Kommentar: Das neue Tagesschau-Studio ist zu teuer

Foto des neuen Tagesschau-Studios

Nicht gerade billig: Das neue Tagesschau-Studio. Foto: Andreas Neuhaus

Die altehrwürdige Tagesschau hat ein neues Studio. Herzstück ist eine etwa 18 Meter lange halbrund geformte Medienwand. Hier kann jetzt mit animierte Grafiken, Videos und Panoramabildern gearbeitet werden. Toll! Ach ja: Jetzt wird auch in HD produziert. Wofür jetzt genau ein zweistelliger Millionenbetrag in die Hand genommen wurde, ist aber unklar.

Denn das wär’s mit den Neuerungen, womit man über Verhältnismäßigkeit sprechen muss. Darf ein öffentlich-rechtlicher Sender tatsächlich 23,8 Millionen für ein Fernsehstudio ausgeben? Für ein paar nette Gimmicks und den unschätzbaren Vorteil, dass Jan Hofer seine Kleidungsauswahl um ein blaues Hemd erweitern und Carmen Miosga tatsächlich auch mal aufstehen und rumgehen kann? Für rein technische und optische Verbesserungen? Denn wie die Tageschau betonte: Die journalistischen Inhalte sollen sich nicht ändern.

Natürlich ist es für den Laien schwierig nachzuvollziehen, was ein Fernsehstudio kostet. In diesem Zusammenhang ließ die Tagesschau verlauten, dass die knapp 24 Millionen durchaus marktüblich seien. Und leisten können sich die Öffentlich-Rechtlichen die Ausgabe ohnehin – der neuen Zwangsabgabe sei Dank. Die spült schätzungsweise zwischen 7,2 und 8,6 Milliarden jährlich in die Kassen.

Klotzen, weil man es kann

Es stört aber die an Arroganz grenzende Selbstverständlichkeit, mit der die Kosten für das neue Studio gerechtfertigt werden. Derselbe Tonfall, in dem auch schon kritische Nachfragen zu den jährlich zehn Millionen Euro Produktionskosten für den Polit-Talk von Günther Jauch vom Tisch gefegt wurden. Oder auch die jährlich 100 Millionen Euro, die für die Zweitverwertungsrechte der Fußballrechte ausgegeben werden.

Fakt ist, dass bei den Öffentlich-Rechtlichen eine fragwürdige Ausgabementalität herrscht. Man klotzt – weil man es kann. Weil man sich die Gedanken zu Notwendigkeit und Wirtschaftlichkeit offenbar bis nach den Entscheidungen aufsparen darf. Da werden, mit der Zwangsabgabe im Rücken, im Bieterwettstreit um Film-, Serien- und Übertragungsrechte die Preise nach oben getrieben und Mitbewerber knallhart vom Markt verdrängt. Und mit demselben Selbstverständnis werden jetzt eben 23,8 Millionen Euro für das Upgrade eines Fernsehstudios rausgehauen.

Wer sich darüber ärgert und sich fragt, was dies noch mit dem gesetzlichen Bildungsauftrag zu tun hat, dem sei zur Beruhigung versichert: Der Rundfunkbeitrag soll sinken – um monatlich 48 Cent…

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