TU: 8,5 Mio. Euro weniger

Die TU Dortmund läutet deutliche Sparmaßnahmen ein. Die universitären Einrichtungen und Fakultäten hatten in diesem Jahr mit etwa zwölf Millionen Euro aus zusätzlichen Mitteln gerechnet – das Rektorat sieht aber nur Spielraum für 3,5 Millionen Euro. Wegen der fehlenden Gelder muss nun vermutlich auf Rücklagen zurückgegriffen oder im Sachmittel-Bereich gekürzt werden. Darunter fallen auch die Gehälter von studentischen und wissenschaftlichen Hilfskräften. Sowohl die Hochschulleitung als auch einige Dekane sehen das als notwendigen Schritt an: Die Uni sei zwar nicht pleite, aber man müsse für die Zukunft planen.

Einblick in die Finanzen: In den nächsten Wochen will das Rektorat prüfen, welche Fakultäten und Einrichtungen auf Rücklagen zurückgreifen können und welche Hilfe benötigen.

Einblick in die Finanzen: In den nächsten Wochen will das Rektorat prüfen, welche Fakultäten und Einrichtungen auf Rücklagen zurückgreifen können und welche Hilfe benötigen. Foto: pixelio.de/Silke_Kaiser

Prof. Dr. Uwe Schwiegelshohn, Prorektor Finanzen der TU Dortmund, stand am 14. September 2010 vor einer schwierigen Aufgabe. Er musste den Dekanen der Fakultäten und den Leitern der universitären Einrichtungen, wie Bibliothek, Verwaltung oder ITMC, erklären, dass sie für das Jahr 2010 deutlich weniger Geld bekommen, als viele von ihnen angenommen hatten: nämlich ganze zehn Prozent weniger. Gründe dafür seien unter anderem fehlende zusätzliche Einnahmen der Universität, etwa aus Zinserträgen, als auch gestiegene Ausgaben, wie zum Beispiel Heizungs- und Bewirtschaftungskosten. Außerdem müsse die TU Geld beiseite legen, um die geplanten Neubauten und Gebäudesanierungen finanzieren zu können, so Schwiegelshohn. Die Gefühle in den Fakultäten sind gemischt: Einige Dekane können den Schritt nachvollziehen, andere sehen nicht ein, warum man anscheinend die Jahre zuvor „über seine Verhältnisse“ gelebt habe und nun sparen müsse.

Diese zehn Prozent machen insgesamt zwölf Millionen Euro aus, auf die Fakultäten entfallen dabei neun Millionen. Das bedeutet beispielhaft, dass der Elektrotechnik rund 300 000 Euro fehlen, den Kulturwissenschaften 500 000 und der Informatik 600 000 Euro. Die Informatik hat deswegen ein laufendes Berufungsverfahren abgebrochen, der Haushaltsausschuss formulierte in seiner Empfehlung deutliche Kürzungen – vor allem im Sachmittelbereich. Der Sachmittelbereich umfasst aber nicht nur Geräte und Maschinen, sondern auch die Gehälter von studentischen und wissenschaftlichen Hilfskräften. Gerade an Fakultäten ohne teures Zubehör bilden diese den größten Kostenpunkt – und bieten daher die besten Einsparmöglichkeiten. Denn im Gegensatz zu wissenschaftlichen Mitarbeitern sind sie leicht kündbar. In der Mathematik beispielsweise fehlen  400 000 Euro, umgerechnet sind das etwa acht Hilfskräfte. Dieser Stellenabbau würde vor allem bedeuten, dass Tutorien wegfallen. Die Verträge der wissenschaftlichen Mitarbeiter wurden bereits gemacht, bevor die Uni-Leitung die Sparmaßnahmen mitgeteilt hatte, können also nicht so leicht gekündigt werden. Doch diese Verträge sind befristet und laufen nach und nach aus. Ob sie danach verlängert werden, ist fraglich.*

3,5 Millionen Euro als Notfall-Budget

Die Uni-Leitung ist sich der Problematik bewusst: Sie könne zwar nicht die gesamten zwölf Millionen Euro aufbringen, will aber mit 3,5 Millionen Euro das Schlimmste verhindern. „Wir wollen mit dem Geld dort aushelfen, wo es die größten Nöte gibt“, sagt Schwiegelshohn. Das Rektorat will deswegen mit den Fakultäten und Einrichtungen Gespräche führen. „Dabei wird nach dem Solidaritätsprinzip verfahren“, erklärt der Prorektor. Damit meint er, dass Fakultäten mit hohen Rücklagen auf ihr Erspartes zurückgreifen sollen, während andere mit weniger Rücklagen eher mit Hilfe rechnen können. Zwar könnte man auch nach dem Prinzip „Erziehungsmaßnahme“ verfahren und Fakultäten abstrafen, die schlecht kalkuliert haben. Aber darunter habe die Lehre zu leiden, und das hält Schwiegelshohn für einen zu hohen Preis.

Wenn es zu Kürzungen kommt, dann wird vermutlich an studentischen Hilfskräften gespart. Die Folge: weniger Tutorien.

Wenn es zu Kürzungen kommt, dann wird vermutlich an studentischen Hilfskräften gespart. Die Folge: weniger Tutorien. Foto: TU Dortmund

Einige Dekane argumentieren, dass ihre Rücklagen gebunden sind – also für zukünftige Projekte angelegt wurden – und nicht angetastet werden können. Andere hingegen erklären, dass sie durchaus in der Lage seien, in diesem Jahr auf Erspartes zurückzugreifen – 2011 sehe das dann aber ganz anders aus. Außerdem befürchten einige, dass diese Verfahrensweise wohl in ein „Hauen und Stechen“ um die Gelder enden werde. Der Allgemeine Studierendenausschuss (AStA) habe über dieses Vorgehen nur über verschiedene Ecken erfahren, erklärte AStA-Referent Johannes Blömeke. „Aber wir werden alles dafür tun, dass diese Kürzungen nicht durch Studiengebühren kompensiert werden.“

Kalkulation aus Gewohnheit

Um zu verstehen, warum viele mit Geld gerechnet hatten, das ihnen jetzt fehlt, muss man in die Vergangenheit blicken: Am 16. Dezember 2009 stellte die Uni-Leitung den vorläufigen Haushalt für das Jahr 2010 auf. Dabei veranschlagte sie nur 90 Prozent des Vorjahres-Budgets. Das hat laut Prorektor Schwiegelshohn einen einfachen Grund: Die Universität konnte zu diesem Zeitpunkt nicht wissen, wie hoch die Einnahmen aus „zusätzlichen Mitteln“ ausfallen werden. Dazu zählen etwa Zinserträge aus angelegtem Geld, Gebühren für den Flohmarkt auf dem Emil-Figge-Parkplatz und Erlöse aus dem Energieverkauf des Blockheizkraftwerkes auf dem Nord-Campus. Die 90-Prozent-Beschränkung ist nicht unüblich, „typischerweise wird mit 80 Prozent gerechnet“, so Schwiegelshohn. Auch in den vergangenen Jahren wurde meist so verfahren. Mitte bis Ende des jeweiligen Jahres bewilligte das Rektorat dann nachträglich die erst zurückgehaltenen zehn Prozent. Viele Fakultäten und universitären Einrichtungen kalkulierten daher auch 2010 nicht mit 90 Prozent, sondern eben mit 100 Prozent. Doch dieses Jahr bleibt es bei den 90 Prozent. Das habe verschiedene Gründe, erklärt Schwiegelshohn.

Kalter Winter – ein Kostenverursacher

Zum einen habe die Finanzkrise auch die Universität nicht verschont: So habe das Rektorat in eher sichere Geldanlagen investiert, die aber nicht so viel Zinsen abwerfen wie die Jahre zuvor. Außerdem seien die Heizkosten gestiegen, der Winter 2009 war besonders kalt. Rund drei bis vier Millionen Euro, so Schwiegelshohn, habe die Uni mehr für Heizung und Bewirtschaftung der Gebäude ausgegeben. Weiterhin seien die Ausgaben in der Verwaltung und für Raummieten gestiegen. Das habe vor allem damit zu tun, dass die Fakultäten sehr viele Drittmittel eingeworben hätten. Denn für viele Forschungsprojekte, die über Drittmittel finanziert werden, muss die Uni Räume bereitstellen und die Verwaltungskosten tragen. „In Zukunft wollen wir Drittmittel-Anträge deswegen eingehender prüfen“, sagt Schwiegelshohn.

Für die Bau- und Sanierungsmaßnahmen muss die TU 6,4 Millionen Euro selbst aufbringen. Deswegen will das Rektorat jetzt Rücklagen bilden.

Für die Bau- und Sanierungsmaßnahmen muss die TU 6,4 Millionen Euro selbst aufbringen. Deswegen will das Rektorat jetzt Rücklagen bilden. Foto: TU Dortmund

Ein weiterer Grund, dass der Haushalt auf 90 Prozent eingefroren bleibt, sind die verschiedenen Bau- und Sanierungsmaßnahmen. Um mit den erwarteten Studentenansturm zurechtzukommen, will die Universität anbauen (siehe dazu auch das Interview mit TU-Rektorin Ursula Gather auf DerWesten.de). Zwar kommt der Großteil der finanziellen Mittel aus dem Hochschul-Modernisierungsprogramm, doch die TU muss auch selbst sechs Prozent zu den Baukosten beitragen. Das sind laut Schwiegelshohn 6,4 Millionen Euro.

„Besser jetzt als später sparen“

Das Rektorat habe erst überlegt, ob es die fehlenden zwölf Millionen Euro aus Rücklagen finanzieren könne. „Doch dann hätten wir in einigen Jahren das Budget noch viel deutlicher herunterschrauben müssen“, sagt der Prorektor. Denn aufgrund der Baumaßnahmen sei viel Geld bis ins Jahr 2018 gebunden. Wenn man das Ersparte jetzt ausgäbe und auch auf die Zinsen verzichten würde, könnte man in einigen Jahren die Baukosten nicht mehr tragen. Einige Dekane können die Argumentation des Rektorats nachvollziehen und loben die Transparenz. Es sei das erste Mal gewesen, dass man vollen Einblick in die Finanzen bekommen habe und die Lage ausführlich erläutert wurde. Andere hingegen glauben, dass die Uni-Leitung auf das Ersparte der Fakultäten zugreifen wolle und fühlen sich unvollständig informiert.

Studierende offiziell nicht informiert

Die Botschaft der Finanzierungsprobleme ist mittlerweile durch die Fakultäts- und Institutsgremien gesickert und wurde am vergangenen Dienstag (12. Oktober) auf der Sitzung des Studierenden-Parlaments (StuPa) thematisiert. Genauso wie der AStA wurde auch das StuPa nicht offiziell von der Leitung über die Sparmaßnahmen unterrichtet. Auf der Sitzung votierten die Mitglieder deswegen dafür, TU-Rektorin Ursula Gather zu einem Gespräch einzuladen. Die Fachschaftsräte-Konferenz schloss sich auf ihrer Sitzung am vergangenen Donnerstag (21. Oktober) dieser Forderung an. Die Budget-Gespräche mit den Einrichtungen und Fakultäten beginnen am Montag (25. Oktober). Sie werden sich voraussichtlich mehrere Wochen hinziehen.

*Update vom 26.10.2010, 15:22 Uhr: Der Absatz über die studentischen und wissenschaftlichen Hilfskräfte wurde ausgebessert, so dass keine Verwechslungen mit wissenschaftlichen Mitarbeitern entstehen.