Hörsaal in der EF 50 in Dortmund besetzt

Als „lautstarker Spaziergang“ angekündigt, demonstrierten am Dienstag Studenten der TU und der FH Dortmund gemeinsam für eine bessere Bildung. Organisiert von den Asten der beiden Hochschulen versammelten sich rund 1000 Menschen in der Dortmunder Innenstadt und zogen zum Rathaus. Höhepunkt des Streiks: Gegen 13 Uhr stürmten rund 400 Studenten den größten Hörsaal im Hörsaalgebäude an der Emil-Figge-Straße.

Rund 400 Studenten stürmen den größten Hörsaal im Hörsaalgebäude an der Emil-Figge-Straße.

Rund 400 Studenten stürmten den größten Hörsaal im Hörsaalgebäude an der Emil-Figge-Straße. Fotos: Florian Hückelheim

Mitglieder des Komitee für freie Bildung KffB wollten noch vor der Vollversammlung am Mittwoch ihren Protest äußern. Über Megafone forderten sie die Studenten auf: „Lasst uns heute noch an der Uni ein Zeichen setzen!“

Gesagt – getan. Die laufende Vorlesung über Halbleiterbauelemente fand ein abruptes Ende. Kurzerhand wurde der Hörsaal per Mikrofonansage und Tafelanschrieb für besetzt erklärt. Den Hörsaal verlassende Studenten wurden ausgebuht.

Stück für Stück verfassten KffB-Mitglieder eine Art Tagesordnung, berieten mit den Protestlern darüber, wie lange die Besetzung dauern wird. Das Rektorat will die Blockade des Hörsaals bis Mittwoch Mittag dulden. Ein Gespräch mit Uni-Rektorin Ursula Gather soll dann die Lage klären.

Im Hörsaal war während der Besetzung auch WiSo-Student Ylber. Zusammen mit einem Freund hat er sich spontan zum Mitstreiken entschlossen. „Ich bleibe hier, solange der Hörsaal besetzt ist.“ Nur für eine Vorlesung am Mittwoch will er seinen Streik unterbrechen.

Protestmarsch am Vormittag

Noch am Dienstagvormittag schallte es abwechselnd aus Lautsprechern von der fahrenden Protestbühne und aus der Menge: „Bildung für alle, und zwar umsonst“. Transparente und Schilder ragten aus der Menschenmasse heraus: „Platzangst im Hörsaal“ und „Bildungsstreik“.

Die Physikstudenten Stephan und Ramon sind spontan zur Demo gekommen und haben dafür eine Übungsgruppe  ausfallen lassen. Sie sind gegen die Verschulung des Bachelor- und Master-Systems an den Hochschulen. Besonders die Kostenfreiheit von Bildung liegt Stephan am Herzen: „Was mich dazu gebracht hat, auf die Straße zu gehen, waren die Demonstrationen an den Unis in Österreich.“

Sitzstreik

Mitten auf der Kreuzung Hoher Wall/Rheinische Straße sorgen die Studenten für ein kleines Verkehrschaos durch ihre Sitzblockade.

Pünktlich um 11 Uhr bewegten sich die Streikenden Richtung Rathaus. Die Route führte jedoch nicht durch die Innenstadt, sondern drum herum. Auf dem Hohen Wall, der Verkehrsader der Dortmunder Innenstadt, marschierten die Studierenden zum Friedensplatz. Dort setzte sich spontan ein Großteil von ihnen für einige Minuten auf die Kreuzung zur Rheinischen Straße. Die Polizei sperrte die Kreuzung für den Verkehr, räumte den Verkehrsknotenpunkt allerdings nicht. Ein Verkehrschaos entstand.

Auf dem Vorplatz des Rathauses fand anschließend eine kurze Kundgebung statt. Vertreter von AStA und GEW (Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft) forderten Dortmunds Oberbürgermeister Ullrich Sierau (SPD) auf, sich im Landtag für eine „emanzipatorische Bildungspolitik“ zu engagieren. Mit Erinnerung an das Ende der Demos in Bochum und Essen vor einer Woche sicherten Polizeibeamte, ausgerüstet mit Helm, Schlagstock und Oberkörper-Protektoren, die Eingänge von Rathaus und Stadthaus, um etwaige Erstürmungsversuche unterbinden zu können. Ein Videowagen begleitete den Demonstrationstross. Passiert ist allerdings nichts. „Es ist insgesamt ruhig geblieben.“, sagt Einsatzleiter Rüdiger Billeb. „Es gab am Rande ein paar kleine Provokationen, die haben wir aber auch als solche gewertet.“

Wie es nun im Dortmunder Bildungsstreik weitergeht, wird sich auf der Vollversammlung am Mittwoch zeigen. Sie findet um 14 Uhr im Hörsaalgebäude II, HS 1 statt.

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