Eine Woche ohne Plastik

Dienstag:

Der Tag beginnt schon wieder mit einem leeren Kühlschrank, der regelrecht nach einem Einkauf schreit.  Aber was kaufe ich normalerweise ein, das auch ohne Kunststoff auskommt? „So gut wie nichts“, sagt mir mein Bauch. Also… ab auf den Weg zum Supermarkt um die Ecke!

Ein plastikfreier Einkauf: Obst, Spaghetti, Knäckebrot und Eier sind mein neues Hauptnahrungsmittel.

Ein plastikfreier Einkauf: Obst, Spaghetti, Knäckebrot und Eier sind mein neues Hauptnahrungsmittel.

Im Supermarkt begrüßen mich Kisten gefüllt mit Obst und Gemüse. Ich beschließe, auf die Plastiktüten zu verzichten und beginne, mir mit Paprika, Gurke und Tomaten einen Salat zusammenzuwürfeln. Dabei vergesse ich jedoch eine Kleinigkeit: Für meinen Salat brauche ich erst einmal einen Salat! Egal welche Sorte – alles ist mit Plastik umwickelt. Gedanklich streiche ich also die gesunde Beilage von meinem Einkaufszettel und packe mir stattdessen umso mehr Obst ein. Ich schlendere weiter und stehe plötzlich vor einem Meer aus Plastik – dem Kühlregal. Ähnlich geht es weiter, nur wenige Lebensmittel bestehen den Plastiktest. Nach langem Suchen füllt sich mein Einkaufskorb langsam: Eier, Marmelade, Pesto, Knäckebrot und eine in Pappe verpackte Spaghetti-Packung dürfen sich zum Obst gesellen. Auch Wasserflaschen und Säfte landen in dem Korb, der unter dem Gewicht bald nachzugeben scheint. Wenn man immer Glas statt Plastik kauft, braucht man definitiv mehr Muskeln. An die mit Süßigkeiten gefüllten Regale muss ich keinen zweiten Blick verschwenden – Pappe scheint hier ein Fremdwort zu sein.

An der Kasse kaufe ich mir noch eine Stofftasche für den Rückweg, der mir Dank der Flaschen besonders beschwerlich vorkommt. Dennoch baut mich die reiche Ausbeute ein wenig auf – man kann also auch einkaufen gehen, ohne dabei mit Unmengen an Plastikmüll wiederzukommen. Wählerisch sollte man bei seiner Auswahl allerdings nicht sein. Am Abend mache ich mir meine Nudeln mit Pesto und setze mich gemütlich vor den Fernseher. Leicht verzögert fällt dann doch der Groschen: Ja, auch der Fernseher kommt nicht ohne Kunststoff aus. Das heißt wohl Unterhaltung nach mittelalterlicher Art: ein Buch lesen.

Mittwoch:

Ich habe verschlafen und verpasse den Bus zur Universität – wenigstens bleiben mir damit die neuesten Nachrichten aus der Schule erspart. Auf dem Weg zur U-Bahn durchquere ich direkt den Markt. Den Verpackungswettkampf scheint Plastik hier ausnahmsweise noch nicht gewonnen zu haben: Die Stände haben sowohl Plastik- als auch Papiertüten an der Decke hängen. Wer also etwas umweltbewusster einkaufen will, kann hier fündig werden. Selbst Fleisch wird hier noch im altbewährten Papier eingewickelt und beim Salat verzichten Händler sogar ganz auf die Verpackung. Ich kaufe mir noch eine Birne „to go“ und laufe Richtung U-Bahn, nur um sie wieder zu verpassen.

In der Universität angekommen, besorge ich mir zuerst eine Getränkedose – die Wasserflaschen sind einfach zu schwer, um sie mit sich herumzuschleppen. Mit leichter Verspätung komme ich zu meinem Seminar und versuche das frisch gekaufte Getränk unauffällig zu öffnen – das bekannte Zischen der Dose zu vermeiden, stellt sich als ein Ding der Unmöglichkeit dar. Genervte Blicke gehören zu einer plastikfreien Woche wohl dazu. Den miserablen Tag beende ich schließlich mit einem miserablen Rührei – Küchengewürze gibt es in meinem Haushalt nur in Plastikverpackungen.

Donnerstag:

Knäckebrot zum Frühstück und das ohne Aufstrich, denn Käse und Wurst gibt es im Supermarkt nur in Plastikverpackungen. Obst muss mir also als Beilage genügen.

Knäckebrot zum Frühstück und das ohne Aufstrich, denn Käse und Wurst gibt es im Supermarkt nur in Plastikverpackungen. Obst muss mir also als Beilage genügen.

Allmählich scheine ich mich an einen Alltag ohne Plastik zu gewöhnen: Zum Frühstück gibt es mit Knäckebrot die gesunde Toastbrot-Variante, im Bus erfahre ich alles über die geschriebene Deutschklausur und in der Uni sorge ich mit meiner Getränkedose wieder für Unruhe. In der Stadt erwartet mich eine positive Überraschung: Es gibt Gratis-Eis – und zwar mit Pappbechern und Holzlöffeln! Auf dem Rückweg nach Hause entdecke ich in meiner Straße einen Bioladen und werfe einen Blick hinein: Direkt am Eingang steht eine Kiste mit Salatköpfen, die alle nicht mit Plastik verpackt sind. Ohne lange Nachzudenken schnappe ich mir meinen blättrigen Freund und mache mir heute einen Salat. Ist es vielleicht doch möglich, ohne Plastik auszukommen?

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