Der berechenbare Weihnachtsmann

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Rund um Weihnachten gibt es viele Geheimnisse und Rätsel. Mehrere (ansonsten sehr seriöse) Wissenschaftler versuchen, sie mit ihren Kenntnissen zu lösen – mal mehr, mal weniger ernsthaft, aber immer lustig. So sind zahlreiche Studien entstanden, vermutlich bei einigen Tassen Glühwein. Eine Übersicht über die wichtigsten Fragen und Antworten der Weihnachtsmann-Forschung.

Der Job des Weihnachtsmanns ist sowieso schon hart. Er lebt in Einsamkeit am kalten Nordpol, nur mit seinen Rentieren. Das ganze Jahr über arbeitet er nur für eine einzige Nacht. Und dann hat er auch noch mit den Naturwissenschaften zu kämpfen: Die Gesetze der Physik, Chemie und Biologie sind nicht gerade auf seiner Seite, wie Berechnungen und Überlegungen von Wissenschaftlern zeigen.

Die Reisegeschwindigkeit: 11.172 mal so schnell wie ein Airbus A380

Der Weihnachtsmann steht ganz schön unter Stress. Der Wissenschaftsjournalist Tom Chivers hat für die britische Tageszeitung „The Daily Telegraph“ ausgerechnet, wie schnell der Schlitten unterwegs sein muss. Erst einmal muss man wissen, wie viele Kinder der Weihnachtsmann beschenkt. Auf der Erde leben rund zwei Milliarden Kinder, davon sind aber nur rund 35 Prozent christlich und feiern überhaupt Weihnachten. Die anderen Kinder bekommen auch nichts geschenkt. Also bleiben 700 Millionen Kinder. Dass einige Kinder unartig waren, vernachlässigt Tom Chivers in seiner Rechnung aus statistischen Gründen. Nimmt man an, dass durchschnittlich drei Kinder in einem Haushalt leben, muss der Weihnachtsmann 233 Millionen Stopps einlegen. Wenn man nun davon ausgeht, dass alle Häuser die er besuchen muss gleichmäßig über die Erde verteilt sind, muss der Weihnachtsmann ungefähr 1,47 Kilometer von Haus zu Haus fliegen. Insgesamt kommt er so auf eine Strecke von 342.510.000 Kilometern. Dafür hat er 32 Stunden Zeit – denn schließlich wird es auf der Erde zu unterschiedlichen Zeiten Nacht. Um sein Arbeitspensum zu schaffen, muss er durchgängig mit rund 10.703.437 Kilometern pro Stunde unterwegs sein. Das ist 11.172 mal so schnell wie ein Airbus A380, der rund 1.000 Kilometer pro Stunde schafft. Und dabei darf der Weihachtsmann keine Zwischenstopps einlegen. Da kann man nur hoffen, dass er nicht mal auf’s Klo muss oder ein Rentier sich die Hufe verknackst.

Geschenke, Geschenke, Geschenke!

Was wäre der Weihnachtsmann ohne Geschenke? Ein arbeitsloser, alter Mann. Deshalb hat sich Tom Chivers auch über diesen Aspekt Gedanken gemacht. Er geht dabei davon aus, dass jedes Kind eine bestimmte Spielzeugfigur bekommt, die umgerechnet ungefähr 50 Euro kostet. Insgesamt müsste der Weihnachtsmann knapp 36 Milliarden Euro ausgeben. Und danach beim Beladen seines Schlittens muss er immer schön aus den Knien heben und aufpassen, dass er keinen Rückenschaden bekommt. Eine Spielzeugfigur wiegt zwar nur 659 Gramm. Aber insgesamt muss der Weihnachtsmann 461.300 Tonnen einpacken. Zum Vergleich: Das ist ungefähr 810 mal so viel wie ein Airbus A380 beim Start wiegen darf (nämlich 569 Tonnen).

Rentiere: die besten Freunde des Weihnachtsmanns

Dieses Gewicht bringt man nicht mal eben so in Schwung. Da müssten sich Rudolph und seine acht Kollegen noch Hilfe holen, sagt Tom Chivers. Es würden noch gut drei Millionen Artgenossen benötigt, wenn jedes Rentier 150 Kilogramm ziehen kann. Und noch weiter gesponnen: Beim Rentier-Casting gibt es neben der Kraft, Geschwindigkeit und Ausdauer eine weitere Einstellungsvoraussetzung: Die Helfer des Weihnachtsmanns müssen fliegen können. Das amerikanische Satire-Magazin „Spy“ schrieb dazu, dass uns Menschen zwar keine fliegenden Rentiere bekannt seien. Aber schließlich seien viele Spezies noch nicht klassifiziert, es würden immer wieder neue Tierarten entdeckt. Warum sollte es also keine fliegenden Rentiere geben? Ein weiteres Rätsel ist, warum die Nase von Rudolph rot leuchtet. Ökologie-Professor Steve Pointing und Chemie-Professor Allan Blackman von der Auckland University of Technology in Neuseeland haben sich eine Antwort überlegt. Sie vermuten, dass am Nordpol Pflanzen wachsen, die bioluminiszent sind. Das bedeutet, dass sie durch eine chemische Reaktion leuchten, wie zum Beispiel auch Glühwürmchen. Wenn die Rentiere diese Pflanzen essen, könnte sich die Strahlkraft in die Nase übertragen. Rot wirkt sie dann wegen des zirkulierenden Bluts.

Der Bauch des Weihnachtsmanns

Dass der Weihnachtsmann eigentlich immer mit einem großen, runden Bauch dargestellt wird, hat einen guten Grund. Wer so viel isst wie er, muss einfach Übergewicht bekommen. Ganz egal wie gut oder schlecht der Stoffwechsel auch sein mag. Die britische Forschergruppe „The Big Bank Young Scientists and Engineers Fair“ hat ausgerechnet, wie viele Kalorien der Weihnachtsmann während seiner Reise zu sich nimmt. Denn in Großbritannien ist es üblich, ihm ein Glas Milch und eine Mince Pie hinzustellen. Am Ende seiner Reise würde er nach diesen Berechnungen fast 130 Millionen Liter Milch getrunken haben, genug um 50 Schwimmbecken zu füllen, und 40.000 Tonnen Mince Pies gegessen haben. Das entspricht 150 Milliarden Kalorien und ist damit 60.000 mal so viel, wie ein erwachsener Mann empfohlenerweise zu sich nehmen sollte.

Der Kampf des Weihnachtsmanns mit der Wissenschaft

Bei all diesen physikalischen, chemischen und biologischen Schwierigkeiten, mit denen der Weihnachtsmann kämpfen muss, stellt sich die Frage: Kann es ihn überhaupt geben? Das Satire-Magazin „Spy“ sagt Nein. Durch die großen Kräfte bei der Beschleunigung des Schlittens würde der Weihnachtsmann quasi zerquetscht. Aber wir reden schließlich über den Weihnachtsmann. Wer weiß denn schon, ob die Naturgesetze für ihn überhaupt gelten?

Die Formel für den perfekt geschmückten Weihnachtsbaum

Zum Schluss noch ein ganz praktischer Tipp für das Weihnachtsfest. Denn nicht nur der Weihnachtsmann lässt sich berechnen – sondern auch, wie der Weihnachtsbaum perfekt geschmückt wird. Mathematik-Studenten der University of Sheffield in England haben dafür eine Formel entwickelt. Mit Hilfe von „treegonometry“, wie sie ihre Berechnungen nennen. 

Was bedeutet das für den großen Weihnachtsbaum auf dem Dortmunder Weihnachtsmarkt? Er ist im Jahr 2016 ganze 45 Meter hoch. Perfekt geschmückt wäre er laut den Formeln mit 928 Kugeln, einer gesamten Lametta-Länge von fast 230 Metern und einer gut 140 Meter langen Lichterkette. Der Stern auf der Spitze müsste 4,5 Meter hoch sein – tatsächlich thront dort ein vier Meter hoher Engel. Im Endeffekt ist das natürlich Geschmacksache. Opa Hoppenstedt würde bestimmt auch bei üppiger Dekoration meckern: „Früher war aber mehr Lametta!“

Grafiken: Anne Palka mit canva

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