Mit Wattestäbchen gegen Blutkrebs

Jährlich erkranken in Deutschland fast 10.000 Menschen an Leukämie. Oft hilft bei dieser Krebskrankheit nur eine Stammzellenspende. 5,5 Millionen Menschen in Deutschland helfen bereits beim Kampf gegen diese und andere lebensgefährliche Krankheiten. Sie sind in einer Kartei für die Stammzellenspende registriert. Eine Gruppe von Studenten der TU Dortmund leistet  einen besonderen Beitrag dafür. Sie organisieren gemeinsam mit der größten deutschen Spenderorganisation eine Typisierung auf dem Campus.

Judith und Anna gehören zum Organisationsteam der Typisierungsaktion

Judith und Anna gehören zum Organisationsteam der Typisierungsaktion (Foto: Paul Klur/Teaserbild: Flickr/Andrew Mason)

Anna Hübert und Judith Kleinberg sind maßgeblich daran beteiligt, dass die Typisierungsaktion am 17. Dezember unter Schirmherrschaft der Fachschaft Anglistik nach Dortmund kommt. „Die Deutsche Knochenmarkspenderdatei (DKMS) hat über Facebook dazu aufgerufen, an Hochschulen solche Registrierungstage zu planen. Ich bin selber seit einigen Jahren registriert. Aber so können wir noch mehr erreichen, um den Betroffenen zu helfen“, erklärt Judith.

Die Arbeit beginnt also nicht erst am Tag der Aktion. „Wir haben zum Beispiel Werbung gemacht, weitere Helfer rekrutiert und einen Ort für die Typisierung gesucht“, berichtet Judith. Eine solche Aktion hat es an der TU noch nie gegeben. Aber die Organisatoren hoffen, dass mehrere Tausend Freiwillige ihren Beitrag gegen den Blutkrebs leisten werden. „Für die Typisierung haben wir den Seminarraum der AStA reserviert“, sagt Anna. Der ist auf dem Campus Nord der TU Dortmund.

Am Mittwoch, 17. Dezember, sind zwischen 10 und 15 Uhr Spezialisten von der DKMS vor Ort. „Die sind aber natürlich mit jeder Menge medizinischer Aufgaben beschäftigt“, sagt Judith und bittet deswegen um weitere Helfer. In der Küche oder bei der Betreuung der Probanden werden noch dringend Freiwillige gesucht. Wer vorher selbst mal mit den Leuten hinter der Aktion sprechen will, kann am 10. Dezember einen Infostand im Mensagebäude besuchen.

Die Typisierung selbst ist ziemlich einfach. Sie dauert nur etwa 15 bis 20 Minuten. Mit einem Wattestäbchen nimmt ein Helfer von der DKMS dafür einen Abstrich aus der Mundschleimhaut. Im Labor werden seine gesammelten Merkmale dann analysiert und in die Spenderkartei eingetragen. Eine dieser Laboruntersuchungen kostet die DKMS etwa 50 Euro. Wer möchte, kann diesen Betrag selbst übernehmen. Grundsätzlich ist die Typisierung aber für jeden kostenlos.

Wer genetisch stark mit einem Patienten übereinstimmt, kommt für eine Spende in Frage. In diesem Fall meldet sich die DKMS bei dem potentiellen Spender. Auch dann kann man die Spende noch absagen. Mit der Typisierung verpflichtet sich also niemand zu einer Stammzellenspende.

Der genetische Zwilling

Eine Transplantation verstärkt das blutbildende System des Patienten (Foto: DKMS)

Damit ein Spender für eine Stammzellentransplantation in Frage kommt, müssen die sogenannten HLA-Merkmale abgeglichen werden. Man nennt sie auch Gewebemerkmale. Anhand dieser Eigenschaften unterscheidet der menschliche Körper eigenes von fremdem Gewebe.

Die HLA-Merkmale gibt es in mehreren 10.000 verschiedenen Kombinationen. Stimmen die HLA-Werte von „Eindringlingen“ nicht mit den eigenen überein, versucht der Organismus, den Fremdkörper abzuwehren. Das kann eine Transplantation schnell gefährden. Je höher also die Übereinstimmung von Spender und Patient ist, desto größer sind die Chancen, dass die Transplantation  

Eine Stammzellenspende ist heute deutlich risikoärmer als noch vor einigen Jahrzehnten. In den meisten Fällen muss gar kein Knochenmark entnommen werden. Es reicht vielmals aus, dem Spender Blut abzunehmen. Dennoch haben viele Menschen immer noch Bedenken. Wie eine Spende in der Regel abläuft und wie viele Menschen sich schon dazu bereit erklärt haben, erfahrt ihr in der Infografik. (Grafik: Paul Klur; Angaben: DKMS, ZKRD, Bundesamt für Statistik)

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3 Comments

  • Paul Klur Paul Klur sagt:

    dan,

    Vielen Dank für deinen Kommentar, dan. Was du sagst, ist richtig. Darüber entscheidet der Gesetzgeber, daher ist jede Spenderorganisation daran gebunden. Ob sie damit übereinstimmt oder nicht. Auch heterosexuelle Personen mit so genanntem „Risikoverhalten“ sind daran gebunden.

    Gerade weil dies allgemeingültig (auch für Blutspende etc.) und von Gesetz wegen für weit mehr Personengruppen vorgeschrieben ist, habe ich es in diesem Artikel nicht mehr erwähnt. Vielen Dank aber für deine Ergänzung. Wer sich darüber näher informieren will, kann dies beim DKMS unter http://www.dkms.de/de/faq tun.

  • dan sagt:

    Ein Absatz dazu, das nicht jeder Spenden darf, wäre schon gewesen.

    So werden, wie übrigens auch bei der Blut bzw. Plasmaspende, viele Menschen kategorisch aufgeschlossen. Zum Beispiel Homo- und Bisexuelle Männer. (Ob diese in einer monogamen Beziehung leben und regelmäßig sich gegen STI checken lassen, ist dabei komplett egal…)

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