Kein Geld für das Sprachenzentrum

50.000 Euro – so viel Geld stand dem Sprachenzentrum 2010 zur Verfügung, um den Studenten der TU Dortmund eine große Sprachauswahl anzubieten. Bisher kann jeder Student ganz leicht wählen zwischen Englisch, Italienisch, Spanisch, Griechisch, Türkisch, Arabisch, Chinesisch, Russisch und vielen weiteren Sprachen. Doch damit könnte es im Wintersemester vorbei sein, befürchtet der Fachschaftsbeauftragte Lars Koppers. Denn bei der Vergabe der Studiengebühren hat das Rektorat dem Sprachenzentrum dieses Jahr keine Mittel zugeteilt. Lars Koppers ist sich sicher: Das wäre nicht passiert, wenn die Studenten ein Mitspracherecht gehabt hätten.

Nach Meinung des 23-Jährigen wurden die Mittel falsch verteilt. Normalerweise gibt es jedes Semester eine zentrale Antragsrunde. Hier können alle fachbereichsübergreifenden Einrichtungen Anträge auf Unterstützung stellen. Einzige Voraussetzungen: Mit den zentralen Mitteln muss die Lehre verbessert werden und sie müssen möglichst vielen Studenten zugutekommen, wie Johannes Blömeke, Referent für Hochschulpolitik und Lehre beim AStA erklärt.

Das Sprachenzentrum der TU Dortmund, Foto: Laura Millmann

Finanzielle Probleme: Das Sprachenzentrum der TU Dortmund muss womöglich abspecken. Foto: Laura Millmann

Alle Anträge werden dann von der Erweiterten Kommission für Lehre und Studium (kurz eLuSt) durchgesehen, um anschließend eine Empfehlung an das Rektorat auszusprechen, welche Projekte gefördert werden sollen und welche nicht. In der eLuSt kommen auch Studenten zu Wort, wie es durch das aktuelle „Gesetz zur Erhebung von Studienbeiträgen und Hochschulabgaben“ vorgegeben ist. Die beteiligten Studenten beklagten allerdings schon immer, dass die Kommission eine ausschließlich beratende Funktion habe und sich das Rektorat über die Empfehlungen einfach hinweg setzen könne. Dieses Semester allerdings, das letzte Semester mit Studiengebühren, wurde die zentrale Vergaberunde und damit die studentische Beteiligung einfach ganz ausgesetzt.

Ohne Studiengebühren fehlt das Geld

Das Problem des Rektorats ist, dass es dieses Jahr erst einmal nur mit der Hälfte des normalen Geldes rechnen konnte. Dadurch, dass die Studiengebühren nun wegfallen, aber noch nicht klar ist, wie viel Kompensationsmittel es vom Land geben wird, ist eine konkrete Planung kaum möglich. „Es gab einfach keine zentrale Antragsrunde mehr, weil zunächst die schon bestehenden Verpflichtungen getragen werden mussten und dann die Verpflichtungen gegenüber den Fakultäten bedient wurden.“, sagt Pressesprecher Ole Lünnemann zu der schwierigen Situation in diesem Semester.

Schon im Januar war aus diesem Grund beschlossen worden, erstmalig keine zentrale Antragsrunde abzuhalten. In dem Protokoll hieß aber es weiter: „Aus dem Rektorat wird auf zentrale Bedarfe in der Universitätsbibliothek, dem Sprachenzentrum und dem HDZ hingewiesen.“ Während die Bibliothek im Endeffekt auch zentrale Mittel bekommen hat, ist das Sprachenzentrum leer ausgegangen.

Fakultäten sollen zahlen

In der offiziellen Stellungnahme der Fachschaftsbeauftragten, an der auch Lars Koppers mitgearbeitet hat, heißt es daraufhin: „Da das Rektorat leider ohne auch nur vorher eine Stellungnahme der Studienvertreter einzuholen die zentralen Mittel an die Fakultäten verteilt hat, bleibt uns nichts anderes übrig, als den in unseren Augen gemachten Fehler irgendwie zu korrigieren.“ Das heißt konkret, dass die Vertreter des AStA und die Fachschaftsbeauftragten versuchen, die Fakultäten zu überreden, Geld für das Sprachenzentrum bereitzustellen.

Lars Koppers, Fachschaftsbeauftragter und Mitglied der eLuSt, Foto: Laura Millmann

Lars Koppers hofft auf die Unterstützung der Fakultäten. Foto: Laura Millmann

Im Moment sind schon 15.000 Euro sicher, wie Lars Koppers berichtet. Aber nicht alle Fakultäten sehen eine Notwendigkeit darin, das Sprachenzentrum zu fördern. „Dabei sind die Studenten, die Sprachkurse belegen, nahezu gleichmäßig auf alle Fakultäten verteilt“, sagt Lars Koppers. Seiner Ansicht nach ist diese ganze Situation das Ergebnis eines „großen Kommunikationsproblems“. Und eines steht fest: Wenn der AStA die 50.000 Euro nicht zusammen bekommt, wird das Sprachangebot höchstwahrscheinlich heruntergefahren werden.

Deshalb befindet sich auch das Rektorat inzwischen in Gesprächen mit dem Sprachenzentrum und den Fakultäten. Ohne die zentralen Mittel könnte es auch passieren, dass die einzelnen Fakultäten für ihre Studenten spezielle Sprachkurse einkaufen müssten. Dies wäre dann aber nicht im Sinne des Sprachenzentrums, das ja eigentlich allen Studenten die gleichen Möglichkeiten eröffnen will.

Studenten fühlen sich übergangen

Johannes Blömeke vom AStA sieht in den Problemen mit dem Sprachenzentrum allgemeine Defizite, was die Vergabe der Studiengebühren angeht. Es sei schon oft vorgekommen, dass das Rektorat Projekte unterstützt hat, welche die eLuSt in ihrer Empfehlung abgelehnt hatte. Und auch Florian Feldhaus, Mitglied der Hochschulgruppe „Die Grünen“, findet, dass die Aussetzung der Vergaberunde und somit der eLuSt als Zeichen dafür verstanden werden könnte, dass das Rektorat nicht das Gefühl hat, sich mit den Studenten abstimmen zu müssen. Pressesprecher Ole Lünnemann widerspricht dieser Annahme. Es sei einfach kein Geld für neue Projekte da gewesen, das in einer Antragsrunde gemeinsam mit der eLuSt hätte vergeben werden können. Es sei nicht darum gegangen, die Studenten zu übergehen.

Johannes Blömeke, Referent für Hochschulpolitik und Lehre beim AStA, Foto: Peter Gotzner

Johannes Blömeke fordert mehr Mitspracherecht für die Studenten. Foto: Peter Gotzner

Zumal die studentische Beteiligung gesetzlich vorgeschrieben ist. Im aktuellen Gesetz heißt es: „Die Hochschule überprüft durch ein Prüfungsgremium die Qualität ihrer Lehr- und Studienorganisation. Das Prüfungsgremium wird im Wege der Selbstbefassung tätig. Stellt das Prüfungsgremium nicht bloß unerhebliche Mängel in der Qualität der Lehr- oder Studienorganisation fest, empfiehlt es der Hochschule Maßnahmen. […] Die Hälfte seiner stimmberechtigten Mitglieder besteht aus Studierenden.“

Hohe Erwartungen an neues Gesetz

Und daran hält sich die Uni. Denn das Prüfgremium wird es auch in diesem Semester geben, um am Ende des Semesters eine Stellungnahme abzugeben. Aber auch hier besteht, wie bei der eLuSt nur eine beratende Funktion. Johannes Blömeke ist Mitglied im Prüfgremium und kennt die Arbeit nur zu gut: „Man arbeitet viel, schreibt eine Stellungnahme und mit Pech für den Reißwolf.“

Ab dem nächsten Semester gibt es dann keine Studiengebühren mehr. Nicht nur das Rektorat hofft darauf, dass bald das neue Studiumqualitätsgesetz verabschiedet wird, um endlich wieder Planungssicherheit zu haben. Auch der AStA und die Fachschaftsbeauftragten sehen dem neuen Gesetz mit hohen Erwartungen entgegen. In dem Gesetzentwurf ist wieder die Rede von studentischer Beteiligung bei der Verteilung der zentralen Mittel. Lars Koppers hofft, dass es sich diesmal vielleicht nicht mehr nur um ein beratendes, sondern um ein beschlussfähiges Gremium handeln wird. Dann könnten die Studenten direkt mitbestimmen, ob ein Teil der Kompensationszahlungen an das Sprachenzentrum gehen soll oder nicht.

Von Laura Millmann

1 Comment

  • Stefan Gleibs sagt:

    Also ich besuche in diesem Semester einige Englischkurse und die wurden schon zum Großteil aufgespaltet in jeweils zwei Gruppen mit nur 45 Minuten Unterricht, damit alle Interessenten teilnehmen konnten. Zusätzliche Kurse konnten nicht aufgemacht werden, weil das Geld fehlt. Wie soll das dann erst im nächsten Semester aussehen…

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.