Journalisten diskutieren über Europa

Ein Beitrag von Katja Vossenberg

Europa steckt in der Krise und alle Länder in der EU tragen die Folgen. Die Mitgliedsländer müssen sparen, damit Griechenland und andere Schuldenstaaten gerettet werden können. Dementsprechend ist für die meisten EU-Bürger, selbst für die Griechen, Brüssel nichts weiter als der Ort, aus dem schlechte Nachrichten kommen. Und Journalisten berichten jeden Tag darüber.

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Rund 80 junge Journalisten aus ganz Europa waren bei dem Kongress dabei. Fotos: Katja Fossenberg

Für viele Journalisten scheint das jedoch kein Problem zu sein. Schließlich greift hier eine alte Weisheit: Nur eine schlechte Nachricht ist eine gute Nachricht. Eine Gruppe von jungen Journalistik Studenten stellt sich jetzt dagegen und möchte ein positiveres Bild der EU in die Medien bringen.

Workshop zeigt die Motivation

„The European Crisis: A Mission for Journalists“ war das Thema des diesjährigen Kongresses in Wien vom „Forum for European Journalism Students“, kurz FEJS. Dies ist eine internationale Non-Profit Organisation, die nur von Studenten geleitet wird. An den Treffen, die zweimal im Jahr stattfinden, nehmen mittlerweile Studenten von über 300 Universitäten und Journalistenschulen regelmäßig teil. In Wien waren es von Donnerstag bis Montag rund 80 Journalistik Studenten. Auch zwölf Studenten aus Dortmund waren dabei.

Angeboten wurden Vorträge, Workshops und Diskussionsrunden. Vor allem in den Workshops zeigte sich die Motivation der Studenten. Insgesamt fanden vier Workshops mit unterschiedlichen Themenschwerpunkten statt. Ein Unterthema war beispielsweise die Bildung über die EU. Viele Potentiale über die EU zu informieren sind nämlich laut der Studenten noch ungenutzt: Gerade Schulen und Universitäten müssten die EU-Bildung auf die Agenda setzen. Aber auch Medien und PR sollten in die Pflicht genommen werden: Sie sollten besser zusammenarbeiten, um gut recherchierte EU-Themen überhaupt zu publizieren.

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Die Gruppen stellten ihre Ideen vor.

Gerade in den Workshops zeigte sich Eines: Alle Studenten sind überzeugt von der Idee „Europa“. Sie fühlen sich europäisch und genießen die internationale Atmosphäre des Kongresses. Und alle stören sich an der negativen Berichterstattung, die einseitig nur die schlechten Seiten Europas darstellt. Das möchten sie nun ändern. Die Idee: Europa muss in die Dörfer und kleinen Städte ihrer Heimatländer kommen. Journalisten müssten komplexe Sachverhalte regional runter brechen und die Relevanz für die Region verdeutlichen.

Kongress: negative und positive Erkenntnisse

Doch hier liegt wohl vor allen Dingen die Krux dieses Kongresses. Die Ergebnisse und Ideen der Studenten blieben relativ vage, konkrete Projektideen wurden nicht entwickelt. Dazu blieb leider zu wenig Zeit. Wie die einzelnen Teilnehmer mit ihren ausgearbeiteten Ergebnissen nun umgehen, bleibt ihnen selbst überlassen. Auch die Litauerin Indre Simanynaite hatte sich im Vorfeld mehr von dem Kongress erhofft: „Es wäre gut, wenn es das nächste Mal präziser und konkreter zugehen würde.“ Sie betont aber auch: „Die Idee dieses Kongresses ist brillant.“ Denn dadurch, dass dieser Kongress europäische Nachwuchsjournalisten zusammen bringt, entstehen neue Netzwerke. Persönliche Kontakte ins Ausland helfen den jungen Journalisten ihre Themen besser zu bearbeiten. Wer zum Beispiel einen Griechen kennt, der versteht die Situation in Griechenland besser – einfach, weil er einen „Insider“ fragen kann.

Die europäische Krise ist eine schwierige Mission für Journalisten, doch die Teilnehmer des FEJS-Kongresses haben letztendlich gezeigt, dass sie sich dieser Mission in Zukunft stellen wollen. Zwar blieb vieles auf der Ebene des Idealismus – dennoch lässt sich hoffen, dass Einige aus diesem Idealismus auch etwas umsetzen werden, damit Brüssel nicht länger der Ort bleibt, aus dem überwiegend die schlechten Nachrichten kommen.

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