerspiele städteübergreifend im ganzen Bundesland stattfinden zu lassen. Die verschiedenen Sportarten der Wettbewerbe sollen dabei auf aktuell 13 Städte im gesamten Rhein-Ruhr-Gebiet aufgeteilt werden. Somit würde sich keine einzelne Großstadt um die Zuweisung und die Austragung der Spiele bemühen, sondern gleich eine ganze Region – die Vision der „Rhein Ruhr Olympic City“ ist geboren.

Sportmanager Michael Mronz (l.) und Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) stellen das Sportstättenkonzept vor. Foto: © Land NRW / Ralph Sondermann

Ich war von der Idee sogleich Feuer und Flamme

                                                                                                  – Ministerpräsident Armin Laschet

Laschet und Mronz teilen sich den Platz am Podium. Der Sportmanager erzählt von den Ergebnissen des rein privatwirtschaftlich finanzierten Planungspapiers: Derzeit seien in der Region bereits 80 Prozent der benötigten Sportstätten und Veranstaltungsorte für die Durchführung Olympischer Spiele vorhanden. Für die Indoor-Sportarten stünden in den Messehallen der Region etwa 704.000 Quadratmeter zur Verfügung – das ist etwa die Fläche der Dortmunder Innenstadt innerhalb des Wallrings.

Zahlen und Fakten des Sportstättenkonzepts

Mronz steht etwas daneben, während der Ministerpräsident versucht, seine Überzeugung von der Großartigkeit der Spiele auf das Publikum zu übertragen. Von der Idee der Rhein Ruhr Olympic City-Initiative sei Laschet „sogleich Feuer und Flamme“ gewesen; „es wäre für unser Land ein riesen Schub“, begeistert er sich für die Idee der fünf Ringe in NRW. Der CDU-Mann ist überzeugt: „Durch ein von Beginn an transparentes Bewerbungsverfahren und eine frühzeitige Einbindung der Kommunen kann eine breite Akzeptanz der Bürgerinnen und Bürger erreicht werden.“

Das ist eine zuversichtliche Aussage, wenn man bedenkt, dass der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) zuletzt dreimal mit Bewerbungen für Olympia gescheitert ist. Für zwei davon, in München und in Hamburg, war gerade die mangelnde Akzeptanz der Bevölkerung ausschlaggebend. „Wir können uns eine vierte Niederlage in Folge nicht erlauben“, sagte Walter Schneeloch, Vizepräsident des DOSB, am Tag der Konzeptvorstellung.

Dennoch sind die Verantwortlichen der im Konzept enthaltenen Städte von der Idee angetan – der Dortmunder Oberbürgermeister Ullrich Sierau (SPD) feiert die Sportbegeisterung seiner Stadt und der Metropole Ruhr. Er ist sich sicher: Die Region hat eine „hervorragende Sportinfrastruktur und damit einen klaren Standortvorteil gegenüber anderen.“ Er stellt sich eine Frage: „Wenn nicht jetzt, wann dann?“

Die Antwort: Wenn nicht jetzt, dann später. Denn etwas Zeit bleibt dann doch noch: NRW müsste sich erst bis 2023 auf nationaler Ebene bewerben. Es stellt sich überhaupt die Frage, warum die Landesregierung bloß so darauf brennt, Olympia ins Land zu holen. Natürlich bietet ein solches Großprojekt Chancen und Möglichkeiten, die die Region nach vorne bringen können, wie es so schön heißt. Trotzdem darf man nicht vergessen, dass NRW jetzt schon mit Problemen kämpft, die die Planung und Durchführung eines solchen Riesenevents kaum erleichtern könnten. Das Bundesland hat derzeit laut dem Statistischen Bundesamt einen Schuldenstand von astronomischen 231 Milliarden Euro, womit NRW weit vor allen anderen Ländern liegt (und ja, NRW hat viele Einwohner, aber auch pro Kopf sieht der Schuldenberg nicht viel besser aus: mit über 13000 Euro liegt es dort auf Platz fünf).

Das Datenportal Statista stellt die Ergebnisse einer Studie der Universität Oxford dar, in denen die Kosten für Olympische Spiele im Laufe der Zeit ausgewertet wurden. Foto: Statista lizenziert nach CC

Milliardensummen, Korruption und fehlendes Vertrauen

Die Olympischen Sommerspiele 2016 in Rio de Janeiro waren trotz ihres kleineren Budgets eine Kostenfalle. Foto: flickr/Rodrigo Soldon 2 lizenziert nach CC

Ein heikler Punkt liegt bei Großveranstaltungen im Geld, denn das Problem ist oft, dass die veranschlagten Kosten für die Ausrichtung beispielsweise der Olympischen Spiele um ein Vielfaches überstiegen werden. Die vergangenen Sommerspiele in Rio de Janeiro kosteten mit etwa 4,6 Milliarden US-Dollar 51 Prozent mehr als veranschlagt, aber immer noch weniger als die Prestige-Spiele in Sotschi und London. Und auch wenn die günstigeren brasilianischen Spiele im Vergleich zu den Ausgaben von über 21 Milliarden (Sotschi) bzw. fast 15 Milliarden Dollar (London) viel ökonomischer waren, hatte der Bundesstaat Rio de Janeiro sieben Wochen vor Beginn der Spiele aufgrund der kritischen Budgetlage sogar den Notstand verhängt, um weitere Gelder für die Großveranstaltung freizusetzen.

So dramatisch muss es in NRW nicht enden, doch Geld übrig hat die Metropole Ruhr auch nicht. Bisher gibt es noch keine Informationen zu den voraussichtlichen Kosten und den Finanzierungsmöglichkeiten für die NRW-Spiele. Mit ihnen könne man erst in zwei bis drei Jahren rechnen. „Wir wollen erst mit Zahlen an die Öffentlichkeit gehen, wenn sie fundiert sind“, sagt Mronz.

Zu den immensen Kosten kommen allerdings auch Korruptionsfälle, die das Vertrauen der Bürger erschüttern – und gerade sie sind es, die diese Events durch öffentliche Mittel und damit aus Steuergeldern zahlen. Die Frage ist: Wollen die Bürger und Bürgerinnen des bevölkerungsreichsten Bundeslandes Deutschlands wirklich, dass die Olympischen Spiele mit ihrem Glanz und ihren Kosten zu ihnen kommen? Bis zum spätesten Bewerbungstermin 2023 ist es noch ein wenig hin – und wer dann die Landesregierung Nordrhein-Westfalens bildet, ist wieder eine andere Frage. Ihren Sitz wird sie dann zumindest noch nicht in der Rhein Ruhr Olympic City haben.

 

Teaserbild: flickr/The Department for Culture, Media and Sport lizenziert nach CC

Beitragsbild: flickr/Benjamin Beckmann lizenziert nach CC