Ich kann’s im Schlaf! – Wettkampftraining im Traum

Regie führen im eigenen Traum und in der Nacht ein Doppelleben als Superheld führen – die eigenen Träume zu kontrollieren ist ein faszinierender Gedanke und eine Disziplin, die man lernen kann. „Luzides Träumen“ oder „Klarträumen“ nennt sich der Zustand, in dem der Träumende merkt, dass er sich gerade im Traum befindet und sich dieses Bewusstsein zu Nutze macht, um im Traum alles zu tun, wonach ihm gerade ist.

Einerseits gelingen im Traum mit Hilfe der Fantasie Dinge, die in der Realität unmöglich wären. Andererseits kann der Klarträumer auch die grenzenlosen Möglichkeiten des Traumes nutzen, um Dinge zu üben und sie dann in der Realität besser zu beherrschen.

Wenn die Umgebung eigenartig erscheint, merkt mancher Träumer spontan, dass er träumt.

Wenn die Umgebung eigenartig erscheint, merkt mancher Träumer spontan, dass er träumt. Foto: pixelio.de/La-Liana, Teaserbild: pixelio.de/Michael Jurek

Erklären lässt sich das am Beispiel eines Snowboarders. Der Sportler kann während eines luziden Traumes einen Trick auf dem Snowboard üben und sich so die Bewegungsabläufe bewusst angewöhnen. Steigt er dann wenig später in der Realität auf ein Snowboard, gelingt ihm der geübte Trick leichter. Der Grund: Die Denkprozesse, die er während des Tricks durchläuft, sind im Traum mehrfach trainiert worden und gelingen routinierter. So muss sich nur noch der Körper an den Trick gewöhnen – der Kopf spielt hingegen schon von allein mit.

„Die Grundvoraussetzung ist, dass man den Bewegungsablauf bereits aus der Wach-Realität kennt und ihn ‚verstanden‘ hat – ganz gleich, wie ‚holprig‘ er auch sein mag“,  sagt der Psychologe Kaleb Utecht. „Wenn DAS gegeben ist, kann man tatsächlich durch Training in der (Klar-) Traum-Realität die Trainingszeiten in der Wach-Realität spürbar verkürzen.“ Utecht war ein Schüler des international bekannten Klartraumforschers Paul Tholey, der zum luziden Träumen geforscht und einige wegweisende Arbeiten veröffentlicht hat.

Motorisches Lernen im Traum

Tholey, der selbst auch Sportpsychologe war, stellte schon in den Achtzigerjahren die Theorie auf, dass motorisches Lernen im Traum möglich sei. Den Beweis, dass eben dieses Lernen möglich war, wollte er mit Messungen an Probanden während der sogenannten REM-Schlafphase erbringen. In dieser Phase des Schlafes träumt der Mensch am meisten. Sie ist gekennzeichnet durch eine schnelle Augenbewegung, das sogenannte Rapid-Eye-Movement (REM).

An der Augenbewegung unter dem Lid kann man erkennen, in welcher Schlafphase sich der Schlafende befindet. Foto: pixelio.de/Michael Jurek

An der Augenbewegung unter dem Lid kann man erkennen, in welcher Schlafphase sich der Schlafende befindet. Foto: pixelio.de/Michael Jurek

Tholey stellte die Hypothese auf, dass es luziden Träumern möglich sei, ihre Augenbewegung gezielt zu kontrollieren und somit den außenstehenden Beobachtern zu signalisieren „Ich träume und das ist mir bewusst“. Mit einem Impuls, zum Beispiel durch ein vibrierendes Armband, wollte er dem Träumer das Signal geben, die Augen zu bewegen. So hätte er dem Träumer gewissermaßen von den Augen ablesen können, dass dieser sich gerade in einem luziden Traum befindet.

Die Mittel für seine Forschung wurden Tholey letztendlich nicht zu Verfügung gestellt. Einige Jahre später führten aber amerikanische und kanadische Wissenschaftler die Versuche durch – mit Erfolg. Die Schwierigkeiten, die Tholey mit der Erforschung seiner Theorie hatte, zeigen auch den wissenschaftlichen Stellenwert, den die Klartraumforschung besitzt. „Solche Themen hatten und haben es in Deutschland immer schwer, Forschungsgelder zu akquirieren, da ihnen etwas „Esoterisches“ anhaftet. So kam es auch dazu, dass Tholeys innovativste Experimental-Designs nicht von ihm, sondern von kanadischen und US-Wissenschaftlern realisiert wurden – und dies erfolgreich“, meint auch Utecht.

Fallberichte von Sportlern

Auch der Sportwissenschaftler Dr. Daniel Ehrlacher kennt den esoterischen Beigeschmack des luziden Träumens. Er hat sich dennoch in seiner Doktorarbeit mit dem motorischen Lernen im Traum auseinandegesetzt. Dabei hat er auch Fallberichte von Sportlern gesammelt, die von ihren Trainingserfolgen durch die luziden Träume berichten. So erklärt ein Sportler, dass er als Kind bereits im Traum das Skifahren geübt und sich auch in der Realität maßgeblich verbessert hätte. Im Erwachsenenalter hätte er das dann noch einmal auf das Snowboardfahren angewendet und es hätte wieder funktioniert.

Tricks auf Snowboard kann man im Traum trainieren. Foto: pixelio.de/Paul Felgentreff

Tricks auf Snowboard kann man im Traum trainieren. Foto: pixelio.de/Paul Felgentreff

Ehrlacher hat aber auch in Befragungen herausgefunden, dass nicht jeder Erfolge durch das luzide Traum-Training verzeichnet. Mehr als ein Drittel der Befragten luziden Träumer haben beispielsweise erklärt, dass sie sich durch das Üben im Traum auch nur im Traum verbessern.

So scheint die Wirkung des Traum-Trainings eine Typfrage zu sein. Und auch unter luziden Träumern gibt es laut Ehrlacher Unterschiede im Erfolg: „Ich bin zum Beispiel ein relativ schlechter Klarträumer. Aber die Faszination nimmt mir das trotzdem nicht.“

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