Wissenswert: Weißes Wasser

Wenn im Herbst die Nächte zunehmend kälter werden, tagsüber aber noch die Sonne scheint und wärmt, dann kommt die Jahreszeit des Nebels. Die Luft ist morgens oft sehr feucht, die Sicht ist getrübt. Weiße Schleier scheinen aus dem Wald zu kriechen, überziehen Landschaften, Seen und Straßen. Aber was genau geschieht in der Luft, sodass Nebel entstehen kann?

Bildet sich direkt an den Hängen: Alpennebel in den Bergen Foto: Katharina Schmitz

Bildet sich direkt an den Berghängen: Wolkennebel in den Alpen
Foto: Katharina Schmitz

Ob drinnen oder draußen, in der Luft schwebt überall ein wenig Wasserdampf. Nimmt man ein kaltes Getränk aus dem Kühlschrank und schüttet es in ein Glas, beschlägt die Glasoberfläche. Die winzig kleinen Wassertropfen in der Luft kondensieren, wechseln also von ihrem gasförmigen in den flüssigen Zustand. Die vielen kleinen Tröpfchen setzen sich an der glatten Oberfläche ab. Ähnliches passiert, wenn Nebel entsteht.

Wasserdampf wird flüssig

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Erst wenn wie hier im Erzgebirge die Sicht eingeschränkt ist, sprechen Meteorologen von Nebel. Foto: flickr.com/abejorro34

Damit der Wasserdampf in der Luft zu Nebel wird, muss er vom gasförmigen, unsichtbaren Zustand in den flüssigen und sichtbaren Zustand wechseln. Das kann auf zwei Arten geschehen: Wenn sich warme und kalte Luft vermischen oder wenn warme Luft auf den stark abgekühlten Boden trifft.

In beiden Fällen kühlt sich der Wasserdampf in der Luft stark ab und kondensiert – genauso wie der Wasserdampf am Glas. Mit einem Unterschied: In der Luft können sich die Wassertröpfchen nirgends absetzen. Das heißt, sie schweben in der Luft und bilden einen milchig weißen Schleier. Sobald die Sichtweite durch diesen Schleier auf unter 1000 Meter fällt, sprechen Meteorologen von Nebel.

Verschiedene Arten

Nebel ist aber nicht gleich Nebel. Experten unterscheiden verschiedene Arten, da Nebelschwaden auf unterschiedliche Weise entstehen.

Strahlungsnebel

Der Nebel liegt dicht über dem Boden. Foto: flickr.com/Robert Körner

Der Nebel liegt dicht über dem Boden. Foto: flickr.com/Robert Körner

Im Herbst kommt der sogenannte Strahlungsnebel am häufigsten vor. Nachts strahlen Boden und Pflanzen noch Wärme vom Tag ab. Da die Luft diese Wärme aufnimmt, wird der Boden immer kühler. Die warme Luft steigt hoch und die Luft direkt über dem Boden, kühlt sich stetig ab. So bilden sich Nebelschwaden in Bodennähe. Ist die Luft sehr feucht, bilden sich dicke Schichten, die selbst dann noch bestehen bleiben, wenn die Sonne morgens die Luft schon wieder langsam erwärmt.

Fällt die Temperatur so stark, dass Wasser an den Oberflächen der Pflanzen kondensiert, bilden sich Tautropfen. Diese Temperatur, die mindestens nötig ist, damit das Wasser in der Luft flüssig wird, nennt man Taupunkttemperatur. Wird es unter null Grad Celsius kalt, gefriert der Tau, und es bildet sich Reif auf Grashalmen und Blättern.

Mischungsnebel
Oft bildet sich Nebel über Flüssen oder Seen. Im Herbst ist die Lufttemperatur geringer als die Wassertemperatur, da Gewässer im Laufe der Jahreszeiten nur sehr langsam auskühlen. Liegt die Außentemperatur knapp über null Grad Celsius, kann der See trotzdem noch 15 Grad Celsius warm sein. In solchen Fällen erwärmt sich die Luft in der Nähe der Wasseroberfläche.

Als würde der See dampfen: Flussrauchen in einem Naturschutzgebiet in Niedersachsen. Foto: flickr.com/tramani_sagrens

Als würde der See dampfen: Flussrauchen in einem Naturschutzgebiet in Niedersachsen. Foto: flickr.com/tramani_sagrens

In warmer Luft kann mehr Wasserdampf enthalten sein als in kalter. Daher wird der Nebel über der Wasseroberfläche dichter. Die warme Luft steigt nach oben und vermischt sich mit der kalten. Der Wasserdampf kondensiert. Es bildet sich das sogenannte See- und Flussrauchen, kleine Nebelfetzen nahe der Wasseroberfläche. Seen und Flüsse sehen dann aus, als würden sie dampfen.

Diese Nebelart ist als Mischungsnebel bekannt, da warme und kalte Luft sich ständig neu durchmischen.

Moor-, Küsten- und Wolkennebel

Moornebel am Kaltbrenner Riet - ein Flachmoor in der Schweiz. Foto: flickr.com/ponte1112

Moornebel am Kaltbrenner Riet – ein Flachmoor in der Schweiz. Foto: flickr.com/ponte1112

Zu allen Jahreszeiten findet sich Nebel über Moorgebieten. Das liegt daran, dass das Moor sehr kalt ist und die bodennahe Luft stark abkühlt. Es bildet sich Strahlungsnebel. Auch Küstennebel ist jahreszeitenunabhängig, da Mischungsnebel das ganze Jahr über durch den Wind vom Meer ins Land hineingetragen wird.

In den Alpen bildet sich oft Wolkennebel. Dieser entsteht, wenn die Sonne die Bergflanken bestrahlt und aufwärmt, der Tag jedoch kühl und feucht ist. Dann steigt die warme Luft von den Bergflanken hoch zum Gipfel und vermischt sich dort mit kalter Luft. Es kommt zum Mischungsnebel, der die Bergspitze in Weiß hüllt.

Nebel verschwindet erst, wenn sich die Luft durch die Sonne deutlich erwärmt. Das kann im Herbst oft vorkommen, wenn die Nächte zwar kühl, die Tage aber sonnig sind. Dann löst sich der Nebel von unten her auf, weil der Boden warm wird und diese Wärme an die Luft abgibt.

Auch Wind kann Nebel verschwinden lassen, denn er durchwirbelt die verschiedenen Luftschichten, die kalte Luft erwärmt sich und schon löst sich der Nebel wieder auf und es scheint, als ob die weißen Schleier wieder zurück in die Wälder kriechen.

 

 

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